Landwirte am "Grünen Tisch"

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MdL Eric Beißwenger, Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz, Bundesminister Dr. Gerd Müller und MdL Angelika Schorer, Vorsitzende des Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten am „Grünen Tisch“ in Sulzberg

Sulzberg – Vom Bodenseefischer bis zum Bergbauern aus Oberstdorf – etwa 40 Praktiker aus den verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft waren der Einladung an den „Grünen Tisch“ gefolgt. MdB Dr. Gerd Müller und die beiden CSU-Abgeordneten aus dem Bayerischen Landtag, Angelika Schorer und Eric Beißwenger, wollen aktuell anstehende Fragen zur Zukunft des ländlichen Raums besprechen und hören, was die Fachleute bewegt.

Denn er habe, so Müller, der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, „trotz weltweiter Aufgaben die Heimat im Blick.“ Und auch Schorer und Beißwenger, die die Interessen der lokalen Landwirtschaft in Bayern, aber auch in Brüssel bei der EU vertreten, haben „das Ohr am Volk“.

Die Vielfalt der Themen, Probleme und Verbesserungsvorschläge hätte größer nicht sein können. Sie reichten von A wie Ammoniakreduktion bis Z wie Zuchtziele und dazwischen lagen Biobetriebe, Erbschaftssteuerreform, Gülleregelung, Milchpreis, Nationalparkplanung, Tierwohllabel und Wolfsmanagement.

Einig waren sich alle Fachleute darüber, dass es für die Landwirtschaft keine einheitlichen, von Andalusien bis in Allgäu geltenden Rahmenverordnungen geben darf. Denn nur dezentrale Regelungen durch die Landratsämter können die lokalen Gegebenheiten berücksichtigen. So ist es im Berggebiet technisch unmöglich, Gülle mit Schleppschläuchen auszubringen und müssen für Verordnungen, die auf Massentierhaltung wie in etwa in Norddeutschland üblich zugeschnitten sind, Ausnahmeregelungen und Übergangsfristen für bäuerliche Familienbetriebe möglich sein. Auch für den Ausstieg aus der Tieranbindehaltung brauche es eine vertretbare Übergangsfrist. Überhaupt soll das Prinzip „Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht“ gelten. Auch die sog. „CC-Kontrollen“ sind ein Reizthema, das heißt, die unangemeldeten Kontrollen auf den Höfen, ob die Vorschriften zu Pflanzenschutz und Tierwohl eingehalten werden. Da lautet die Forderung an die Fachpolitiker, Verstöße zu Ordnungswidrigkeiten herabzustufen und für praxisgerechte Umsetzung der Vorschriften sorgen. Und überhaupt: „Nutztierhaltung, da wissen alle Bescheid, egal was sie gelernt haben!“

Einigkeit herrschte am „Grünen Tisch“ auch darüber, dass die konventionelle Landwirtschaft, immerhin 80 Prozent der Betriebe, nicht verteufelt werden darf und Schwarz-Weiß-Denken nicht hilfreich ist. Ökobauern und konventionell wirtschaftende Bauern sollen sich nicht auseinander dividieren lassen.

Und was hat Deutschlands Flüchtlingspolitik mit der Allgäuer Landwirtschaft zu tun? Diesen thematischen Bogen schlug Elisabeth Koch, die stellvertretende Kreisbäuerin aus dem Oberallgäu. Weil auch ihr Betrieb auf Fremdarbeitskräfte angewiesen ist, sind zwei aus Nigeria geflüchtete Männer dort tätig und zwar zu ihrer höchsten Zufriedenheit. Die beiden sind sehr gut integriert, aber von Abschiebung bedroht. Koch forderte einen menschlicheren Umgang mit Geflüchteten und Müller stimmte ihr zu, dass die Ortsbehörden einen größeren Spielraum brauchen, um praktikablere Lösungen zu finden.

Koch bezeichnete sich als „Kämpferin für die GVO“, also für ein Wirtschaften ohne genveränderte Organismen, und zwar aus ureigener Verantwortung für die Familien und Tiere.

Aus der lebhaften Diskussion der Landwirtschaftsexperten und Verantwortlichen aus der Kommunalpolitik konnten Müller, Schorer und Beißwenger ein dickes Auftragspaket ableiten. Agrarpolitik mit Weitblick gestalten, Natur und Tiere schützen, bäuerliche Familienbetriebe erhalten – eine wahrlich vielfältige und konfliktträchtige Mission!

Elisabeth Brock

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