Es war einmal...

Ein Rundgang um die frühe Stadt Kempten anhand historischer Stadtansichten

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Altes Spital an der Illerbrücke
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Das einstige Klostertor.
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Das Fischertor
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Das Waisentor mit Waisenhaus auf der linken Seite.
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Gedenktafel Schwärzlinstor

Kempten – Wir fahren fort mit unserem Rundgang durch das einstige Kempten zur Zeit des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, wie es heute kaum mehr jemand kennt. Damals bot das kleine Kempten, in dem rund 4000 Menschen lebten, mit der Burghalde, seinen massiven Schutzmauern, Türmen und Toren schon aus der Ferne einen imposanten Anblick. Heute steht neben der Burghalde von den einstigen Toren nur noch das kleinste, das sogenannte Ankertörle an der Illerstraße und auch von den ehemaligen Türmen ist nur noch der kleine Pulverturm an der Webergasse übriggeblieben. Nicht anders ist es bei der ehemaligen Stadtmauer, von der nur noch Reste an einigen Stellen der Stadt zu sehen sind. Daneben findet der geschichtlich interessierte Betrachter in Kempten noch bescheidene Hinweise auf die ehemaligen Anlagen. Dazu gehört ein Modell in der Fischerstraße, gegenüber der Residenz, das an das einstige Klostertor erinnert. Daneben gibt es noch viele Haus- und Gedenktafeln, die größtenteils von Dr. Otto Merkt stammen. Sie sind manchmal – gut versteckt und öfters auch stark verwittert – an bestimmten Gebäuden oder Plätzen in der Stadt angebracht und beschreiben kurz ihre dahinterliegende Geschichte. Wer sich also heute ein Bild von unserer frühen Stadt Kempten aus dem 16. und 17. Jahrhundert machen möchte, ist auf historische, Chroniken, alte Bilder und einstige Stadtansichten angewiesen. Die älteste Ansicht ist die Kosmographie von Sebastian Münster aus dem Jahre 1569, die uns die Stadt von einem nordöstlichen Standpunkt aus zeigt.

Wir gelangen nun zum Klostertor (heute Klostersteige zum Residenzplatz hin), das um 1443 erbaut worden ist. Es dürfte das wohl imposanteste und bestgeschützte Tor in der Stadtmauer sein, denn es hat eine sogenannte Barbakane. Das bedeutet, dass vor dem Haupt- und Mitteltor zwei Verbindungsmauern über den Stadtgraben führen, die in zwei kleine Seitentürme übergehen, die dem starken Haupttor vorgelagert sind. Das Haupttor kann mit einer Zugbrücke geschlossen werden. Diese Torsicherungen sollen Feinden das Eindringen in die Stadt erschweren. Bürgermeister Veit Sailer veranlasste 1470 den Ausbau des Turmes und 1471 erhielt die Anlage eine ständige Wachmannschaft. 1494 wurde der Turm erneuert. Die Innenseite des Tores schmücken drei Wappen, unten das alte und neue Stadtwappen, darüber das Wappen des Stifts. Das Tor steht an der Straße nach Isny und Leutkirch direkt gegenüber dem Kloster, daher auch die Bezeichnung Klostertor. 

Auf unserem weiteren Weg kommen wir zum Rieger- oder „Neuen“ Turm, erbaut um 1405 (Auf‘m Plätzle). Mit dem Wort „Rieger“ bezeichnet man eine Reihe dicht aneinandergefügter Pfähle oder Pfosten, mit denen die Baumeister den Grund gegen durchdringendes Wasser abdichten. Diese Erklärung liegt nahe, da nach verschiedenen historischen Stadtansichten der Graben vor diesem Tor und den Mauerabschnitten mit Wasser gefüllt ist. Danach kommen wir auf unserem Rundgang zum Diebsturm (Beethovenstraße, Linggstraße) dessen Name wahrscheinlich ein Hinweis ist, welche Täter in seinen Kerkergewölben schmachten müssen. Nur noch ein stark verwittertes und kaum mehr lesbares Gedenktäfelchen erinnert heute noch an diesen Turm. 

Nun erreichen wir das Fischertor (Freudenberg/Fischerstraße). Es hat seinen Namen von den Illerfischern, die im Mittelalter in seiner Nähe gewohnt haben sollen, denn damals hatte die Iller noch einen anderen Verlauf und floss unterhalb dieser Gegend. Ein Fisch und das Stadtwappen befinden sich über dem Eingang. Es gibt hier einen Haupteingang und zwei kleinere Seiteneingänge, die um 1666 angebaut werden. Der frühere Tordurchgang für Fußgänger, Reiter und Fuhrwerke war zu eng, so dass die Stadt die beiden Seiteneinlässe errichten ließ. Über dem Haupttor wohnt der Torwächter, der die Eingänge bewacht und die Tore schließen muss. Karrer berichtet ausführlich über die beiden Einlässe, die gegeneinander geöffnet und geschlossen werden. Sobald eine Tür geschlossen ist, verriegelt auch die andere und die Person ist zwischen den Türen gefangen. Eine heruntergelassene Laterne ermöglicht dem Torwärter, den „Eindringling“ genau zu betrachten. Wer nach 22 Uhr durch das Tor gehen möchte, muss eine kleine Einlassgebühr berappen. Alle Personen, die des Nachts dieses Tor passieren, müssen vom Torwärter schriftlich notiert werden und sind am nächsten Tag dem Stadtmagistrat zu melden. 

Wir gehen weiter und erreichen das Neustätter-, Toten-, oder Waisentor, (Freudenberg/Ecke Kronenstraße) das ein Spitzdach hat und einen Satteldachvorbau besitzt. Es ist erstmals 1324 erwähnt und steht auf der einstigen und später trockengelegten und aufgefüllten Iller, also auf einer neuen Stätte, daher Neustätter Tor. Die Menschen nennen es auch noch „Schießstadttor“, weil man zum hölzernen Büchsenschieß- haus unterhalb der Burghalde gehen kann. 1513 soll ein Blitz in den Turm eingeschlagen und dabei zwei Personen getötet haben. Auf halber Turmhöhe befindet sich eine Sonnenuhr. In seinen Kellergewölben errichtete die Stadt ein Gefängnis, das berüchtigte „Katharinenloch“. In diesem dunklen und feucht-kalten Kellergewölbe büßen Schwerverbrecher ihre Strafe ab. In dieses Verließ kommen vorübergehend auch solche Personen, auf die der Scharfrichter wartet. Es gilt als besonders sicher, da man die Gefangenen nur mit einem Seil hinablassen und wieder herausziehen kann. Zu beiden Seiten des Turmes befindet sich ein Geschützaufbau mit Pultdach, auf dem je vier „Feldschlänglein“, (kleine Kanonen) stehen und Feinde abwehren sollen. Ganz in der Nähe befindet sich auch der evangelische Friedhof der freien Reichsstadt. Die Stadtobrigkeit sah sich aus Platzgründen gezwungen, ihren alten Friedhof vor der St.-Mang-Kirche ab 1553 unmittelbar vor die Stadtmauer neben die Burghalde, an den Ort des heutigen evangelischen Friedhofs zu verlegen. Zuvor befand sich auf diesem Platz ein „Thier- und Baumgarten“. 

Auf diesem Friedhof, den die Besucher durch ein zweiflügliges Eingangstor betreten können, wird die Stadtobrigkeit im August 1755 eine Friedhofsordnung erlassen, wobei sie den Gottesacker in Planquadrate aufteilen, die Grabrichtung und die Gräbertiefe festlegen lassen wird, um zu vermeiden, dass die Totengräber bei der Anlage neuer Gräber auf bestehende Ruhestätten stoßen. Erst im Jahre 1863 wird die Stadt auf dem evangelischen Friedhof eine Leichenhalle errichten. Bis zu diesem Zeitpunkt bewegen sich die Leichenzüge vorwiegend über die heutige Vogtstraße zum Friedhof. Deswegen heißt diese Straße auch „Totengasse“. Da man durch dieses Tor auf den Friedhof unterhalb der Burghalde gelangen kann, trägt es auch den Namen Totentor. Später, zwischen 1708 und 1713 lässt die Stadt in seiner Nähe das städtische Waisenhaus erbauen, das man auf der linken Seite der Darstellung sieht, deshalb nennen es die Kemptener auch Waisentor. 

Wir erreichen nun die Burghalde, die sich schon früh zu einem weiteren Konfliktherd zwischen Bürgerschaft und Fürstabt entwickelte. Die Bürger mussten hinnehmen, dass – durch altes Recht festgelegt – auf der Burg immer noch der stiftische Vogt als Vertreter des Abtes mit seinen Knechten saß. In einem Erlass vom 21.9.1360 verfügte zwar Kaiser Karl IV, dass die Stadt Kempten und die dortige Burg für das Reich „gleich ein Ding“ seien, d.h. die Burghalde Teil der Stadt sein sollte. An der Besetzung der Burg änderte dies aber nichts. 

Doch diese kaiserliche Verfügung führte erneut zu Streitigkeiten. Zu ihrer Klärung setzte der Kaiser ein Schiedsgericht ein, das aus seinem Ammann in Schwaben, Rudolf von Homburg und den Vertretern von fünf Reichsstädten bestand. Dieses Schiedsgericht nach der „Homburgschen Richtung“ fällte aber ein für die Stadt enttäuschendes Urteil, da es wesentliche grund- und gerichtsherrliche Rechte des Abtes in der Stadt bestätigte und die Besetzung der Burghalde legitimierte. Danach war es der Stadt nicht mehr erlaubt, Eigenleute des Stifts als Bürger aufzunehmen und die Zinser des Stifts durften die Bürgerrechte nur erhalten, wenn sie in der Stadt ihren Wohnsitz hatten. Zu einer Verschärfung der Lage kam es am 12.9.1363, als beherzte Kemptener die stiftische Burghalde erstürmten. Wegen ihrer beherrschenden Lage empfanden die Bürger die Burghalde als Bollwerk der klösterlichen Macht, von der sie sich bedroht fühlten. Denn von der höher gelegenen Burg aus, konnte der Vogt die Stadt gut übersehen. Da er auch die Schlüssel zu den Stadttoren besaß, sollen seine Knechte während der Nacht öfters in die Stadt eingedrungen sein und mit den Bürgersfrauen und -töchtern ihre „üblen Spiele“ getrieben haben. 

Nach der Eroberung und teilweisen Zerstörung der Anlage errichteten die Bürger zwischen Stadt und Burg auf stiftischem Gebiet eine Mauer. Der kaiserliche Friedensrichter, der diese Aktion als Landfriedensbruch beurteilte, forderte die Stadt auf, die Burg wieder aufzubauen. Da die Bürgerschaft dieses Ansinnen ablehnte, kam es zum Vergleich vom 23.7.1364. Darin verpflichtete sich die Stadt, dem Abt 5000 Pfund Heller zu zahlen, ein Viertel des Ungeldes abzutreten und sogar Steine für den Wiederaufbau der Burg zu liefern. Etwas später kam es wegen der „illegalen“ Eroberung der Burghalde zu einem politischen Nachspiel. Obwohl sich die Kemptener deswegen die Ungnade des Kaisers zuzogen, stellte sich die Besetzung der Burg als Erfolg im Kampf um die Emanzipation der Stadt heraus. Denn der Abt verzichtete auf die Burghalde und veräußerte sie am 17.3. 1379 um 1600 Pfund Heller samt der Grundfläche und der widerrechtlich errichteten Mauer an die Stadt. 

Von der Burghalde aus genießen wir den schönen Blick über die befestigte Stadt Kempten. Wir sehen das Rathaus, die St.- Mang-Kirche, den Waag- und Salzstadel und die vielen Gebäude, die zu unseren Füßen liegen. Heute fehlt uns die Zeit, um all diese Gebäude mit ihrer Geschichte näher zu betrachten. Deshalb steigen wir die Burghalde hinab und kommen zum Pulverturm, in dem die städtischen Pulvervorräte lagern. Er steht, in der Nähe des Brennergassentores (heutige Webergasse) und ist der einzige erhaltene Turm der alten Stadtbefestigung. Die Städter nennen ihn dann auch Schwedentürmlein, weil an dieser Stelle die Schweden 1634 unter dem Jubel der evangelischen Stadtbevölkerung die Stadtmauer erstiegen und die Stadt von den kaiserlichen Truppen befreiten.

Unser Rundgang führt uns nun weiter in die sog. Brennervorstadt mit seinem Brennergassenoder Schwärzlinstor. Der Begriff „Brenner“ kommt vom mittelhochdeutschen Wort „brünne“ bzw. „brünner“ und bedeutet Brustharnisch oder Harnischmacher. Der Name zeigt, welche Berufe hier tätig sind. Mit der Ansiedlung dieser Handwerker am Rande der Stadt möchte die Obrigkeit die Bürger vor Feuersgefahren, von Lärmbelästigungen sowie den Rauchemissionen, die von ihren Werkstätten ausgehen, so weit wie möglich schützen. Der Name Schwärzlinstor kommt vielleicht daher, weil Rauch- und Rußpartikel, die von den Schmiedefeuern der Harnischmacher stammen, Mauern und Turmteile in diesem Stadtviertel anschwärzen. Heute erinnert nur noch eine kleine, fast verwitterte Gedenktafel an dieses imposante Tor. 

Unser Weg führt uns nun wieder an die Illerbrücke, wo wir am städtischen Spital mit seiner Spitalkirche vorbeikommen (heute Ecke Burgstraße, Brennergasse), an das noch eine Gedenktafel erinnert. Dabei müssen wir unsere Vorstellungen von Spitälern oder Krankenhäusern, wie wir sie kennen, weit über Bord werfen. Als wohl erstes Spital richtete die Stadt Kempten um 1390 dieses Haus als Pflegeanstalt ein, um für alte und kranke Menschen sowie Pilger eine Herberge zu schaffen. Dieses Heilig-Geist-Spital nimmt daneben auch arme, verlassene, „bresthafte“, „krüppelhafte“, „wahnsinnige“, „epileptische“ und „schwachsinnige“ Personen auf. Aber auch zurückgebliebene Soldaten und Bürger, die durch das Alter an Entkräftigung leiden, dürfen auf Aufnahme hoffen. Daneben können sich auch wohlhabende Kemptener einen Platz als Absicherung fürs Alter erkaufen und es nimmt auch bis zum späteren Bau des Waisenhauses beim Waisentor ab 1713 Waisenkinder so lange auf, bis sie sich selbst versorgen können. Die Insassen müssen bei der Arbeit im Spital mithelfen, jeden Tag die Messe in der Spitalkirche besuchen und entweder täglich, mindestens aber einmal pro Woche drei Rosenkränze für das Wohl der Spitalstiftung beten. Das Spital ist oft so überfüllt, dass man keine Person mehr aufnehmen kann. Oft behilft man sich dann damit, dass man einen Kranken so lange in das Blockhaus einsperrte, bis ein Platz frei wird. Bei der Aufnahme von neuen Personen achtet die Spitalstiftung besonders auf ihren eigenen Vorteil und nimmt vorzugsweise Personen auf, die über Vermögensbestände verfügen. Viele Insassen bewerten die Kost als rau und ungenieß- bar und bemängeln, dass es zu wenige Leintüchern für die Betten gibt und dass im Spital die „höchste Unreinlichkeit“ herrscht, weil es von Wanzen nur so wimmelt. 

In der Nähe des Spitals befindet sich auch der städtische Saumarkt, auf dem neben dem städtischen Mittwochsmarkt der Schweinehandel stattfindet. Wir verlassen nun das Stadtzentrum und gelangen über die Illerbrücke zurück in die Illervorstadt und biegen in südliche Richtung zum Steinrinnentor ab. Es liegt an der Straße nach Durach (heutige Füssener Straße) und nennt sich so, weil gerade bei Regen öfters Steingeröll in das Tal des Bachtelbaches abgeht. Vor dem Bau des ersten Rathauses tagte hier bis 1344 das Stadtgericht unter freiem Himmel. Von der Ostecke des Steinrinnentores geht die Mauer in direkter Linie den steilen Hang zum Ösch hinauf, bis sie an einen mächtigen Rundturm gelangt. Er ist als Flankensicherung gegen einen eventuellen Angriff, der von der Hochebene des heutigen Lindenbergs herkommen kann, eine wichtige Abwehrbastion.

Die Mauer der Vorstadtbefestigung vom Steinrinnentor bis zum Siechentor wird durch drei kleinere Rundtürme verstärkt. Das Chapuistürmchen mit Umfassungsmauer, wie wir es heute kennen, entspricht dort in etwa dem ehemaligen Mauerverlauf. Der Chapuisturm wird 1842 aus Steinen der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet. Südlich des Steinrinnentores steht an der Straße nach Durach und Innsbruck ein Viereckturm, das sogenannte „Rote Tor“. Hier hat die Stadt eine Straßensperre eingerichtet, mit der man den Verkehr auf der Reichsstraße im Bedarfsfalle vollständig abriegeln kann. Nicht weit davon entfernt befindet sich die städtische Hinrichtungsstätte, denn 1488 erfolgte die Verleihung des Blutbanns und die Gewährung von Stock und Galgen (auf dem Stock findet die Enthauptung statt, am Galgen das Erhängen). Seit dieser Zeit besitzt die Stadt das Recht, auch solche Urteile zu vollziehen, die mit Verstümmelungen oder mit dem Tode bestraft werden. 

Nach dem Besuch der schaurigen Hinrichtungsstätte kehren wir aber durch das Steinrinnentor zurück in die Stadt und gelangen wiederum auf den Platz des Rossmarktes und beenden somit unseren Rundgang. Nach dieser doch ermüdenden Tour haben wir uns eine Erfrischung in Form eines Getränkes verdient. Wir kehren also beim Wirt in der Vorstadt ein, einer Gaststätte und Brauerei, die ab 1603 am Rossmarkt steht. In Ermangelung der heutigen Getränkevielfalt müssen wir uns aber mit einem Krug Bier oder Wein, vielleicht auch Most zufriedengeben. Diese Vorstadtwirtschaft ist eine von über 44 Brauereien und Wirtschaften, die es in der Stadt Kempten in dieser Zeit gibt. Ab 1742 nennt sich dann dieses Haus „Weißes Rößle“, die später Brauerei und Gasstätte „Bayerischer Hof“, das heute neben der Gaststätte auch einen Hotelbetrieb hat. 

Das Ende der Stadtbefestigung 

Noch einige Worte zum Ende der Stadtbefestigung. Nach der Säkularisation und Mediatisierung (ab 1802) mussten die beiden Städte, die befestigte evangelische „Freie Reichsstadt Kempten“ und die ehemalige katholische „Stiftsstadt“, die vor den Toren Kemptens lag und keine Schutzmauern hatte, vereinigt werden. Als Zeichen des Zusammenwachsens ging man daran, ab 1807 die Stadtmauer bis auf die heute noch sichtbaren Reste und später die Tore und Wehrtürme der Stadt Kempten abzureißen. Die Bürger zeigten sich deswegen verärgert, weil viele Turm- und Mauerabschnitte mit Häusern verbunden waren und ein Teil der Wehrgänge z.B. von Färbern und Seilern wirtschaftlich genutzt wurde. Auch bei Hochwasser spielte die Stadtmauer entlang der Iller als Rettungsweg eine wichtige Rolle. Der Abbruch des Klostertors, das als das Symbol der Trennung gilt, begann 1810 und Anfang Oktober 1811 stand von diesem einst so eindrucksvollen Turm bereits kein Stein mehr. Allerdings blieb der freie Platz für längere Zeit ungepflastert und war besonders bei nassem Wetter nur schwer zu passieren. Es gab sogar massive Proteste, als der neue königliche Stadtherr den Abbruch der Befestigungen vorantrieb. Als die Stadtobrigkeit auch noch die Burghalde veräußern wollte, um ihre Einnahmen zu verbessern, gab es seitens der Bürger massiven Widerstand. Daraufhin erwarb ein Angehöriger des Magistrats die Burg für 200 Taler. Das Waisentor fiel 1865 der Spitzhacke zum Opfer. Zwischen 1986 und 1988 wurde es leicht nach Osten versetzt wieder aufgebaut. Das Fischertor musste im Jahre 1866 weichen. Damit wollten die Stadtplaner den Zugang von der Fischergasse (Fischerstraße) zum neu erbauten Bahnhof sicherstellen. Danach kam das Illertor an die Reihe. Um den Zugang von der Illerbrücke in die Stadt zu verbessern, erwarb die Stadt dieses Tor für die Summe von 18.044 Mark, um es dann 1876 abzureißen. Durch eine Bürgerinitiative wurde das Tor in der Nähe des ursprünglichen Ortes im Jahre 1990 wieder errichtet. Ein genaues Datum über den Abbruch der Schutzmauern und der Türme der Illervorstadt ist nicht bekannt. Jedenfalls sind das Siechen- und Steinrinnentor zum letzten Mal 1771 erwähnt.

Dr. Willi Vachenauer

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