Rundkurs durch die Geschichte

50 Skelette sind in der Kapelle begraben. Fotos: Matz

Weiße Buchstaben und Zahlen erscheinen wie aus dem Nichts auf der Wand, um gleich wieder zu verschwinden. Wände und Mauern bewegen sich auf den Zuschauer zu, um im nächsten Augenblick in einem eigentlich unmöglichen Winkel wegzuhuschen. Mal lodern Flammen die Mauern hoch, mal werden historische Bilder auf die Wände projeziert. Im Hintergrund ist meist die Stimme des Erzählers zu hören, aber auch Pferdegetrappel, das Rollen von Weinfässern oder das Grummeln schwerer Artillerie gehören zur Klangkulisse. Was die Besucher des Erasmuskapellen-Schauraums seit dem Wochenende unter dem St.-Mang-Platz zu hören und zu sehen bekommen, dürfte die letzten Zweifler überzeugen. Die Kemptener Pressevertreter durften sich bereits zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung am Samstag einen Eindruck vor Ort machen.

Ist man die 23 Treppenstufen vom St.-Mang-Platz in den Schauraum herab gestiegen und hat den stechenden Geruch von frischem Leim hinter sich gelassen, ist man mitten drin in in der Kemptener Geschichte. Die Mauern der ehemaligen Kapelle, die mit stimmungsvoller Beleuchtung, Projektionen und Hörbildern zum Sprechen gebracht werden, erzählen von fast acht Jahrhunderten wechselvoller Geschichte: Vom Beinhaus zur Kapelle, von der Kapelle zur Trinkstube, vom Weinkeller zum Schützengraben, von der Ruine zum Schauraum. 800 Jahre in 45 Minuten Etwa 45 Minuten wird den Besuchern Zeit gegeben, Geschichte tatsächlich zu erleben. Zunächst sind bei gedämpftem Blaulicht nur leise Gitarrenklänge zu vernehmen. Damit soll den Besuchern gute zehn Minuten die Gelegenheit eingeräumt werden, sich im Schauraum umzuschauen, sich am Schiebemonitor über die jeweiligen Epochen zu informieren oder die 16 historischen Funde im Medientisch zu bestaunen, erläuterte Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber. Allemal sehenswert sind auch die 50 Skelette, die hinter der Wand zur ehemaligen Michaeliskapelle bestattet und durch zwei Löcher in der Mauer zu sehen sind. Mit dem Dimmen des Lichts beginnt die eigentliche Inszenierung, ein multimedialer Streifzug durch die Kemptener Geschichte, unterlegt mit einer eindrucksvollen Klangkulisse. Schließlich endet die Präsentation mit einem Rätsel – immerhin können Fachleute eingeritzte Schriftzeichen in der Wand der Kapelle noch immer nicht entschlüsseln. Fachleute am Werk Baureferentin Monika Beltinger und Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann zeigten sich nach dem ersten öffentlichen Testdurchlauf erleichtert. Noch während der Präsentation waren Arbeiter damit beschäftigt, letzte Vorbereitungen zu treffen und Fehler abzustellen. Trotzdem funktionierte alles tadellos. „Wir konnten auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen“, deutete Beltinger die Schwierigkeiten der unterirdischen Herausforderung an. Damit alles klappe, habe man auf Experten sämtlicher beteiligter Branchen zurückgegriffen. „Wir haben hier eine große Zahl von Fachleuten, die zusammen gearbeitet haben“, so Beltinger. Zu sehen und zu hören sein wird die Vorführung ab sofort täglich außer mittwochs von 11 bis 16.15 Uhr im Dreiviertelstunden-Rhythmus. Karten können direkt am Schauraum, in der Tourist Information oder im Cafè Arte reserviert werden. Ab November, kündigte Kulturamtsleiter Weber an, soll die Besichtigung des Schauraums in die klassische Stadtführung „Kempten – 2000 Jahre jung“ integriert werden.

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