Auf Rupert von Bodmans Spuren

Auch wenn der große Tisch in der Sakristei der St.-Lorenzbasilika derzeit wegen der Bauarbeiten in der Residenz durch eine Abdeckung geschützt werden muss, stößt der Raum beim Stiftsstadtspaziergang auf großes Interesse. Foto: Name

Rupert von Bodman (1646 – 1728) gab den Weg vor, den Ilse Roßmanith-Mitterer, Vorsitzende der Stiftsstadtfreunde, für den Stiftsstadtspaziergang mit gut 30 Interessierten vergangene Woche beschritt. 50 Jahre lang habe der 1678 zum Fürstabt gewählte von Bodman amtiert und damit am längsten von allen Kemptener Fürstäbten. Aus seinem Schaffen als wichtigster Bauherr der Stiftsstadt standen die Kemptener Residenz auf dem Programm, die unter ihm weiter ausgebaut worden sei.

Doch nicht nur dort hinterließ von Bodman baulich seine Spuren. Zur Residenz kommen noch das um 1700 entstandene Kornhaus, die 1680 errichtete Seelenkapelle, das Seel- beziehungsweise Armenhaus sowie das 1680 erbaute Brauhaus – heute Gasthaus „Zum Stift“ – in dem „das erste Weißbier in Kempten gebraut wurde“ sowie 1712 das erste Bockbier. Allerdings stamme nur der hintere „Gewölbeteil“ aus der Zeit Rupert von Bodmans und stehe unter Denkmalschutz. Aber nicht nur zahlreiche Bauten seien dem ehemaligen Fürstabt zu verdanken, wie Roßmanith-Mitterer wusste. Er habe ebenso für die Fernwasserversorgung vom Eschacher Weiher gesorgt, den Wochenmarkt nach Jahren wieder in die Stadt geholt, die Buchdruckerei im Stift aufblühen lassen und gegen den Willen der Reichsstadt eine Apotheke errichten lassen. Bis dahin habe man für Medizin in die Reichsstadt gehen müssen. Als aber von Bodman selbst einmal krank gewesen sei und, laut Überlieferung, „in seiner Medizin Mäusekot war“, habe er das lieber selbst in die Hand nehmen wollen. Stadtrechte erworben Enorm wichtig im Wirken von Bodmans aber sei 1712 der Erwerb des Stadtrechts gewesen, wodurch das Stift schließlich zur Stiftsstadt avanciert sei, verbunden mit „mehr Würde und Ansehen“. Die Urkunde sei allerdings erst im Todesjahr von Bodmans, 1728, eingetroffen. Unter der fachkundigen Führung von Hugo Naumann durch die Lorenzbasilika wurde zum Start der kleinen Stiftsstadttour unter anderem ein eher selten zu erhaschender Blick in die Sakristei gewährt. Im Westflügel der Residenz gelegen, sei sie unter Rupert von Bodman fertig gestellt worden. In den großen Wandschränken lagern laut Naumann „die vielen, vielen Gewänder der Lithurgie“, während auf der gegenüberliegenden Wandseite hinter kleineren Türen unterhalb einer Flucht beeindruckender Bilder von den Aposteln die Gefäße aufbewahrt würden. Über einer Tür prangt das gevierte Wappen von Bodmans mit zwei steigenden Steinböcken und gesenkten Lindenblättern; über der Tür daneben das Wappen Hildegards, die „durch den Eintritt ins Kloster nach Kempten kam“, wie Naumann erklärte. Abgaben für Pflaster Auf dem Weg vorbei am Kornhaus, das „ein Vorläufer der langen Stände“ am Residenzplatz gewesen sei, ging es ins Herz der Stiftsstadt, wo sich damals „eine gewisse Bevölkerungsstruktur“ aus Verwaltungsbeamten entwickelt habe. Schon von Bodman „wollte keinen Morast, sondern dass die Straßen gepflastert werden“. In diesem Zusammenhang schnitt sie ein noch heute heißes Eisen an: „Die Bürger mussten schon damals Abgaben dafür bezahlen“, berichtete sie. In der damals in etwa 200 Parzellen aufgeteilten Stiftsstadt sei die Post mit der Kutsche gekommen, aber natürlich nicht ausgetragen worden, erzählte Naumann. „Wer Post erwartet hat, kam an den Platz wo sie durch Ausrufen des Namens ausgeteilt wurde“. Auf die bis heute sehr bewegte Geschichte der denkmalgeschützten Seelenkapelle blickte Max Gehring, der sich auch an die Sonntagsgottesdienste während seiner Schulzeit am Humanistischen Gymnasium darin erinnerte. „Bis 1804 war der Friedhof der Gemeinde St.- Lorenz drum herum“, der dann „dahin verlegt wurde, wo der heutige katholische Friedhof ist“. Im 19. Jahrhundert sei die Seelenkapelle eine „Kirche für Sieche“ gewesen, damit sie durch ihren Anblick „den Gottesdienst in St. Lorenz nicht stören“, so Gehring. Weiter ging es zur Weiherstraße, wo einst das „Café Viereck“ – wie Roßmanith-Mitterer das ehemalige Gefängnis nannte – stand und vormals das so genannte Stockhaus, in dem „Maria Anna Schwägelin eines natürlichen Todes starb“ und nicht als Hexe verbrannt worden sei, wie oft fälschlich behauptet. Bevor es zur Stärkung ins „Stift“ ging, stand noch das 1702 erbaute „Spital“ in der Lorenzstraße an, das als Vorgänger der Krankenhauses in der Memminger Straße gesehen werden könne.

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