Die Saat des Bösen

Von den Erfahrungen in seinem Heimatland Brasilien mit genmanipulierten Agrarprodukten berichtete Prof. Dr. Antônio Jnácio Andrioli in Dietmannsried. Als Erinnerung an den Besuch im Allgäu überreichten ihm Dipl.Ing.agr. Christine Räder, der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather (links) und der stellvertretende Landrat des Oberallgäus, Heinz Möschel (rechts), eine Kuhglocke. Foto: Würzner

Der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather hatte es in seinem Grußwort zur Veranstaltung „Gentechnik-Risiko für Mensch und Natur“ bereits bekannt gegeben. Nun wurde es als Pressemeldung bestätigt: Mehr als 50 schwäbische Landwirte mussten im vergangenen Jahr junge Maispflanzen unterpflügen, weil das Saatgut ohne ihr Wissen mit Körnern einer nicht zum Anbau zugelassenen gentechnisch veränderten Linie vermischt war. Dagegen geklagt hatte ein Landwirt aus Dillingen.

Angeordnet wurde die Vernichtungsaktion von der Regierung von Oberbayern, abgesegnet vom Augsburger Verwaltungsgericht. Interessant ist, dass eine so hohe Instanz ein Urteil mit so weitreichenden Folgen fällt. Genauso aber auch die Tatsache, dass der Lieferant des Saatgutes ganz unbürokratisch Soforthilfe zahlte. Es wurde in der Vergangenheit bereits viel spekuliert über Fluch oder Segen solchermaßen veränderter landwirtschaftlicher Produkte. Mehr und qualifiziertere Informationen erhofften sich die Zuhörer in der Festhalle Dietmannsried. Wobei die Mehrzahl – wenn nicht gar alle – mit der Erwartung gekommen waren, ihre negative Einstellung bestätigt zu bekommen. Sie wurden nicht enttäuscht. Prof. Dr. Antônio Jnácio Andrioli ist kein Freund gentechnisch veränderter Pflanzen und er tritt den Beweis dafür an, dass in seinem Heimatland Brasilien sich nichts zum Guten verändert hat, seit Gen-Soja in großem Stil angebaut wird. Anhand von Videomaterial zeigt er auf, dass die Verfasser von kritischen Studien mit deren Veröffentlichung Repressalien ausgesetzt sind, seine eigene Person eingeschlossen. Dass er ein bisschen Reklame in eigener Sache macht und auf sein Buch über Agro-Gentechnik mit dem Titel „Die Saat des Bösen“ aufmerksam macht, wird ihm nachgesehen. Denn die eigentliche Botschaft ist klar und deutlich: Alle Studien, die zu einem positiven Ergebnis aus Sicht der Hersteller kamen, wurden als wissenschaftlich anerkannt. Bei genauerem Hinsehen, und das nennt Dr. Andrioli wissenschaftlich, weil alle Faktoren berücksichtigt wurden, ist der Lack bald ab. Da werden alte Tiere gegen junge ausgetauscht, der Mais auf 600 Grad erhitzt oder wenn gar nichts anderes mehr hilft, einfach die Gesetze geändert. Dann sind die Rückstände bei Spritzmitteln von heute auf morgen um den Faktor Plus 50 Prozent erlaubt. Wenn diese Fakten in einem Bericht auftauchen, wird er als unwissenschaftlich eingestuft. Und das ist es, was der Gastredner als Fazit anprangert: „Es gibt genügend Studien in alle Richtungen, aber nur die Gefälligkeitsgutachten werden veröffentlicht, die Forscher, die sie erstellen, mit üppigen Finanzmitteln ausgestattet,“ konstatiert der Professor. Vielbeklatscht wurde sein Fazit: Es gibt keinen Menschen, der nicht essen muss, also gibt es keinen Menschen, der nichts mit Landwirtschaft zu tun hat. Gentechnik ist irreversibel. Wenn die Bauern Gentechnik nicht wollen, dann gibt es sie auch nicht. „Machen sie nicht den gleichen Fehler wie wir in Südamerika.“

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