Aus Südafrika in die Big Box

"Unsere Songs erzählen Geschichten", sagt Prime Circle-Sänger Ross

Ross Learmonth hat sich schon auf das bayerische Bier gefreut.

Kempten – „Die Allgäuer sind harte Jungs“, sagt Ross Learmonth, Sänger von der Band Prime Circle während er vom Top7 auf das abendliche Schneegestöber in Kempten blickt.

Die Kälte hier fasziniere ihn, sagt er, in Johannesburg hat er am Morgen, bevor er ins Flugzeug nach Deutschland gestiegen ist, noch schönstes Poolwetter genossen. Ross ist Sänger und Songschreiber von Prime Circle, Südafrikas wohl bekanntester Rockband. Mit der Band tourt er nun seit knapp zwei Jahrzehnten durch die Welt – Europa, Asien, Afrika, war unterwegs mit großen Rockbands und stand im Rahmen der „46664“-Konzerte von Nelson Mandela auf der Bühne. Mit einigen Nummer-Eins-Hits, Platin- und Goldstatus, in den nationalen Charts hat die Band in ihrer Heimat eine beachtliche Erfolgsgeschichte geschrieben. 

Am 10. Februar macht die Band in ihrer Deutschlandtournee Halt in Kempten – bereits zum zweiten Mal. Gegründet wurde Prime Circle im Dezember 2000 im kleinen Ort Witbank in Südafrika. Ross ist dort aufgewachsen. Er hat sich als Kind schon für Musik begeistert und gemeinsam mit seinen Freunden Musik gemacht. Inzwischen sind die Bandmitglieder nach Johannesburg umgesiedelt. Überhaupt Johannesburg: Auf seine Wahlheimat kommt Ross im Laufe des Abends mehrfach zu sprechen. „Ich liebe diese Stadt, egal, welche negativen Geschichten man über sie hört, sie ist großartig. Wusstest du, dass Johannesburg den größten von Menschenhand gemachten Wald besitzt?“ 

Klar, dass Johannesburg auch Thema seines liebsten Songs ist. „My City“ handelt vom Ankommen und dem Gefühl von Heimat. Er habe den Song geschrieben, als er neu in der Stadt war und die guten, wie die schlechten Seiten kennengelernt hat. „Aber meistens geraten unsere Songs recht traurig.“ So wie etwa „Breathing“, ein Song, den die Band zum Tod von Nelson Mandela („Übrigens ein sehr humorvoller Mann, er wollte als Drummer in der Band mitmachen, hat er bei einer Begegnung gesagt und dabei gelacht.“) spielte: „Das war einer der aufregendsten Momente überhaupt: Desmond Tutu und Peter Gabriel ganz vorne im Publikum und wir stehen auf der Bühne.“

 „Wir sind keine explizit politische Band“, sagt Ross, „aber wir erzählen von unseren Geschichten, von dem, was tief in uns steckt.“ Das kann auch mal düster werden. Und das übersetzt Ross gerne in Filmbilder. „Ich liebe Horrorfilme und mein Traum wäre es, irgendwann einmal selbst einen anspruchsvollen Horrorfilm zu drehen.“ Bis eine solche Gelegenheit kommt, tobt er sich beim Drehen von Musikvideos zu eigenen Songs aus. Er reizt das Budget so weit es geht aus, um die Effekte hinzukriegen, die seine Texte in ausdrucksstarke Bilder übersetzen. Der Band ist es ein Anliegen, nicht nur die eigene Musik nach Europa zu bringen, sondern umgekehrt auch Verbindungen zu schaffen zwischen den Kontinenten. 

Vehikel dafür soll das Prime Fest werden, ein Festival in Johannesburg, das die Band selbst organisiert. „Nach der Tour werden wir daran arbeiten. Wir wollen in Johannesburg auch deutsche Bands auf der Bühne stehen sehen.“ Immerhin seien gerade diese großen Konzerte und Festivals das Kerngeschäft einer Band. „Shows sind wichtiger geworden, Platten nur noch eine Visitenkarte: Was dann aber auf der Bühne passiert, das ist es, was zählt“, sagt Ross. Die Messlatte der Entwicklung von Prime Circle sei Pearl Jam, der Band insgesamt ein großes Vorbild. Aber auch Grunge der Neunziger, Bands wie Nirvana, Nine Inch Nails, Bush, aber auch die deutschen H-Blockx fließen in die eigene Arbeit ein. Ross hat die Veränderungen in der Musikindustrie hautnah erlebt. 

Es sei schwierig, sich den Zeiten anzupassen, den eigenen Sound weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Essenz des eigenen Musikstils zu behalten. Nach der langen Zeit, die Prime Circle schon unterwegs ist, gelte es auch, „relevant zu bleiben“. Und trotzdem soll der Spaß nicht auf der Strecke bleiben. „Ich habe mir vorgenommen, extra zur Vorbereitung auf die Tour ins Fitnessstudio zu gehen. Aber das habe ich nur drei, vier Male durchgehalten, dann habe ich es gelassen. Stattdessen habe ich mich sehr auf das bayerische Bier gefreut.“ Das Publikum wird eine intime, gemütliche Show erwarten, verspricht Ross, er wolle Kontakt zum Publikum suchen und „Musik zum Mitsingen und Mitfühlen“ bieten: „Eine simple Show ist das, explodierende Drachen wird es nicht geben.“ 

Prime Circle – Innocence Tour 2019, gibt es am Sonntag, 10. Februar, in der Big Box Allgäu zu erleben. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr. 

Martina Ahr

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