Fulminanter Ausklang des Jazzfrühlings

Der Zauberer von Köln

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Ausnahmemusiker Matthias Schriefl.

Da steht er nun auf der zurückgebauten Bühne des Stadttheaters mit seiner Trompete und seiner Helikontuba, schwarze Slipper, rote Strümpfe, halblange Lederhose, gemustertes rotes Hemd, halblanges Struwelhaar und auf dem einen Glas rot und dem anderen

Glas blau getönte Brille, ein spitzbübisches Lächeln im Gesicht, der Scorcerer, der Wizard von Oz, der König Midas, dem alles, was er anfasst, zu Musik gerinnt.

Und der daraus den unstillbaren Hunger auf neue Musik zieht, denn er wird nie satt von ihr. Und er wird den Teufel tun und seine Wurzeln vergessen, die Blasmusiken vom Land, die Kühe und die grünen Wiesen seines Allgäus, denn all das ist seine Muttersprache und die fließt nun mal – auch wenn er immer noch mehr andere Sprachen lernt – in seinen Adern. „How cows cross.“ Bei ihm ist die Weltmusik keine Einbahnstraße, sie geht nicht nur hinaus in die Welt, sondern kommt an diesem Abend auch zurück. Bei ihm streben nicht nur westliche Musiker nach dreizehntaktiker Erleuchtung, sondern indische Musiker entdecken das Jodeln seiner Heimat. Und haben Spaß daran. Und dieser weltumspannende Spaß an der Musik war das Motto, das an diesem Abend auf der Bühne des Stadttheaters von Matthias Schriefl ausgegeben und zelebriert wurde, und das sich wie von Zauberhand auf das Publikum übertrug.

Jazzfrühling in der Zielgeraden

Natürlich durften, wie es sich gehört, die Gäste den Takt angeben, und das waren die Inder vom Karnataka College of Percussion, der mittlerweile altehrwürdige T.A.S. Rami an der indischen Trommel und seine Frau, die Sängerin R.A. Ramamani. Bei ihnen waren sie wie so viele westliche Musiker gewesen, um die südindische Musiktradition zu studieren, Matthias Schriefl und unabhängig von ihm sein mittlerweile in Berlin lebender Kollege aus der Heimat, Magnus Dauner, der sich uneigennützig in das Motto dieses Abends einfügte und die komplizierten südindischen Gesänge und Rhythmen mit seinem Schlagzeug für westliche Ohren übersetzte. In Indien hatte Schriefl auch den Flötisten Amith Nadig kennengelernt, der dort als eine Art Junger Wilder auf der Bansuri, der indischen Holzquerflöte, gehandelt wird. Und wild waren die wettstreitartigen Duette, die sich Schriefl mit ihm an diesem Abend lieferte. Wenn Schriefl gegen die flinken Flötentöne von Amith Nadig ins Hintertreffen geriet, dann spielte er einfach auf Trompete und Helikon gleichzeitig. Der Kölner Bassist Reza Askari bewegte sich souverän im Hintergrund aller Welten und legte sowohl die nötigen Sitar-Ostinati für die Konnakol-Passagen, indem er schwebende Flageoletts auf dem Kontrabass strich, als auch die treibenden Elektrobässe, wenn es wieder etwas westlicher in Vierertakten weiterging.

Kurz vor Schluss des Konzerts appellierte Magnus Dauner in einer Zwischenansage an das Publikum, doch weiterhin alle nichtkommerziellen Musikveranstaltungen, die erst mit viel Ehrenamt und unbezahltem Musikerschweiß möglich würden, durch fleißigen Konzertbesuch zu unterstützen. Das wirtschaftliche Auskommen einer ganzen Gilde von hervorragenden Musikern hinge davon ab. Dies war dann fast das vorweggenommene Schlusswort des Jazzfrühlings 2017. Das Publikum erklatschte sich noch eine Zugabe, bevor sich drei Musiker aus dem Osten und drei Musiker aus dem Westen in einem schönen Bild gemeinsam verneigten.

Jürgen Kus

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