Samtene Daumenschrauben

Im Isnyer Rathaus war jetzt die große Gelegenheit, sich mit dem Projekt „Natura 2000“ auseinander zu setzen – einem Vorhaben, das Europa weit den Vogel- und Landschaftsschutz regeln soll. Da saßen sie mit freundlichem Lächeln und erläuterten den „Managementplan“ des Regierungspräsidiums, der in Zusammenarbeit mit Kommunen, Organisationen und den betroffenen Anliegern verwirklicht werden soll. Vom Regierungspräsidium, Referat 56, zuständig für Naturschutz und Landschaftspflege, waren Carsten Koß und Jürgen Jebram gekommen, das Landratsamt Ravensburg (Umweltamt) wurde von Reinhold Schaal vertreten und als Mitverantwortlicher im Regierungspräsidium Tübingen stand Urs Hanke für Forstpolitik und forstliche Förderung Süd Rede und Antwort.

Eines betonten alle Teilnehmer unisono: Für Forst- und Landwirte besteht Bestandsschutz, um deren Existenz nicht zu gefährden. Bei Änderungen der Nutzung im aufgezeigten Gebiet Adelegg und Bodenmöser werden allerdings ein Genehmigungsverfahren und eine Verträglichkeitsprüfung vorgeschaltet. Jürgen Jebram verdeutlichte alle notwendigen Schritte, die gemacht werden müssten, damit Europa weit und grenzüberschreitend bestimmte Vogelarten und Pflanzengruppen geschützt werden können. Die Einrichtung eines Beirates aus Vertretern des Umweltamtes und Betroffenen soll dabei zwischengeschaltet sein und mit Vorschlägen und Einwänden Gehör finden. Reinhold Schaal stellte den ortskundigen Einheimischen die Adelegg vor, ein Gebiet also, dass im Zusammenhang von Württemberg und Bayern gesehen werden sollte. Immerhin gibt es hier noch eine innerdeutsche Grenze (in den Köpfen), die als erstes weggeräumt werden sollte, damit der Informationsfluss auch funktioniert. Das direkt vor der Haustür von Isny und Kempten ein ausgeprägter alpiner Ausläufer liegt, der mit seiner Bewaldung, den tiefen Tobeln und den Habitaten vieler Arten schützenswert ist, steht schließlich bereits seit längerem nicht mehr zur Debatte. Carsten Koß betonte die gute Zusammenarbeit mit dem Büro „ARDE.“ Dort werden alle noch zu sammelnden und schon gewonnenen Informationen zusammen getragen und dort wird auch an der Endfassung des Managementplans gearbeitet. Im Herbst soll es dann so weit sein. Die anschließende Diskussion mit den Anwesenden konnte viele Punkte anschneiden, aber nicht ganz zufrieden stellend beantworten. Einschränkungen selbst beim „sanften Tourismus“? Auswirkungen auf die Landschaftspflege, die schon seit Jahren betrieben wird? Einschränkungen bei sportlichen Veranstaltungen wie dem „Schwarzen Grat Laut?“ Windkraft auf der Adelegg im Rahmen des energetischen Konzepts? Im weiteren Verfahren werden also Gespräche geführt werden müssen und auch mit Samt gepolsterte Daumenschrauben sind am Ende schmerzhaft.

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