Umbau Kornhaus

Keller oder nicht? Das war die Frage, beim Thema neue Räume für das Kornhaus

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Die Fluchtwege sind ausschlaggebend für künftige Veranstaltungen im Kornhaus. 850 Personen finden im großen Saal Platz, kommt eine getrennte Veranstaltung im EG dazu, sind es maximal 1000 Personen.

Kempten – Jetzt ist die Richtung klar. Am Dienstag fiel in einer „Tripple-Sitzung“ von Bauausschuss, Werkausschuss und Haupt- und Finanzausschuss, die Entscheidung, in welchem Umfang das Kornhaus nun umgebaut wird.

Nötig sind in jedem Fall Brandschutzmaßnahmen, eine Dachsanierung und die Ertüchtigung der Räume des ehemaligen Allgäu-Museum. Jetzt sollen mehr und flexibel nutzbare Veranstaltungsräume geschaffen werden. Daneben bekommt der Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb Büroräume unter dem Dach, und der Keller eine Treppe. Die Kosten waren ein bestimmendes Thema bei der großen Sitzung. Und fest steht nun auch: Mit dem angepeilten Einzugstermin Ende 2020 wird es nichts. 

„Man kann so eine Einrichtung wirtschaftlich betreiben, aber nicht profitabel“, sagte Thomas Kästle von der Eloprop GmbH aus Regensburg. Der Berater war hinzugezogen worden, um eine wirtschaftliche Prognose für den Betrieb des Kornhauses aufzustellen. Nach seiner Voreinschätzung werde sich das Defizit des Kornhauses nicht wie bisher auf 400.000 Euro jährlich belaufen, sondern auf 580.000. Der Grund: Die hohen Abschreibungen durch die Sanierung. Dabei hatte er diese schon auf 50 Jahre angesetzt. Auch höhere Vermietungspreise, Mehreinnahmen durch die zusätzlichen Räume und künftige Doppelnutzungen, die Umsatzbeteiligung am Catering sowie die wegfallenden Mietkosten für die Büroräume in der Sandstraße könnten die Abschreibungen nicht ganz wettmachen. Die anwesenden Räte wogen mit spitzem Bleistift die drei vorgestellten Varianten für den Umbau – eine Maximal-, eine Normal- und eine Minimallösung gegeneinander ab. Die Maximallösung enthielt den Ausbau der Dachgeschosse mit Büros für den Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb samt Seminarräumen, die Umgestaltung des Museums als Foyer für den kleinen Kornhaussaal, sodass dieser parallel und getrennt vom großen Saal genutzt werden könnte. 

Auch im Erdgeschoss war eine Flexibilisierung vorgesehen. Der Keller sollte bei diesem großen Paket mittels Lüftungs- und Heizungsanlage für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzbar gemacht werden. Eine Treppe als Fluchtweg wäre hierfür nötig. Von einer festen Gastronomie, einem Durchgang von Ost nach West im Erdgeschoss sowie einem überdachten Eingang, wie von den Architekten in ihren ersten Entwürfen angedacht (der Kreisbote berichtete), hatten sich die Stadträte im Vorfeld schon verabschiedet. Sie tauchten in diesem Vorschlag nicht mehr auf. In einer groben Kostenschätzung, die plus minus 20 Prozent abweichen könne, veranschlagten die Planer vom Architekturbüro Hochstrasser 9,3 Millionen Euro netto für die Maximal-Lösung. Die Hausnummer von 8,3 Millionen Euro gaben sie für die mittlere Variante ohne Kellerausbau, allerdings inklusive Kellertreppe an. In Variante drei rechneten sie ohne Kellerausbau und Seminarräume im Dachgeschoss, was auf 7,5 Millionen Euro netto käme. Am Keller schieden sich die Geister der anwesenden Räte. Vor 20 Jahren ist das historische Gewölbe bereits als Museumsräumlichkeit hergerichtet worden. Ihn als Museum zu nutzen, hielt Berater Thomas Kästle allerdings nicht für zielführend. Im Keller gebe es kein Tageslicht und mit den Säulen hätten die Besucher nicht genügend Abstand zu den Exponaten. „Außerdem wird ein Lager gebraucht“, sagte er. Nicht mit dieser Meinung einverstanden zeigte sich Alexander Hold. „Es wäre ein Frevel, den Keller mit dem traumhaften Gewölbe nur als Stuhllager zu nutzen“, sagte der Freie-Wähler-Stadtrat, gleichzeitig war ihm eine wirtschaftliche Lösung wichtig. Keinesfalls wollte er jedoch auf die Kellertreppe verzichten, „denn sonst bauen wir sie nie wieder“. Am mittleren Vorschlag noch feilen will Erwin Hagenmaier von der CSU. Er hielt zum Beispiel die Treppe in den Keller für verzichtbar, wenn dieser nicht ausgebaut werde. (Dem widersprach Architekt Adrian Hochstrasser: „Diese Einsparung ist zu vernachlässigen.“) 

Hagenmaier rechnet auch damit, dass das Kornhaus nicht erst in 50, sondern schon in 20 Jahren renoviert werden müsse, weshalb er die Abschreibungen kürzer ansetzen würde. Die Kosten bewegen „Innerhalb von zwei Monaten haben sich die Preise nahezu verdoppelt!“, echauffierte sich Helmut Berchtold (CSU). Ihm war eine gesicherte Kostenschätzung wichtig. Auch hier schaltete sich Hochstrasser ein, dass es sich zu Beginn des Prozesses um einen Kostenrahmen gemäß des Raumprogramms gehandelt habe. Nun läge eine Kostenschätzung vor. „Aber auch jetzt wissen wir als Architekten noch gar nichts Genaues.“ Erst mit der Entscheidung über die Nutzung, würde eine noch schärfere Kostenrechnung aufgestellt werden. Hans-Peter Hartmann von den Freien Wählern brachte erneut eine Kostendeckelung ins Gespräch, die von Hagenmaier und Oberbürgermeister Thomas Kiechle in der heutigen Zeit aber als nicht realistisch gewertet wurde. Kiechle zeigte sich eher vom Vorschlag Harald Platz‘ angetan, einen Projektsteuerer einzusetzen, der die Kosten im Blick behält. Dass auch dieser Kosten verursache, wendeten die Architekten ein: „Ein Projekt leiten können wir genauso wie die Architekten der Stadt.“ Die Entscheidung fiel schließlich mit großer Mehrheit für die mittlere Variante. Als Kompromiss zwischen Kosten und Flexibilität im Raumangebot. Dass diese von den Unternehmen und Institutionen gewünscht wird, die sich für Veranstaltungen ins Kornhaus einmieten, zeigt die Untersuchung von Christiaan Niemeijer vom Mittelstandsinstitut der Hochschule. 

Die Fragebögen, die er an die Klientel verteilt hatte, waren mit einem großen Rücklauf von 54 Prozent ausgefüllt worden. Bei Tagungen wird oft eine zusätzliche Ausstellungsfläche oder Raum für das Catering gewünscht. Auch würden die Teilnehmer oft in mehrere Gruppen aufgeteilt, für die dann jeweils Räume zur Verfügung stehen müssten. Eine gute Technik samt Betreuung sei den Kunden wichtig. Und ein Aspekt, aber nicht der entscheidende, seien ausreichend Parkplätze. Außerdem wünschen sich Vereine und soziale Einrichtungen günstige Mieten. Seit das Kornhaus geschlossen ist, ist es laut der Analyse schwierig, für Veranstaltungen in der Größenordnung von 300 bis 500 Personen Räume zu finden. „Die Leute warten darauf, dass es wieder losgeht“, schloss Niemeijer seine Ausführungen. Doch werden sich die Veranstalter noch länger als veranschlagt gedulden müssen. Bereits jetzt verschiebt sich der Eröffnungstermin um ein dreiviertel Jahr. Erst zur Festwoche 2021 rechnet Martina Dufner-Wucher, Geschäftsführerin des Kempten Messe- und Veranstaltungs-Betriebs mit einem Einzug. Dies liege nicht nur an den zahlreichen Planungssitzungen, sondern auch am Denkmalschutz, an dem es laut Dufner-Wucher auch im Moment noch hakt. 

Susanne Kustermann

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