Hürden bei der Herbergssuche

Weiß‘sche Krippe sucht neue Heimat

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Weil die Weiß'sche Krippe aus der Biedermeier-Zeit besondere Anforderungen an die Luftfeuchte- und -temperatur stellt, gestaltet sich die Suche nach einem neuen Zuhause schwieriger als gedacht

Kempten – Als „außergewöhnliche Krippen von kunsthistorischer Bedeutung“ bezeichnete OB Thomas Kiechle die Bründl-Krippe (Barock) und die Weiß‘sche Krippe (Biedermeier), die „wesentlich mehr abbilden, als eine normale Krippe“.

Während erstere einen festen, ganzjährigen Ausstellungsplatz in der St.-Lorenz-Basilika hat, fristet die Weiß‘sche Krippe seit Schließung des Allgäu-Museums wohl verpackt ein Dasein im Lager. 

Um ihr eine neue Heimat zu geben, hatte Stadtrat Helmut Hitscherich (UB) einen Antrag gestellt, sie in der Pfarrkirche St. Anton aufstellen zu können. In seiner Eigenschaft als dortiger Kirchenpfleger war er von der Kulturbeauftragten des Stadtrats Silvia Schäfer sowie der Vorsitzenden der Stiftsstadtfreunde Ilse Roßmanith-Mitterer angesprochen worden, denen es Anliegen ist, die Krippe wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hitscherich und St. Anton „sind in die Bresche gesprungen“, war Kulturamtsleiter Martin Fink dankbar dafür, da die Krippe im Allgäu Museum „immer ein großer Anlaufpunkt“ gewesen und nun einfach verschwunden sei. 

Inzwischen wurden Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessungen durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass in den Sommermonaten mit stark erhöhter Luftfeuchte zu rechnen ist, die Schimmelbildung und Zersetzungsprozesse fördert. Als weiteres Problem nannte Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn im Kulturausschuss „die hohe Schwankungsgeschwindigkeit“ durch das Heizen der Kirche kurz vor der Messe, die sich „extrem schädlich auf die Subs-

tanz“ auswirke. Auch weil die Figuren mit Farbauftrag seien „und man aufpassen muss, dass die Farbe nicht abplatzt“, so Müller-Horn, muss die Krippe in einer Klimavitrine ausgestellt werden, mit aktiver Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsregelung. Die Kosten dafür würden den Haushalt 2020 mit 30.000 Euro für Miete der Vitrine inklusive Transport und Einrichtung belasten, 2021 mit weiteren 15.000 Euro an Mietkosten und 2022 werde ein Restwert von 9000 Euro fällig, „falls sie gekauft wird“, was dann eigentlich gemacht werden müsse, denn nach zwei Jahren lohne sich die Miete nicht mehr. Den Kauf einer neuen Klimavitrine bezifferte die Museumsleiterin auf 53.000 bis 61.000 Euro. 

Ein weiterer Knackpunkt ist die auf zwei Meter Breite beschränkte Raumgröße am einzig in Frage kommenden Platz in der Kirche. Hitscherich, der als Kirchenpfleger und Gast im Kulturausschuss Rederecht erhielt, gab an, dass man sich in St. Anton vorstellen könne, die Krippe wegen des begrenzten Platzes „in wechselnden Bildern“ auszustellen. Auch wenn das Signal bislang gewesen sei, dass die Krippe nach St. Anton komme und „wir schon die Bänke abgeschraubt haben“, wollten sich die Gremiumsmitglieder mit den Kosten nicht anfreunden. „Die Investition ist sehr hoch“, meinte Müller-Horn und regte an, über Alternativen nachzudenken. „In kleinerem Umfang“ könne man sie auch im Marstall zeigen, rechnete sie dafür mit Kosten zwischen 10.000 und 15.000 Euro. 

Aus Sicht Kiechles sollte das Thema „auf breitere Schultern gestellt werden“. Deshalb wolle er sich „persönlich dafür starkmachen“, Sponsoren zu finden“.

Christine Tröger

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