Scharfe Kontraste

Eine Intention steckt in allen seiner Werke. Die Bilder des Malers Jörg Madlener entstehen nicht zufällig aus einem Gefühl heraus. Seine Themen sind zu gewichtig, um nur „aus dem Bauch“ geboren zu werden. Sie verlangen nach der intellektuellen Auseinandersetzung – der ihres Erschaffers und auch der des Betrachters. Seine aktuelle, thematisch zweigeteilte Ausstellung „Bilder aus der Kunstsammlung Kempten“ und „Kassandra“ im Hofgartensaal der Kemptener Residenz, zeigt die künstlerische Entwicklung des in seiner Kemptener Zeit noch jugendlichen Anfängers bis zum heute international präsenten Wahl-New Yorkers.

Es sind die auf Anhieb konkret erkennbaren Bildpartien, die einen glauben machen, zu erkennen, was Madlener mitteilen will. Doch schnell entgleitet die vermeintliche Erkenntnis in einem der Markenzeichen des Malers – dem herausfordernden Diffusen. Beginnend mit klaren Motiven, wie der Zeichnung „Allgäu“ oder „Schachenmayer’sche Papierfabrik“, wird der Besucher zunächst durch in Kempten, Frankfurt und Brüssel entstandene Werke aus den Jahren zwischen 1956 und 1995 geleitet. Eine Schaffensperiode, die er bei seinem Umzug in die USA weitestgehend auf dem alten Kontinent zurückgelassen hatte. 115 ausgewählte Werke hat er der Stadt Kempten vor vier Jahren geschenkt. Daraus bestreiten nun 28 Zeichnungen, Radierungen, Lithografien und Malereien den einen Teil der Ausstellung. Dass Madlener schon früh begonnen hat, auch unangenehme Realitäten zu hinterfragen, wird unter anderem an den beiden 1976 entstandenen Darstellungen von „Törless“ aus dem Zyklus „Auf der Suche nach Robert Musil“ deutlich. Bereits hier ist das Diffuse, das Madlener im Verlauf seiner Entwicklung immer weiter perfektioniert, Stilmittel. Nicht umsonst sei der „Kerl“ diffus dargestellt, wie Dr. Peter Joch, Direktor der Kunsthalle Darmstadt, anlässlich der Vernissage anmerkte, denn er habe „einfach keine Kraft mehr, ist fertig gemacht worden“. Neuer Blickwinkel Eine intensive Auseinandersetzung pflegt Madlener seit langem auch immer wieder mit Gustav Mahler, dem Komponisten, und seiner Musik, die als diffuse Energie entdeckt werden wollen. Doch vor allem 20 seiner ganz neuen Bilder aus der Serie „Kassandra“, die der Maler aus New York mitgebracht hat, zeigen deutlich, dass Wahrnehmung etwas sehr Relatives ist. Inspiriert von Christa Wolffs gleichnamigem Buch, nähert sich Madlener hier einem Thema, das ihn schon lange und anhaltend beschäftigt, aus einem neuen Blickwinkel: Krieg. Das Diffuse im Kontrast zu den figürlichen Partien erhält dabei neue Dimension und Intensität. Hält der Maler den Betrachter in Bildpartien immer wieder auf Distanz, wird der Blick andernorts wie durch einen Magnet immer tiefer in die Abgründe gezogen. Mit weit heraushängender Zunge speit die 2007 entstandene „Kassandra 9“ Elend und Abscheu in die Welt. Sie hat viele Gesichter, diese Frau des Krieges, die sich einem immer wieder neu offenbart und zugleich entzieht. Noch immer ist es ein Thema das Madlener beschäftigt. Die jüngsten der gezeigten Kassandra-Werke sind erst in diesem Jahr entstanden. Die Ausstellung „Bilder aus der Kunstsammlung Kempten“ und „Kassandra“ von Jörg Madlener ist bis 16. Mai im Hofgartensaal der Kemptener Residenz zu sehen. Und zwar dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Veranstaltet vom APC-Sommer, liest die renommierte Schauspielerin Sibylle Canonica in der Ausstellung am 8. Mai, 20 Uhr, aus „Kassandra“ von Christa Wolf.

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