Schauraum bekommt ein Gesicht

Rund 1,4 Millionen Euro würde es kosten, die Erasmuskapelle unter dem St. Mang-Platz zu einem Schauraum auszubauen. Dieses Ergebnis haben die Stadtverwaltung und das Regensburger Architekturbüro „A2 Lehner und Robold“ zusammen mit einem ausgearbeiteten Planungsentwurf am vergangenen Dienstag dem Bauausschuss und dem Kulturausschuss präsentiert. Für die Summe soll Kempten ein Monument bekommen, das mit dem Einsatz von Medien seine bewegte Geschichte selbst erzählen kann. Ob es dazu kommt, ist jedoch noch fraglich, denn mit nur 350000 Euro wäre es deutlich billiger, die Kapelle zu konservieren und im Erdboden verschwinden zu lassen.

Es sieht so aus, als hätten die Architekten eine der größten Befürchtungen der Schauraum-Kritiker entschärfen können: Der St.-Mang-Platz wird nicht von einem wuchtigen Bauwerk versperrt. Nur ein kleines, dreieckiges Häuschen, nicht höher als 3,80 Meter, soll an der Westseite, nahe der geplanten Baumgruppe, aus dem Boden ragen. Es soll den Eingang zur Treppe abwärts beherbergen. Nur 15 Quadratmeter am Rand würde der Platz so an Fläche verlieren und bleibt damit geräumig. Der Bouleplatz sei nicht in Gefahr. Der Treppenabgang soll an der Stelle in die Kapelle münden, wo sich die alte Westmauer befand, an die später ein Schmalzwaghaus angebaut wurde, so Architektin Lydia Lehner. Durch einen Vorraum betritt der Besucher dann die Kapelle, deren Boden aus dunkel eingefärbtem Beton bestehen soll. Die Decke bildet ein fester Spannbeton, der gut 70 Jahre halten soll. Aussparungen im Boden sollen Säulenfundamente und andere Bodenfunde sichtbar machen. Der ursprüngliche Treppenabgang zu Kirche hin, Fundorte von Gebeinen, Reste eines Schützengrabens aus dem Zweiten Weltkrieg und mehr sollen bei dezenter Lichtstimmung die Geschichte des Bauwerks erzählen. „Es gibt viele Details zu sehen“, erklärte Lehner. Ein ausgearbeitetes Medienkonzept dazu präsentierte Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber (siehe untenstehender Artikel). Kein Notausgang Das Gebäude solle aber nicht seine ursprüngliche Funktion wieder aufnehmen und „zu einem Gebeine-Haus der Gegenwart werden“, meinte der CSU-Fraktionsvorsitzende Erwin Hagenmaier. Er und sein Fraktionskollege Karl Sperl äußerten Bedenken, da der Entwurf keinen Notausgang vorsehe. Aufgrund der geringen Größe und der Art der Nutzung des einräumigen Bauwerkes sei das allerdings rechtlich nicht vorgeschrieben, erklärte Baureferentin Monika Beltinger. Schwer haben dürften es jedoch Rollstuhlfahrer, erfuhren die Stadträte auf Nachfrage von Erna-Kathrein Groll (Die Grünen). Barrierefrei werde der Zugang, wie auch in Regensburg, nicht sein. Über die mögliche Aufwertung der St.-Mang-Kirche freute sich Stadtrat Alexander Hold (FW), allerdings sorgte er sich um den hohen Preis. Man dürfe so ein Monument dann nicht nur zweimal die Woche öffnen. Allerdings, so machte Baureferentin Beltinger deutlich, habe die Stadt nicht vor, die Kapelle wie ein Museum durchgängig zu öffnen. Führungen sollen die Regel sein. Siegfried Oberdörfer (SPD) und Michael Hofer (UB/ödp) plädierten dafür, das Bauwerk sinnvoll in ein zukünftiges Museumskonzept einzubinden. Hier dürfe man nicht dem Arbeitskreis vorgreifen, der ein solches Konzept gerade erstellt, so OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Bei der Finanzierung der 1,4 Millionen sollen allerlei Fördertöpfe helfen. „Wir werden alle Stellen parallel angehen“, versprach der OB. Weiterhin im Raum steht die Möglichkeit, das Gebäude erst fachmännisch zu konservieren und dann zu verfüllen. Mit 350000 Euro wäre diese Lösung zudem deutlich billiger. Bereits Ende diesen Jahres könnte der Platz so fertig sein, erklärte Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann. Erstelle die Stadt den Schauraum, werde aber trotzdem nicht der gesamte Platz zur Dauerbaustelle. Ebenfalls bis Jahresende soll die Betondecke drauf und der Platz begehbar sein. Bis Mitte 2010 wird dann größtenteils im Untergrund das Monument fertig gestellt. Lediglich der Bouleplatz werde ebenfalls erst dann nutzbar sein. Als nächstes sollen die Bürger zu Wort kommen. Eine Informationsveranstaltung fand am gestrigen Dienstag, nach Redaktionsschluss des KREISBOTE statt. Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Ausgabe.

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