Literatur und Musik unterhaltsam gemixt

Der Schauspieler Ulrich Tukur liest aus  eigenem Buch 

+
Kamen beim Kemptener Publikum gut an: Multitalent Ulrich Tukur, der aus seinem Buch las und vom Delianquartett musikalisch begleitet wurde.

Kempten – Nach einer längeren Unterbrechung fand am vergangenen Samstag im Kemptener Stadttheater die für diese Spielzeit letzte Veranstaltung aus der Reihe der Meisterkonzerte statt. Zum Abschluss gab es etwas Besonderes: Der bekannte Film- und Fernsehschauspieler Ulrich Tukur (unter anderem ist er „Tatortkommissar“) las aus einem selbstverfassten Erzählband und wurde von dem renommierten Delianquartett mit klassischen bis populären Zwischenmusiken begleitet.

Schon in der Einführungsrunde vor der eigentlichen Veranstaltung zeigte sich Tukurs Talent, charmant und mit geschmeidigen Worten einen ganzen Saal unterhalten zu können. Dass er als einer der derzeit angesehensten deutschen Schauspieler auch seit über 20 Jahren die Tanz-Schlager-Band „Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys“ am Leben hält, in der er selbst singt, moderiert und Akkordeon spielt, kam ihm hierbei sicher zugute. 

Die Einführungsrunde im Theater Oben war dann im Grunde genommen bereits der erste Teil eines Ulrich-Tukur-Abends mit nachfolgender Fortsetzung auf der großen Bühne, nur dass Tukur dort neben den Musikern des Delianquartetts auf einem Stuhl vor einem kleinen Tisch Platz genommen hatte und mit Lesebrille bewaffnet aus seinem Buch „Die Seerose im Speisesaal“ vorlas. Wer von diesem Buch des Schauspielers noch nichts gehört hatte, lernte ein weiteres der offensichtlich breitgefächerten Talente des Künstlers kennen. Tukurs kleine Geschichten kreisen alle um seinen langjährigen Wohnsitz Venedig. Da er – wie er anfangs erzählte – nicht aus eigenem Antrieb zum Schreiben gekommen war, sondern von findigen Verlegern dazu animiert worden war, hatte er seiner Fantasie freien Lauf gelassen und munter eigene, biografische Erlebnisse mit freien Erfindungen verwoben, ganz gemäß der italienischen Redensart: „Wenn es schon nicht die Wahrheit ist, dann ist es zumindest gut erfunden.“ 

Dass dabei spleenige Venezianer, Lagunennebel, Tode in Venedig, Grandezza und bildende Künste die Grundlage für seine Geschichten bildeten, konnte nicht weiter verwundern. Er hatte seine kleinen und allesamt tragfähigen Ideen in eine beflissene und ausgefeilte Sprache verpackt, und heraus war ein Kurzgeschichtenbuch gekommen, aus dem er nun für ein amüsiertes Kemptener Publikum vorlesen konnte. Allerdings wurde ihm manchmal seine wortreiche literarische Ausdrucksart beim Vorlesen zum Verhängnis, als er sich nämlich hin und wieder im Dickicht seiner eigenen langen Sätze verhaspelte. 

Dass er ganz sicher einen Thomas Mann besser schauspielerisch als literarisch nachzuahmen vermag, war für das unterhaltsame Konzept dieses Abends nicht entscheidend, zumal zwischen seinen Buchkapiteln feine und ausgewählte Musik eines Streichquartetts erklang. 

Das Delianquartett, 2007 gegründet, hat langjährige Erfahrung mit dieser Art von kunstvoller Mischung aus Literatur und Musik. Lange Jahre war es mit dem im Februar dieses Jahres unerwartet verstorbenen Bruno Ganz mit ähnlichen Programmen auf. An diesem Abend hatte das Delianquartett einen bunten Strauß an Musik dabei, der von den vier Sätzen des Streichquartetts op. 33/2 von Josef Haydn bis zu kurzen, aber sehr intensiven Werkausschnitten der klassischen Neutöner Schostakowitsch, Webern und Schnittke reichte. 

Die Musiken fügten sich nahtlos in den Zusammenhang der vorgelesenen Texte ein, ergänzten die Stimmungen, die durch sie erzeugt worden waren und trugen sie weiter. Der letzte Satz von Haydns Quartett mit seinen vier Generalpausen kurz vor Schluss, der sicher schon unzählige unvorbereitete Zuhörer zu verfrühtem Klatschen verleitet hatte (deswegen auch der Beiname „the Joke“), passte gut zum makaberen Ende der vorangegangenen dritten Erzählung dieses Abends. 

Neben der rein klassischen Musik gab es ebenso eine stilvolle Bearbeitung für Streichquartett eines Hits des argentinischen Sängers Carlos Gardel und dazwischen auch einmal einen Gesangsvortrag Ulrich Tukurs, sich selber am Akkordeon begleitend. Überhaupt war es – auch wenn der eine oder andere Zuhörer sich nun Tukurs Buch zulegen wird – die Musik des Delianquartetts, die Lust auf mehr machte, vor allem einmal auf ein rein musikalisches Konzert dieser hervorragenden Musiker. 

Am Schluss dann leider weder eine literarische noch eine musikalische Zugabe, trotzdem machte sich ein höchst zufriedenes und sehr gut unterhaltenes Publikum, das das Stadttheater komplett gefüllt hatte, auf den Nachhauseweg.

Jürgen Kus

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Änderungen der Friedhofssatzung
Änderungen der Friedhofssatzung
Interkultureller Herbst: Für eine bedingungslose Wertschätzung gegenüber allen Menschen
Interkultureller Herbst: Für eine bedingungslose Wertschätzung gegenüber allen Menschen
Ausstellung "Licht und Schatten" als Inspiration für Fantasie und Emotionen
Ausstellung "Licht und Schatten" als Inspiration für Fantasie und Emotionen

Kommentare