Seilbahn: Öfter mal was Neues

Schlagabtausch: Kiechle sagt "Hafi-Beschluss deckt das, was wir in der Analyse untersuchen"

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Kempten – Mit Unverständnis hat Oberbürgermeister Thomas Kiechle auf die Fragen von Landtagsvizepräsident und Stadtrat Alexander Hold (FW) reagiert.

Dieser bemängelt, dass die Entscheidung für eine lineare Streckenführung der Seilbahn ohne Zustimmung des Haupt- und Finanzausschusses getroffen worden sei. Am 7. Mai dieses Jahres hatte der Ausschuss die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zu prüfen für den Ausbau von dezentralen Bus-Knotenpunkten im Süden am Hauptbahnhof und im Norden der Rottachstraße. 

Und die Verbindung dieser Knotenpunkte unter Einbeziehung der Innenstadt, des APC, der Burghalde und der Allgäuhalle mit einer urbanen Seilbahn. Für eine Kosten-Nutzen-Analyse der Seilbahnidee gibt es eine Förderung des Freitstaats in Höhe von 50.000 Euro. Allerdings soll in dieser Analyse lediglich eine lineare Strecke zwischen den beiden Bus-Knotenpunkten Gegenstand sein. 

Hold fühlt sich nun übergangen, da die Idee auch „mit der Lösung der schwierigen Anbindung des APC-Parks begründet worden“ sei (der Kreisbote berichtete). Dem widerspricht Kiechle: „Die Seilbahn war nie so gedacht, entstanden ist der Gedanke, um den ÖPNV zu verbessern. Der Tourismus war immer schon ein zusätzlicher Effekt.“ Weil das Projekt so groß und komplex ist, „bilden wir nun verschiedene Abschnitte“. 

Das sei auch der Rat des Seilbahnexperten aus der bayerischen Staatsregierung. Zunächst solle die Untersuchung der „Kernfrage“ nachgehen, ob die Seilbahn für die lineare Verbindung von Rottachstraße und Hauptbahnhof rentabel sein könne. „Wenn ja, dann stellen wir die Frage, ob die Burghalde oder der APC auch angebunden werden können“ - sprich die touristischen Ziele. 

Jetzt bis zum Berliner Platz 

Vom Experten des Ministeriums stamme auch der Vorschlag, die Seilbahnlinie bis zum Berliner Platz zu verlängern, weil ein Park-and-Ride-Parkplatz auf dem Gelände der ehemaligen Ari-Kaserne die Pendler zum Umstieg in die Seilbahn motivieren könnte. Daher werde auch dies in der Kosten-Nutzen-Analyse untersucht. „Bis die Bundespolizei mit ihrem Standort in der Ari-Kaserne einzieht, wird es noch dauern“, erklärte Kiechle, „die Grundstücke auf dem Gelände gehören noch nicht uns, wir arbeiten intensiv daran.“ 

Die Parkplätze könne man seiner Aussage nach auf dem Kasernen-Gelände unterbringen. Die Frage laute aber: Steigen die Leute hier um, oder schon weiter stadtauswärts, wenn ja, dann würde sich der Parkplatz am Berliner Platz erledigen. Für Schlagzeilen in der Tageszeitung hatte eine jüngste erneute Streckenänderung der Seilbahn gesorgt. Der neueste Clou: Ein Schlenkerer zu einer Station an der Hochschule.

Diese Variante sei aber im Moment nicht Gegenstand der Untersuchung. „Das Thema kommt eher aus der Politik“, erklärte der Oberbürgermeister auf die Frage, woher diese Idee stamme. Man müsse sie aber genau überdenken, weil die Studenten ohnehin nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof zur Hochschule gehen müssen. Ohne die Seilbahn rechnet Kiechle mit einer „Verdoppelung des Busverkehrs“ an der ZUM durch das verbesserte ÖPNV-Angebotskonzept, zu dem man kommen wolle. 

Es sei nicht damit getan, dass die Busse die ZUM öfter und bis länger in die Nacht anfahren. Kiechle räumt zwar ein, dass man auch mit Bussen an zwei dezentralen Knotenpunkten die ZUM entlasten könnte, aber mit der Seilbahn schaffe man eine „Revolution, die wir auf normalem Weg nie finanzieren könnten“. Ganz abgesehen davon, dass dafür „nicht genügend Busfahrer“ zu akquirieren seien. Mit den Streckeneinsparungen, die dadurch erreicht werden, dass die Busse aus dem Umland nicht mehr bis in die Innenstadt fahren müssten, könnten die Umlandbusse einen dichteren Takt bekommen. Die ganze Seilbahn sei durch eine Kooperation mit regenerativer Energie betrieben und somit ökologisch. „Und auch, weil ich auf der Straße positive Rückmeldungen bekomme, lasse ich bei diesem Projekt nicht locker“, so Kiechle. 


Susanne Lüderitz

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