Wirtschaftliche Bedeutung im Fokus beim Denkmaltag

Verlockender Denkmaltag

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Unter anderem das Wasser aus dem Schlangenbach geriet zum Zankapfel zwischen zwei Bürgern aus dem geteilten Kempten.

Mit dem Motto „Handwerk, Technik und Industrie“ lag der Fokus des diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ auf einer weniger beachteten Seite des Denkmalschutzes: der wirtschaftlichen Bedeutung.

Dennoch stieß auch das auf den ersten Blick etwas spröde anmutende Thema auf große Resonanz und bereits bei der ersten von zwei Führungen „Auf den Spuren des Schlangenbachs“ wurden Ilse Roßmanith-Mitterer, Vorsitzende der Stiftsstadtfreunde, und Hugo Naumann von an die hundert Interessierten begleitet. Als „Phantomwanderung“ bezeichnete Naumann den Spaziergang entlang des ehe- maligen, Bachlaufs, auf der die vor allem Ende des 17. Jahrhunderts unter Fürstabt Rupert von Bodman entstandene technische Meisterleistung der Wasserversorgung beleuchtet wurde und nicht nur Naumann und Roßmanith-Mitterer persönliche Anekdoten und Geschichten beizusteuern wussten. Erstaunlich viele Mitwanderer hatten noch lebhafte Erinnerungen an vergangene Zeiten des, laut Roßmanith-Mitterer „in Kempten platt gemachten“, insgesamt knapp 15 Kilometer langen Schlangenbaches. Die Nutzung des Schlangenbachs für Trinkwasser sei „völliger Quatsch“, stellte Naumann ein sich hartnäckig haltendes Gerücht richtig. Genutzt wurde das Wasser nämlich ausschließlich für die entlang des Bachlaufes schon von Fürstabt Rupert von Bodman gezielt angesiedelten Betriebe und für Löschwasser, wie Roßmanith-Mitterer anmerkte. Dass die Entnahme von Trinkwasser aus dem Schlangenbach im Übrigen keine gute Idee gewesen wäre, wurde unter anderem an der Ansiedlung einer Autowaschanlage zwischen Hofmühle und Schleienweiher deutlich, die das Waschwasser ungefiltert zurückleitete. „Umweltschutz war bis in die 1950er, 1960er Jahre kein Thema“, meinte Naumann. Ein „ganz wichtiger Baustein“ sei das Hehlenwehr, „um die Rottach in das System auszuleiten“; ein System, an dem neben vielen anderen Bausteinen auch der Stadtweiher, Göhlenbach, Eschacher Weiher und ab 1769 auch der Herrenwieser Weiher beteiligt waren. Mit dem Hehlenwehr entstand eine 750 Meter lange Kanalstrecke, von der 450 Meter unterirdisch in einem Stollen im Bereich der heutigen Leutkircher Straße verliefen. Die Spurensuche verlief vom Treffpunkt in der Feilbergstraße zum „einzigen noch sichtbaren Denkmal des Schlangenbachs“, zum Wasserrad am Eingang zu den Calgeeranlagen, das an die ehemalige Schreinerei „Eiband“ erinnert, die ab 1904 mit dem Wasser des Schlangenbachs ihre Säge betrieben hatte. Die nächsten Stationen waren Obere und Untere Hofmühle – „zwei ganz wichtige Betriebe in der Stiftsstadt“ und weiter Richtung Brachgasse. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit wurde auf den Schlenker zum ehemaligen Kreiskrankenhaus verzichtet, denn am kurzen Stück des Bachlaufs auf dem Residenzplatz wurde die Gruppe von zwei Schauspielern mit einer historischen Szene aus der Zeit des in Stifts- und Reichsstadt geteilten Kempten überrascht. Wer den ehemaligen Verlauf des Schlangenbaches nachvollziehen möchte kann dies, so Roßmanith-Mitterers Hinweis, anhand des Planes tun, der auf einer der Stelen auf dem Hildegardplatz abgebildet ist. 

„Mit so einem Ansturm nicht gerechnet“ hatte auch Gerhard Juli, der im Wechsel mit Walter Fessler, Leiter Anlagen/Kraftwerkstechnik beim AÜW, Kraftwerkstechnik, Architektur und Geschichte des kleinen AÜW-Turbinenhauses an der Füssener Straße erläuterte. Seit Sommer 2011 produziert das lange Zeit still gelegte über 100 Jahre alte Wasserkraftwerk nach umfangreicher Modernisierung wieder Strom und gesellt sich als Pendant zum gegenüberliegenden, eher futuristisch anmutenden Kraftwerksneubau. Dennoch verbirgt das denkmalgeschützte Gebäude eine hochmoderne Kaplanturbine, die bis zu zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchlässt.

Neben den gefragten Führungen durch das Beginenhaus selbst, wartete der Förderverein wieder mit einer zum Tagesthema passenden Sonderausstellung auf: diesmal war es die Geschichte der Eisenbahn. Zu sehen gab es neben der reich bebilderten Historie unter anderem ein von Hans-Peter Dittmer gebautes Modell des Kürnacher Bahnhofs, eine Vitrine des Modelleisenbahnclubs Oberallgäu-Kempten e.V. mit Modellen von Zügen, die einst in Kempten fuhren und zwar von der Dampflokzeit bis heute, oder auch das Modell einer mit Dampf betriebenen Länderbahn-Lok, die komplett genauso funktioniert wie das Vorbild. Wie Roger Mayrock erklärte, sei das Original früher auch im Allgäu eingesetzt gewesen, „ist aber eher eine Flachland-Bahn“, die mit den Steigungen nicht so gut zurecht gekommen und deshalb hier nicht lange im Einsatz gewesen sei. Wer tiefer in das Thema einsteigen wollte, hatte dazu Gelegenheit bei einer Führung entlang des historischen Eisenbahnpfades, die von Mitgliedern der Agendaprojektgruppe Mobilität angeboten wurde. Wer die Ausstellung „Zur Geschichte der Eisenbahn Kemptens“ verpasst hat und noch sehen möchte kann das diese Woche noch nachholen. Sie ist nochmals geöffnet Do., 17./Fr., 18. September, jeweils von 16 bis 18 Uhr im Beginenhaus (Eingang Burghaldegasse).  Christine Tröger

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