Schlechte Stimmung

Elisabeth Piper ist entrüstet. Nein, sie ist empört. „So geht es einfach nicht“, sagt sie und zeigt immer wieder auf ein DIN A4-Blatt. Dort steht der Grund für ihre Empörung – der 9. September. Der 9. September ist der Tag, an dem die Pipers zum letzten Mal einen Straßenreiniger des Betriebshofs auf ihrer Seite der Haggenmüller-Straße gesehen haben wollen. Danach türmten sich Laub und Müll auf dem Gehweg und den Pipers und anderen Anwohnern wurde es allmählich zu bunt.

Elisabeth und Reinhard Piper wissen es ganz genau. Der 9. September war es, an dem das Renter-Ehepaar zum letzten Mal den Straßenkehrer bei der Arbeit gesehen hat. Danach sei der Mann nur noch einige wenige Male durch die Straße gegangen – allerdings ohne sich um Müll und das herab gefallene Laub zu kümmern. Ganz neu sei die Situation nicht. Bereits in den vergangen drei Jahren hätten sich Mitarbeiter des Betriebshofes immer seltener in der Haggenmüller-Straße blicken lassen. Selbst nach dem verheerenden Hagelsturm vom 11. August sei niemand erschienen, um die Straße für das Festwochen-Radrennen zu präparieren. „Der Radsportclub musste alles selbst machen“, so Elisabeth Piper. Anrufe beim Betriebshof und der Stadtverwaltung hätten bislang nichts gebracht, erzählen die beiden. „Dort hieß es immer, es werde nur noch nach Bedarf sauber gemacht“, berichtet Elisabeth Piper. „Aber ich zahle ja auch immer und nicht nur nach Bedarf“, wirft Ehemann Reinhard ein. „Aber das Einzige, was pünktlich ist, sind die Rechnungen“, schimpft er. „Es geht nicht, dass wir immer nur zahlen. Denn wenn ich zahle, möchte ich auch eine Gegenleistung.“ Und überhaupt: Wer entscheide denn überhaupt, ob und wann Bedarf besteht? "Ganz schön dreckig geworden" Beim letzten Besuch hätten sich sogar seine chinesischen Freunde, früher begeistert über den Zustand Kemptens, über die Zustände in der Haggenmüller-Straße beschwert, erzählt er. „Eure Stadt ist aber ganz schön dreckig geworden“, hätten sie gesagt. „Wir aber sind für Ordnung in der Stadt.“ Den Pipers und ihren Nachbarn geht es aber nicht nur um ein sauberes Umfeld. Sie monieren auch, dass durch das nasse und glitschige Laub Abflüsse verstopfen und es zu einer Rutschgefahr für Autofahrer und Schulkinder in der Nachbarschaft kommen könnte. „Es muss für Sicherheit gesorgt werden“, so Reinhard Piper Betriebshofleiter Uwe Gail zeigte sich am Freitag gegenüber dem KREISBOTE erstaunt über die Vorwürfe. „Das kann eigentlich nicht sein“, erklärte er. „Das kann ich so nicht stehen lassen.“ Zwar könne es gerade im Herbst schon einmal vorkommen, dass der wöchentliche Turnus wegen des überall in Massen anfallenden Laubes nicht eingehalten werden könne – aber nicht über siebeneinhalb Wochen hinweg. Zumal: „Wir sind ja auch gar nicht verpflichtet, jede Woche einmal zu reinigen“, so Gail. Zum anderen seien für die Sauberkeit der Gehsteige die Anwohner selbst zuständig. Die Pipers machen ihren Gehweg zwar nach eigenen Angaben auch sauber. Allerdings wehe der Wind das Laub sofort wieder zurück auf den Gehsteig, da niemand vom Betriebshof es abhole oder wegräume, klagt das Ehepaar. In der Haggenmüller-Straße gebe es zudem aus Sicht der Verwaltung aber noch ein weiteres Problem, erklärte Betriebshofleiter Gail. Da die Straße sehr stark zugeparkt sei, sei es seinen Mitarbeitern unmöglich, dort mit der Kehrmaschine sauber zu machen, weshalb zum Handkehrer gegriffen werden müsse. Am vergangenen Mittwoch erschien dann jedenfalls doch ein Mitarbeiter des Betriebshofs in der Haggenmüller-Straße – laut Elisabeth Piper war der Mann gut eineinhalb Tage beschäftigt, um die Straße wieder halbwegs sauber zu machen. Und er wird in dieser Woche noch einmal ans Werk gehen, wie Gail ankündigte. Denn es gebe noch einiges in der Haggenmüller-Straße zu tun.

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