Schnee oder Sand?

Optische Täuschungen im Kemptener Kunstkabinett

+
Spuren im Sand

Kempten – Vom einen gibt es im Allgäu reichlich zu sehen, zum nächsten Sandstrand ist es aber eine weite Fahrt. Was also könnten Schnee und Sand gemeinsam haben? Wer durch die Fotoausstellung mit dem Titel „Schnee und Sand“ im Kemptener Kunstkabinett schlendert, wird aber schnell bemerken, wie nah sich doch die beiden Elemente sind.

Zeigt das Bild nun eine Schneewehe in Lenzfried oder einen Sternenhimmel, der sich im andalusischen Meer spiegelt? Mal ist der Mensch für die Spuren verantwortlich – Reifenspuren, Loipen – mal ist es die Natur selbst, die mit Sturm oder Wellen für Reliefe und Musterung auf dem Boden sorgt. 

Es sind die ähnlichen Strukturen, die Margarete Uhlich erkannt hat und derer sie sich angenommen hat. Sand sei manchmal kaum vom Schnee zu unterscheiden, sagt sie. Zu sehr könne die Haptik und Oberflächenstruktur den Betrachter auf die falsche Fährte führen. Optische Täuschungen entstehen, manchmal ist nicht einmal klar, ob es sich bei den Spuren um Vertiefungen oder Erhebungen handelt. Reichlich Spielraum also für die eigene Interpretation. Die Bilder haben bewusst keine Namen, damit die Betrachter selbst entscheiden können, ob sie Sand oder Schnee darin sehen. 

Margarete Uhlich fotografiert hier im Allgäu und im Lechtal, aber auch in ihrer zweiten Heimat, der spanischen Provinz Cádiz, wo sie das Frühjahr und den Herbst verbringt. Ihre ersten Versuche mit dem Fotoapparat liegen aber schon weit, etwa 60 Jahre, zurück. „Ich habe mit einer Agfa angefangen, damals natürlich analog“, erzählt sie. Die Kamera habe sie sie als Zwölfjährige bei einem Wettbewerb anlässlich der Festwoche gewonnen. Auch dafür hat sie sich künstlerisch betätigt: Den Preis hat sie für einen Linolschnitt der Stadtkapelle bekommen und durfte zusätzlich zum Preis, die Kapelle im Festzelt dirigieren. 

Die Erfahrung hilft zu erkennen, was ein gutes Motiv abgeben könnte, in welches Format es passen könnte. Es geht um Faktoren wie Farbgebung, Licht und Komposition. „Da liege ich auch schon mal auf dem Bauch, um die Spuren richtig einfangen zu können.“ Im nächsten Schritt gehe es dann darum, „das Foto in ein Bild zu verwandeln“. Dabei hilft Photoshop, das wohl gängigste, aber auch sehr komplexe Bildbearbeitungsprogramm. „Anfangs habe ich aber ein ganz einfaches Programm genutzt, das ich auf dem Handy hatte“, erzählt sie. „Ich habe einfach etwas herumgespielt und mich ausprobiert.“ Dabei entstehen Bilder, in denen Verschiedenes gesehen werden kann. Erhebungen im Sand wirken plötzlich wie abstrakte Farbkleckse oder wie der Schatten eines vorbeieilenden Menschen. „Keiner kann aus einem schlechten Foto ein gutes machen“, sagt Margarete Uhlich, dafür reichten die Möglichkeiten der Bearbeitung nicht aus. Die Basis müsse also stimmen. „Hier passiert nichts aus Versehen“, sagt die Künstlerin. Sie sitze genauso lang am PC wie ein Maler an der Staffelei, die Arbeit an einer Fotografie sei eine andere, aber ähnlich intensiv. 

Margarete Uhlich weiß, wovon sie spricht: Sie malt zwar nicht, ist aber mit Collagen und Figuren aus Draht und Gips auch in anderen künstlerischen Disziplinen unterwegs. Schließlich hat sie Freude daran, sich künstlerisch weiterzuentwickeln und neue Techniken zu erlernen. Dafür besucht sie Fortbildungen an der Kunstakademie Augsburg. Die Ausstellung im Kemptener Kunstkabinett, Salzstraße 12, ist noch bis zum 24. Februar geöffnet, am Donnerstag, Freitag und Samstag von 16 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei Die Künstlerin ist jeweils anwesend.

Martina Ahr

Auch interessant

Meistgelesen

Klimaschützer beweisen Durchhaltevermögen bei "Friday for Future" im Dauerregen
Klimaschützer beweisen Durchhaltevermögen bei "Friday for Future" im Dauerregen
Über 70 neue Wohnungen auf dem Maria-Ward-Gelände in Lenzfried
Über 70 neue Wohnungen auf dem Maria-Ward-Gelände in Lenzfried
Wir verlosen 10 Mal den Freizeitblock Bayern Süd
Wir verlosen 10 Mal den Freizeitblock Bayern Süd
Bildungschancen nutzen: eine Ausbildung mit Zukunft in den Naturwissenschaften
Bildungschancen nutzen: eine Ausbildung mit Zukunft in den Naturwissenschaften

Kommentare