Schritt in die Unabhängigkeit

Die zehnjährige Luca aus Kempten braucht Hilfe für die Kommunikation mit Freunden, Großeltern, Fremden. Ihre Eltern wünschen sich da Unterstützung für ihre Tochter, denn sie hat eine Mehrfachbehinderung, kann kaum sprechen und ist in ihrer Motorik sehr eingeschränkt. Rollstuhlfahrerin Rita S. (58) aus Pfronten ist aufgrund ihrer Parkinson-Erkrankung zunehmend auf den Rollstuhl und seit acht Jahren inzwischen auch vielfach auf Hilfe angewiesen – über das Persönliche Budget lassen sich diese individuellen Sozialhilfeleistungen regeln.

Die Impulse-Bürgerservice gGmbH in Kempten unterstützt und berät Interessenten zu diesem Spezialgebiet. Aktuell begleitet Berater Klaus Trunzer die Anträge von fünf Menschen mit Behinderung, vier weitere sind in Vorbereitung. Die Anträge kommen aus dem Allgäu. Derzeit informiert die Bürger Impulse gGmbH in Vorträgen und Einzelgesprächen zum Persönlichen Budget. „Es ist nicht für jeden geeignet, andererseits gibt es zahlreichen Menschen mit Behinderung ein stärkeres Selbstwertgefühl“, so Trunzer. Seit dem 1. Januar 2008 besteht neben den traditionellen Sachleistungen ein Rechtsanspruch auf das persönliche Budget. „Diese Wahlfreiheit fördert die Selbstbestimmung behinderter Menschen“, erläutert Trunzer. „Es geht nicht darum mehr an Hilfe zu bekommen, sondern darum, sie selbst einfordern zu dürfen und dabei nicht abhängig von einer übergeordneten Sozialeinrichtung zu sein.“ So fühlt sich Rita S. wohler in ihrer Haut, wenn sie selbst entscheiden darf, wer, wann und wie ihr beispielsweise beim Duschen hilft. „Man muss dazu stehen, dass man Hilfe braucht.“ Für Luca nehmen ihre Eltern Manfred und Bettina B. das Recht zum Einsatz des persönlichen Budgets wahr. „Es kann nicht sein, dass nur wir Eltern die Spezialisten sind“, argumentierte er. Die Person, die neben ihnen Schnittstelle „nach draußen“, zu anderen Menschen sein soll, kennt Luca bereits sehr gut. „Sie kann auch Lucas ganz eigene Gebärden verstehen. Zusammen mit dem Talker – einem Sprachausgabegerät – und der Helferin hätte Luca vermehrt die Möglichkeit, mit ihrem sozialen Umfeld zu kommunizieren.“ Gerade ist ihr Antrag abgelehnt worden, doch das wollen ihre Eltern nicht ohne weiteres hinnehmen. „Sie hat ein Recht auf mehr Integration durch gestützte Kommunikation“, finden sie. Selbst Arbeitgeber sein Mit dem persönlichen Budget wird der Mensch mit Behinderung oder auch sein gesetzlicher Betreuer damit selbst zum Auftrag – oder gar Arbeitgeber. „Ich beschäftige inzwischen mehrere Helfer mit Minijobs“, so die Wahl-Pfrontenerin. Als ehemalige heilpädagogische Fachkraft kennt sie die Thematik. „Als Mensch mit Behinderung sollte man um seine Rechte wissen und gegebenenfalls kämpfen“, weiß sie. Die Impulse Bürgerservice gGmbH, deren Gesellschafter die Lebenshilfe für behinderte Menschen e.V. Kempten, die Allgäuer Werkstätten GmbH, die Körperbehinderte Allgäu gGmbH und der Lebenshilfe Betreuungsverein e.V. sind, berät Menschen mit Behinderung in allen sozialen Fragen, eben auch zum Persönlichen Budget. Darüber hinaus fördert sie das Ehrenamt. In naher Zukunft hat sich die Beratungsstelle das Ziel gesetzt, eine Interessenge-meinschaft zum Persönlichen Budget zu initiieren. Weitere Infos dazu gibt es unter www.impulse-buergerservice.de oder der Telefonnummer 0831/591 1395.

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