Ein Schritt weiter

Umweltausschuss gibt Weg für Neuansiedlungen in der Riederau frei

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Aktueller Entwurf für die gewerbliche Nutzung des im Besitz des Biomassehofs befindlichen Gebietes.

Kempten – Der Bauausschuss hatte sich schon im Dezember letzten Jahres für eine künftige Nutzung des Geländes, das dem Biomassehof gehört und worauf dieser sich auch befindet, ausgesprochen. 

Wie berichtet , hat unter anderem das Gartencenter Kutter dort Interesse an einem circa 24.600 Quadratmeter großen Areal bekundet. Im nördlichen Bereich soll der Bauhof Lagerfläche auf rund 12.250 Quadratmetern bekommen.

Vergangene Woche nun war die Reihe am Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz, da das Vorhaben einen Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Iller“ bedeutet und parallel zum Bauleitverfahren eine Änderung der Grenzen des LSG durchgeführt werden muss, wie Bernd Munz von Lars Consult als Vertreter des Antragstellers Biomassehof darlegte.

Nach diversen Änderungen seit 1998 (die letzte 2009) erstreckt sich das LSG „Iller“ über eine Fläche von rund 302 Hektar, wobei rund 5,35, Hektar von Anfang an nicht Teil des Schutzgebietes waren. Knapp 4,5 Hektar davon befinden sich im Besitz des Biomasshofs, der Rest entfällt an Straßen und Zuwege. Das gesamte Grundstück des Biomassehofs, das ehemalige Munitionslager auf dem noch existierende Bunker an Privatnutzer untervermietet sind, umfasst rund 16 Hektar, von denen vor allem der südöstliche Teil des Geländes vom Biomassehof genutzt wird. Ferner nutzt der „MSC Scuderia Kempten e.V.“ Teile des Geländes als Kartrennstrecke.

Die Zukunftsvision

Der größte Teil des geplanten Gartencenters würde das LSG betreffen. Ebenso würde es sich bei der für den Bauhof angedachten Fläche verhalten. Der insgesamt 58.700 Quadratmeter große Bereich zwischen den aktuellen Biomassehof-Gebäuden, dem potentiellen Gartencenter im Süden und dem im Norden angedachten Bauhofgelände soll weiterhin vom Biomassehof u.a. als Lagerfläche sowie vom MSC Scuderia genutzt werden. Somit wären künftig knapp 95.600 Quadratmeter für Gewerbe frei. Der Anlieferverkehr des Gartencenters wie auch die Zufahrt zur Kartbahn sollen über die vorhandene Zufahrt des Biomassehofs erfolgen, der Publikumsverkehr jeweils separat.

Was sagt der Umweltschutz?

Laut Roland Sauter vom Amt für Umwelt- und Naturschutz sind von den Flächen innerhalb des Munitionsdepots gut 65.000 Quadratmeter LSG verblieben, die als ökologische Ausgleichsflächen umgestaltet und „deutlich aufgewertet“ werden könnten. Zwar habe man keine „naturschutzrechtlich relevanten“ Vogel- und Falterarten gefunden, aber Zauneidechsen, die dorthin umgesiedelt werden könnten. Um eine Beruhigung dieses Areals zu erzielen regte er an, die Nutzung der Bunker aufzugeben und „weitere Biotopstrukturen“ anzulegen - auch zugunsten der Fledermäuse. Insgesamt muss das LSG laut Sauter zwar um rund 54.880 Quadratmeter verkleinert werden, würde im Gegenzug aber um rund 26.500 Quadratmeter erweitert, wobei sich drei der vier vorgeschlagenen Erweiterungsflächen sowohl in direkter Nachbarschaft als auch im Besitz der Stadt Kempten befänden, die vierte Fläche im Besitz des Biomassehofs. Als erforderliche Ausgleichsmaßnahmen stellte er neben der Öffnung von Bunkern für Fledermäuse unter anderem die Anlage von Tümpeln in den Raum, um Amphibien Lebensräume zu schaffen, zumal an vor längerer Zeit angelegten Tümpeln eine erstaunlich schnelle Ansiedlung von teilweise sogar geschützten Amphibien zu beobachten gewesen sei.

Aus Sicht des Naturschutzes sei das Biomassehof-Gelände „schon noch entwicklungsfähig“, so Sauter, weshalb die Rücknahme des Naturschutzes „kritisch gesehen“ werde und dringend für Ausgleichsflächen zu sorgen sei. Am Ende stehe dann der quantitativen Reduktion von rund 2,83 Hektar eine „erhebliche qualitative“ Aufwertung von rund 6,1 Hektar Fläche gegenüber.

„Dass ein Prozent“ der LSG-Fläche „wegkommt, ist auch aus umweltschutzrechtlichen Gründen verschmerzbar“, resümierte der Umweltbeauftragte des Stadtrats Richard Hiepp (CSU) und Grünen-Gremiumskollege Theo Dodel-Hefele merkte an, dass „selbst der Bund Naturschutz“ sein O.K. gebe. Dieter Zacherle (FW) begrüßte vor allem, dass damit „endlich eine Möglichkeit“ für die Firma Kutter gefunden worden sei, „die passt hier genau hin“. Lothar Köster (SPD) gab zu bedenken, dass hier ein „reines Gewerbegebiet“ entstehen werde und möglicherweise „Nachforderungen kommen“.

„Heute öffnen wir die Tür für dieses Verfahren“ meinte Josef Mayr, dritter Bürgermeister, der in Vertretung des OB den Vorsitz führte, nachdem einstimmig der Auftrag an die Verwaltung erteilt wurde, das entsprechende Änderungsverfahren durchzuführen.

Michael Kutter, Geschäftsführer der gleichnamigen Gartencenter, bekräftigte auf Nachfrage des Kreisboten den Wunsch, weiterhin am Standort Kempten bleiben zu können und sagte, man sei „hochinteressiert hier möglichst bald zum Zuge zu kommen“.

Christine Tröger

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