Schüler klären Wochenmarktbesucher auf

Blick über den Tellerrand

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Experten in Sachen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Fairtrade: Jannes Schnitzer und Naomi Meizel aus der Projektgruppe der 8. Jahrgangsstufe am Carl von Linde Gymnasium bei der Aktion auf dem Kemptener Wochenmarkt.

Kempten – Allgäuer Kässpatzen kosten in Zubereitung mit fairen Bio-Zutaten aus der Region circa zwei Euro pro Portion, aus konventionellen Zutaten gekocht 1,50 Euro.

So haben es die beiden Sarahs, Sophie und Anna der Klasse 8a vom Carl von Linde Gymnasium für ihr kleines Kochbuch recherchiert, das vergangenen Mittwoch auf dem Kemptener Wochenmarkt kostenlos verteilt wurde. Die mitgebrachten 100 Exemplare waren schnell vergriffen und auch der rasch organisierte Nachschub fand reißenden Absatz.

Es ist nicht nur ein kleines Kochbuch mit sechs enthaltenen Rezepten und Preisangaben, es ist Teil eines fächerübergreifenden Projektes einer 37-köpfigen Schülergruppe der 8. Jahrgangsstufe. Bei einer Exkursion hatten der Geographielehrer Florian Weberpals und der evangelische Religionslehrer Dr. Stefan Dieter festgestellt, dass es inhaltliche Überschneidungen bei ihren Fächern gibt, erklärte Weberpals zur Geburt der Projektidee. Religiöse Anknüpfungspunkte seien „Schöpfung und die Verantwortung für die Schöpfung“, während Nachhaltigkeit eh ein großes Thema im Fach Geographie sei.

Was sich die Jugendlichen im Unterricht seit Ostern – zum Teil selbst - erarbeitet haben, zeigten sie an Stellwände gepinnt auf dem Wochenmarkt, wo unter anderem Jannes Schnitzer, als Vertreter des religiösen Aspektes, und Naomi Meizel, als Vertreterin der geographischen Sicht, auch gerne Auskunft zu den Themen Fairer Handel, Nachhaltigkeit und Umweltschutz gaben. So hatte Naomi zum Beispiel in Erfahrung gebracht, dass die Bedingungen beim, Bananenanbau „sehr schlecht sind“, mit „hoher Pestizidbelastung“, die gesundheitliche Schäden bei den Erntehelfern auslösen. „Es ist wichtig, dass wir „Fair-Trade“ statt konventionelle Produkte kaufen und fair gehandelte Bananen seien außerdem „viel gesünder“. Beim Thema Plastik- müll kam Jannes in Fahrt, denn „immer mehr wird in Plastik verpackt“, dabei sei Nachhaltigkeit „sehr wichtig“. Eine Plastikflasche, die im Meer schwimmt, halte sich 450 Jahre und schädige so viele Meerestiere und, über die Nahrungskette, auch uns Menschen. Mit dem Fisch auf unserem Teller würden wir so „praktisch unseren eigenen Müll essen“, verdeutlichte er.

Für die umfassende Aufklärung der Wochenmarktbesucher – übrigens auch der Standbetreiber – hatte sich die Projektgruppe aber noch einiges mehr einfallen lassen. Da gab es zum Beispiel eine aktiv betriebene Umfrage zum Konsumverhalten bei bestimmten Lebensmitteln und Verpackungsmaterial. Ebenso aktiv gingen Schülerinnen und Schüler auf Wochenmarktkunden zu, die eine Plastiktüte trugen und boten ihnen den kostenlosen Tausch mit einer der an ihrem Arm bündelweise bau- melnden Stofftaschen an. Die so „erbeuteten“ Plastiktüten wehten in eindrucksvoll steigender Anzahl, am unteren Rand der Plakat-Stellwände befestigt, im lauen Wind. Und dann gab es noch eine Auszeichnungs-Urkunde für Standbetreiber, die auf den Gebrauch von Plastiktüten ganz verzichten oder zumindest Geld dafür verlangen. Ein Augenmerk lag auch auf dem Angebot von regionalen und nicht-regionalen Produkten. Welche Stände mit oder ohne Plastik sowie regionaler Ware bestückt sind, wurde von Isabel und Sophia säuberlich von Hand kartiert.

Es war eine breit aufgestellte Aktion, in der die Achtklässler die Früchte ihrer Projektarbeit präsentierten, die sie unter anderem bei einem Planspiel gesammelt hatten, wie Weberpals erläuterte. Dabei sollten sie am Beispiel Schokolade die Prozesse hinter Produkten kennen lernen, sich in wirtschaftliche Entscheidungsprozesse hineinversetzen und auch überlegen, was man vielleicht ändern könnte. Zwar sei, so Weberpals, in der 8. Klasse das Wissen zum Thema Nachhaltigkeit noch nicht besonders groß, aber das Interesse zum Beispiel daran, „wie viele Kilometer ein T-Shirt zurückgelegt hat“.

Christine Tröger

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