Risikoreserve einberechnen?

Schulausschuss nickt überschrittenes Kostenlimit für den Umbau an der Haubenschloß-Grundschule ab

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Kempten – Eigentlich hätten die Bauarbeiten an der Grundschule am Haubenschloß schon dieses Frühjahr starten sollen.

Die Pläne waren im Ausschuss für Schule und Sport im Frühjahr 2018 abgesegnet worden, die Kostenschätzung von rund 8,5 Millionen Euro zuzüglich Ausstattung im darauffolgenden Juli (der Kreisbote berichtete). Bei den Haushaltsberatungen im Herbst hatten sich die Räte dann auf einen Kostendeckel der 8,5 Millionen Euro geeinigt. Auch andere Maßnahmen wurden angesichts ihrer Fülle mit einem Limit versehen. Die detailliertere Kostenberechnung für die Sanierung der Haubenschloßschule hatte dann aber eine Summe von rund 9,5 Millionen Euro ergeben.

Als klar wurde, dass es in Kempten zusätzlich eine neue Grundschule geben würde, trat ein Planungsstopp in Kraft. Seit Februar sitzen Jochen Schurr vom beauftragten Büro m2s aus Marktoberdorf und Thomas Geiger vom Büro Geiger & Walter Landschaftsarchitekten nun zusammen mit dem Projektsteuerer Gijas Khamasmie vom Büro EDR daran, die Pläne so zu ändern, dass der Umbau günstiger wird. „Jetzt orientieren wir uns stärker am Bestand“, sagte Architekt Jochen Schurr jüngst im Ausschuss für Schule und Sport. Der Lehrerbereich bleibt jetzt beispielsweise an angestammter Stelle, auch im Altbau Nord bleibt es beim Alten. Nach wie vor sollen die Gänge als Lernorte aufgeweitet werden. „Massiv wurde in den Außenanlagen eingespart und im Bestand“, erklärte Projektsteuerer Gijas Khamasmie, „im geplanten Neubau weniger.“ Schulleiterin Jutta Barwitz zeigte sich mit dem Kompromiss zufrieden. 

Die für die Schule wichtigen Punkte, seien berücksichtigt: Die Zahl von 18 Klassenzimmern mit Garderoben, ein erweiterter Mittagsbereich, wichtige Funktions- und Mulitfunktionsräume und die Sanierung der Toiletten mit behindertengerechter Toilette. Die Summe, die aktuell im Raum steht: rund neun Millionen Euro inklusive der Möbel für den Neubau und der bisherigen Teuerungsrate am Bau. Bis Baubeginn müsse von einer weiteren Verteuerung gerechnet werden. Khamasmie empfahl sogar, eine Risikoreserve miteinzubeziehen. Auch die Kosten für die wiederholten Planungsarbeiten sind in den neun Millionen noch nicht inklusive. Für deren Höhe interessierte sich Dr. Dominik Spitzer (FDP) genauer: Mit 200.000 bis 300.000 Euro müsse man hier rechnen. Gratwanderung „Damit sind wir fast bei der ursprünglichen Summe!“, sagte SPD-Fraktionsleiterin Katharina Schrader ungläubig, als es darum ging, die aktuellen Kosten zu akzeptieren und an den Haupt- und Finanzausschuss weiterzuempfehlen oder nicht. 

Auch Karl Sperl (CSU) störte sich an der „Nullnummer“, wie er sagte. Sitzungsleiterin Zweite Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) war zwar auch der Meinung, dass der Einspar-Effekt „teilweise verpufft“. Durch das Abspecken senkten sich aber auch die später zu erwartenden Kostensteigerungen. Sie wies ähnlich wie Siegfried Oberdörfer (SPD) darauf hin, dass weitere Einsparungen eventuell pädagogisch nicht mehr sinnvoll seien. Oberdörfer hielt die aktuelle Summe für optimistisch wegen der überhitzten Baubranche. Aus diesem Grund hätte Harald Platz (CSU) gerne den empfohlenen Kostenpuffer eingebaut. Hier mahnte Thomas Hartmann (Grüne) zur Vorsicht: Diese Reserve-Beträge würden dann nämlich auch abgerufen. Klaus Knoll (FW) wollte zumindest die bereits entstandenen Planungskosten berücksichtigen, „sonst ist das Lug und Trug“. 

Auch Marion Haugg, Leiterin des Amtes für Kindertagesstätten, Schulen und Sport, sprach sich dafür aus, die Finanzierungslücke zu schließen, schon allein wegen der Förderanträge, auf denen die Zahlen „übereinstimmen müssen“. Schließlich sprachen sich alle Stimmberechtigten für die Kostenanpassung an 9,2 Millionen Euro aus. Die Erkenntnis für die Zukunft war für Hartmann: „Bei solchen Projekten brauchen wir einen klaren Kostenrahmen von Anfang an. Wenn einer sagt, er schafft das nicht, dann wird’s halt nicht gemacht.“ Bei sinkenden Steuereinnahmen sah er ansonsten Schwarz. 

Susanne Lüderitz

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