Der Schuldenfalle ausweichen

Beim Spiel „Kreditpoly“ setzen sich die Jugendlichen über mehrere Spielrunden mit Schulden und Krediten auseinander. Fotos: privat

Über das Thema Geld und Schulden machen sich Jugendliche oft noch wenig Gedanken. Dass diese Themen nicht immer ganz trocken abgehandelt werden müssen, dafür hat Dagmar Geismayr (Stadtjugendring) bei ihrem Stärken-vor-Ort Projekt in St.-Mang gesorgt. Durch unterschiedlichste Methoden konnte sie unter anderem einen kompetenteren Umgang mit Geld bei Jugendlichen fördern und auf die Risiken von Verschuldung hinweisen. Profitiert haben davon Besucher des Jugendzentrums St.-Mang und Schüler der Robert-Schuman-Mittelschule. Zudem fand eine Multiplikatorenschulung in Kooperation mit Susanne Greiner von der Schuldnerberatungsstelle der Diakonie Kempten statt.

Die Gefahr in eine Schuldenspirale zu kommen, kann bereits im Jugendalter beginnen. Viele Teenager können verlockenden Freizeitangeboten nicht widerstehen und benötigen mehr Geld, als ihnen zur Verfügung steht. Dies kann sich noch zuspitzen, wenn sie 18 Jahre alt werden und Kredite aufnehmen können. Darum ist es besonders wichtig, bereits frühzeitig anzusetzen und Jugendliche für diese Gefahr zu sensibilisieren. Mit dem Projekt „Schuldenprävention bei Jugendlichen“ nahm sich die Sozialintegrative Jugendarbeiterin Dagmar Geismayr des Stadtjugendrings dieser Thematik an. Von einzelnen, individuell abgestimmten Angeboten konnten Schülerinnen und Schüler an der Robert-Schuman-Mittelschule und Jugendliche im Jugendzentrum St.-Mang profitieren. Ziel des Projektes war es, die eigene Lebensperspektive zu reflektieren, Wissen und Kenntnisse in finanziellen Bereichen zu vermitteln, persönliche Kompetenzen zu erweitern und Hilfsangebote kennenzulernen. Dabei stand die Förderung einer selbständigen und verantwortlichen Finanzplanung im Mittelpunkt der Präventionsmaßnahme. Damit das Thema bei den Jugendlichen gut ankam, hatte Geismayr verschiedene Methoden vorbereitet: Zum Beispiel wurden Collagen „Mein Leben in 15 Jahren“ angefertigt und anschließend miteinander reflektiert. Wichtig dabei war, das Bewusstsein zu schaffen, dass sich der momentane persönliche (schulische) Einsatz fördernd oder hemmend auf die eigenen Ziele auswirken kann und dementsprechend Aus-wirkung auf Lebensperspektiven – auch finanzielle – hat. Diskussionen zum Handy Zum Thema Handy recherchierten die Jugendlichen online und sammelten viele Informationen. Diese diskutierten sie dann in Untergruppen, fassten sie zusammen und stellten sie sich anschließend gegenseitig vor. Außerdem reflektierten sie ihren eigene Umgang und wägten den Nutzen von zahlreichen Handyfunktionen und deren Sinnhaftigkeit – auch vor dem Hintergrund der entstehenden Kosten – ab. Die Aufklärung über die positiven und negativen Nutzungsweisen und eine Information zu grundlegenden Kenntnissen zum sicheren und kostenbewussten Umgang mit dem Handy, rundeten das Thema ab. Informiert wurde während des Projekts auch über Gefahren und Fallen des Internets: Kostenfallen wie Aboverträge, Abzockangebote und Käufe im Rahmen des Taschengeldparagraphen standen dabei im Mittelpunkt. Eine andere Methode war das Spiel „Kreditpoly“: Die Jugendlichen setzten sich über mehrere Spielrunden mit Schulden und Krediten auseinander. Den Spielern wurden dabei Situationen aus dem Alltag präsentiert, wobei sie mit mehr oder weniger sinnvollen Konsumentscheidungen, die teilweise lustig aufbereitet waren, konfrontiert wurden. Kosten einschätzen Beim Online-Quiz „Handy-Andy“ wurden die Heranwachsenden über fixe und feste Kosten informiert. Die fiktive Figur „Andy“ bestritt dabei seinen Lebensunterhalt. Beim Quiz mussten die Jugendlichen zum Beispiel die Höhe von Miet- und Stromkosten einer Zweizimmerwohnung oder die Höhe der GEZ-Gebühr einschätzen. Dadurch erhielten sie Informationen zu (manchmal nicht bekannten) Haushaltsführungskosten – was durchaus den einen oder anderen Aha-Effekt hervorrief. Im Oktober fanden im Jugendzentrum offene Talkrunden mit Dieter Streit von der Schuldnerberatungsstelle der Diakonie Kempten statt. Die Jugendlichen konnten sämtliche Fragen zum Thema Geld und Verschuldung loswerden und das Hilfsangebot der Schuldnerberatung kennen lernen. Ein letztes Beispiel zu der methodischen Umsetzung des Stärken-vor-Ort Projektes des SJR war die Gestaltung eines „Anti-Langeweile-Glücksrad“. Dazu wurden unterschiedlichste Ideen zu kostenlosen (oder preisgünstigen) Freizeitangeboten mit den Jugendlichen gesammelt und anschließend auf einem selbst gebauten Glücksrad kreativ umgesetzt. Dieses befindet sich nun im Jugendzentrum St.-Mang und dient dazu, sich bei Langeweile für die eigene Freizeitgestaltung inspirieren zu lassen. Mit viel Fach- und Insiderwissen wurde Dagmar Geismayr während der Projektphase von Susanne Greiner der Schuldnerberatungsstelle der Diakonie in Kempten unterstützt. Greiner führte auch einen Elternabend an der Robert-Schuman-Schule und eine Fortbildung zum Thema „Schulden- prävention bei Jugendlichen“ für Fachpersonal durch. Die Schuldenprävention ist ein „Stärken-vor-Ort-Projekt“ – ein Programm der Bundesinitiative „Jugend Stärken“, das die schulische, soziale und auch berufliche Integration von benachteiligten jungen Menschen mit Problemen beim Einstieg und Wiedereinstieg ins Erwerbsleben fördert. Das Projekt wird vom Bundes-Familienministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert.

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