Schwere Aufgabe

„Was mit Leiden, Krankheit, alt und gebrechlich werden, was mit Sterben zu tun hat, wird oft verdrängt“, obwohl es jeden schnell und unerwartet treffen könne, machte Bürgermeisterin Sybille Knott (FW) die Bedeutung des Allgäu Hospiz deutlich. Zum fünfjährigen Bestehen waren vergangene Woche Vertreter der Politik, Mitarbeiter und Freunde der Einrichtung zur Segensfeier mit anschließendem Empfang gekommen, die musikalisch von der Gruppe „Saitensprung“ umrahmt wurden. 461 „Gäste“, wie die Bewohner der acht wohnlichen Einzelzimmer genannt werden, habe das Hospiz seit seiner Eröffnung im Oktober 2003 beherbergt, betreut und auf ihrem letzten Weg begleitet, erzählte Mandy Eulitz, Leiterin des Allgäu Hospiz, dem KREISBOTE. In erster Linie handle es sich dabei um Krebspatienten, darunter auch viele junge Menschen.

Getragen wird die stationäre Einrichtung vom Hospizverein Kempten-Oberallgäu e.V. und der Ortsgruppe Oberallgäu des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Bereits seit 15 Jahren begleiten die ehrenamtlichen Helfer des Vereins schwerkranke und sterbende Menschen wie auch ihre Angehörigen und leisten darüber hinaus Trauerbegleitung. Im Rückblick ließen die beiden Hospiz-Geschäftsführer Prof. Dr. Volker Hiemeyer und Alexander Schwägerl, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Oberallgäu, Hohen und Tiefen der fünfjährigen Geschichte Revue passieren. Nicht überall sei die Gründung des Hospizes willkommen gewesen, erinnerte sich Hiemeyer. Erst die engagierte Fürsprache Karin Stoibers, Gattin des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten, hätte so manche Hürde in Luft aufgelöst, meinte er zufrieden. "Keine einfache Aufgabe" Auf der Suche nach einem Partner zur Gründung einer GmbH sei Hiemeyer auf ihn zugekommen, fuhr Schwägerl schmunzelnd fort, „mit Aussicht auf 80000 Euro Defizit“. Zwar seien die Belegungszahlen des Hauses noch immer schwankend, aber mit deutlich steigender Tendenz, merkte er an. So seien auch die hauptamtlichen Mitarbeiter von anfangs acht auf aktuell 18 aufgestockt worden. Sowohl hauptamtliche als auch ehrenamtliche Mitarbeiter zeigten eine große Leistungs- und Einsatzbereitschaft, „obwohl die Begleitung unserer Gäste keine einfache Aufgabe ist“, zollte er ihnen großes Lob. Zur Sicherung der Finanzen sei neben dem bestehenden Förderverein „Freunde des Allgäu Hospiz“ nun auch eine Stiftung gegründet worden, machte er auf den gesetzlich vorgegebenen, durch Spendengelder aufzubringenden Eigenanteil aufmerksam. Die Kosten für einen Aufenthalt im Hospiz verteilen sich auf Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherungen, den genannten Eigenanteil des Trägers und, wenn möglich, eine Selbstbeteiligung des Gastes. Aufnahme finden alle Menschen, bei denen nach ärztlicher Einschätzung eine begrenzte Lebenserwartung ohne Aussicht auf Heilung besteht und eine häusliche Betreuung nicht gewährleistet ist. Das Allgäu Hospiz bietet diesen Menschen medizinisch-pflegerische Begleitung, Geborgenheit und ein würdevolles Sterben. Dennoch versteht sich die Einrichtung nicht als „Sterbehaus“, sondern als ein Ort, der bis zum Schluss mit menschlicher Wärme und Leben gefüllt ist.

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