Optimale Lösung gibt es nicht

Halde Nord: Terrassenhausbebauung im zentralen Bereich

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Im Hangbereich der Halde Nord werden Terrassenhäuser entstehen. Somit können im Baugebiet bis zu 349 Wohneinheiten entstehen.

„Das ist eine schwierige Entscheidung. Es gibt keine Variante, bei der man Hurra schreit.“ Mit diesen Worten brachte Siegfried Oberdörfer auf den Punkt, was wohl die meisten Anwesenden im Bauausschuss am Mittwochnachmittag dachten.

Gesucht wurde eine Entscheidung, wie der mittlere und südliche Bereich der zentralen Achse, für den ursprünglich Geschosswohnungsbau vorgesehen war, bebaut werden kann. Wie berichtet, wurde die bisherige Planung aufgrund der schwierigen Tiefgaragensituation als wirtschaftlich nicht umsetzbar bewertet und erfuhr deshalb eine nochmalige Überarbeitung.

Baureferent Tim Koemstedt präsentierte dem Gremium nun drei Varianten. 

Variante 1 basiert wesentlich auf der bereits zum vergangenen Planungsstand erarbeiteten städtebaulich hochwertigen Lösung in Form von dreigeschossigen aufgelockerten Geschosswohnungsbau im gesamten Bereich der zentralen Quartiersachse. Die Stellplätze für die untere Gebäudereihe würden weiterhin durch kleinere Tiefgaragen zwischen den Gebäuden hergestellt. Für die obere Gebäudereihe ist nun jedoch eine Quartiersgarage im nördlichen Grundstücksbereich vorgesehen. Problem: Die künftigen Anwohner hätten Laufwege von bis zu 250 Metern inklusive einer Höhendifferenz von bis zu 20 Metern. Bei dieser Variante würden auf der Halde Nord insgesamt rund 340 Wohneinheiten entstehen (115 in der zentralen Quartiersachse).

Bei Variante 2 werden die oberen sechs Geschosswohnungsbauten durch Reihenhausbebauung ersetzt. Diese tritt zur Sammelstraße zweigeschossig und hangabwärts dreigeschossig in Erscheinung. Die Stellplätze könnten direkt in/an den Häusern untergebracht werden. Die untere Gebäudereihe bliebe als Geschosswohnungsbau bestehen. Problem hier: Die rein nach Osten orientierten Reihenhausgärten wären aufgrund der Topographie nur eingeschränkt nutzbar und die Zahl der Wohneinheiten im Baugebiet würde sich auf circa 314 reduzieren (69 in der zentralen Quartiersachse).

Bei Variante 3 wird eine Terrassenhausbebauung des Hangbereiches vorgeschlagen. Die Terrassenhäuser treten zu den Straßenräumen dreigeschossig in Erscheinung – innerhalb des Hangbereichs ist durch sogenannte Gartengeschosse eine bis zu fünfgeschossige Bauweise angedacht. Die Gebäudekörper können bis zu 46 Meter lang werden. Die für den Gesamtentwurf wesentlich prägende Grünachse mit Geh- und Radweg müsste aufgegeben werden und der Geh- und Radweg parallel zur Sammelstraße entstehen. Die Stellplätze würden durch Tiefgaragenbereiche zwischen den Baukörpern und einer zusätzlichen Parkgarage im Bereich der zentralen Grünachse hergestellt werden. Entstehen könnten mit dieser Lösung insgesamt bis zu 349 Wohneinheiten im Baugebiet (122 in der zentralen Quartiersachse).

Diskussion

„Variante 1 wird nicht funktionieren“, vermutete Hans-Peter Hartmann (FW) ein Problem mit der Vermietung. Variante 3 gefiel ihm besser, er sah aber Schwierigkeiten darin, die oberen Wohnungen zu nutzen. Für ihn war Variante 2 am sinnvollsten, auch wenn dadurch die wenigsten Wohneinheiten und somit die höchsten Entschließungskosten entstehen würden. Michael Hofer (ÖDP) war von Variante 3 „am meisten überzeugt“. Oberdörfer konnte sich Variante 1 aufgrund der weiten Laufwege im Alltag nicht vorstellen. Variante 2 sah er am skeptischsten und tendierte daher zu Variante 3, obwohl sie einen Bruch in der städtebaulichen Entwicklung darstelle. Die Parkierung sollte seiner Ansicht nach jedoch nochmals überarbeitet werden.

Für Theo Dodel-Hefele (Grüne) kam Variante 2 nicht in Frage, da die osthängigen Grundstücke nicht verwertbar seien. Variante 1 wäre die beste, wenn nicht das Problem mit der Parkierung wäre und so war auch er für Variante 3.

„Die Maxime war eine gute städtebauliche Qualität, eine gute Durchmischung“, erinnerte Baureferent Koemstedt. Variante 1 sei städtebaulich am besten, Variante 3 aber eine „neue, interessante Variante“, die am wirtschaftlichsten sei. Auch OB Thomas Kiechle sah Variante 1 als die städtebaulich beste Lösung mit der besten Durchmischung. Hier sei aber zwingend eine Überarbeitung der Parkierung notwendig. Diese Variante sei aber bereits das Ergebnis der Überarbeitung der bisherigen Planung, betonte Architekt Stephan Walter von f64.

„Wir müssen jetzt zu Potte kommen, das erwartet der Bürger von uns, wir müssen Farbe bekennen“, forderte Dieter Zacherle (FW). OB Kiechle wollte sich jedoch nicht drängen lassen: „Ich hab Zeit heut', ich will eine vernünftige Entscheidung. Es gibt keine Lösung, die all unseren Wünschen entspricht.“

Variante 3 gewinnt

Nachdem sich in der weiteren Diskussion herausstellte, dass Optimierungen am ehesten noch bei Variante 3 möglich sind, entschied sich das Gremium einstimmig, Variante 3 in den städtebaulichen Rahmenplan für die Bebauung der Halde Nord aufzunehmen. Die Parkierung soll jedoch noch verbessert werden.

Auf dieser Grundlage konnte dann auch noch der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans „Halde“ gefasst werden bzw. dem Stadtrat empfohlen werden, diesen zu fassen.

Melanie Weidle

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