Schwierige Situation

Tote Hose: Zu den von der Verwaltung organisierten Abschlussfeiern wollte keiner kommen. Veranstalter und Helfer blieben so unter sich. Foto: Archiv

„Man sollte trotz des Misserfolges jetzt nicht auf einen einhacken“, betonte Siegfried Oberdörfer (SPD) vergangene Woche im Jugendhilfeausschuss als es um die gescheiterten Schulabschlussfeiern ging. Das tat auch keiner, die Suche nach einem Sündenbock blieb aus. Thomas Baier-Regney, Leiter des Amts für Jugendarbeit, war zwar namentlich als Veranstalter des „Finito-Festivals“ in den Illerauen genannt, die Schuld für den Flop schob ihm jedoch keiner in die Schuhe. „Wir sollten uns eher fragen, ob die Stadt der richtige Veranstalter ist“, gab OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) zu bedenken.

Es hat überhaupt nicht funktioniert, das von der Stadt erarbeitete und vom Jugendhilfeausschuss abgesegnete Konzept für die Schulabschlussfeiern der Real- und Mittelschüler. Eigentlich hätten auf dem extra aufgebauten „Festival-Gelände“ an der Iller an den drei Tagen jeweils bis zu 500 Schüler feiern sollen, doch es kamen höchstens 100, und das auch nur über den Tag verteilt (der KREISBOTE berichtete). Partylaune kam so nie auf. „Wir waren für uns“, brachte es Baier-Regnery auf den Punkt. Mit uns meint er seine Crew, Rettungsdienst, Wasserwacht und Security. Von feiernden Schülern war die meiste Zeit weit und breit nichts zu sehen. "Grundsätzlich überrascht" Obwohl im Vorfeld mit den Schülermitverwaltungen (SMV) über das Konzept diskutiert wurde und sie in die Planungen eingebunden waren, boykottierten die Abschlussschüler das städtische Angebot regelrecht. Baier-Regnery sprach einige Schüler in der Stadt darauf an und bekam die Antwort, dass man sich das Feiern nicht vorschreiben und sich auch nicht beaufsichtigen lassen wollen. Außerdem wollten die Jugendlichen ihre Getränke selber mitbringen, die auf dem „Finito-Festival“ waren ihnen zu teuer. „Wir waren grundsätzlich schon überrascht, dass es so gelaufen ist“, gab der Amtsleiter zu. Das Ziel sei jedoch gewesen, ein extremes Feiern bis der Notarzt kommt zu vermeiden. Und als Veranstalter konnte die Stadt auch nicht einfach die Jugendschutzbedingungen missachten. „Ich bedaure sehr, dass das Konzept nicht angenommen wurde und Kosten (20 000 Euro; Anm. d. Redaktion) entstanden sind“, meinte Baier-Regnery abschließend. Der gleichen Meinung war auch Oberdörfer: „Leider ist das Konzept nicht aufgegangen, die Jugendlichen nehmen solche Dinge nicht an.“ Er plädierte aber dafür, dass man jetzt nicht aufgeben sollte, obwohl es eine schwierige Situation sei. „Einerseits muss der Jugendschutz und die Grünanlagensatzung eingehalten werden und andererseits sollen die Jugendlichen möglichst frei feiern“, beschrieb er. Einen Kritikpunkt hatte er dennoch. Die Realschüler waren teilweise schon einen Tag vor dem „Finito-Festival“ fertig mit ihren Prüfungen. Da konnten sie jedoch noch nicht offiziell feiern, bemängelte der ehemalige Realschullehrer. Überhaupt zuständig? OB Netzer fand es zwar ok, dass die Stadt es versucht hat, stellte jedoch die Frage, ob sie der richtige Veranstalter sei. „Ich neige dazu, das sehr kritisch zu sehen“, meinte er. „Mein Gedanke ist, ob das nicht das Thema der Schulen, Schüler und Eltern ist.“ „Die Abschlussfeiern muss man aus den Wurzeln der Jugendlichen entstehen lassen“, unterstricht Stefan Keppeler, Vorsitzender des Stadtjugendrings. Die Stadt solle die Veranstaltung nur begleiten. Kinderarzt Dr. Thomas Potthast schlug den Königsplatz als Veranstaltungsort vor, da dort die Schüler sowieso vorbeilaufen würden. „Der Ort ist nicht das Problem“, entgegnete Claudia Dress (CSU). Die Absolventen hätten bisher immer einen Ort gefunden. Heuer sind sie beispielsweise an den Öschlesee oder Herrenwieser Weiher ausgewichen. „Das 'Finito-Festival' ist aus einem Verbot entstanden und das ist in den Köpfen der Schüler drin. Wir hatten keine Chance“, meinte sie. Einig waren sich alle darin, dass wieder Gespräche aufgenommen werden müssen.

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