Schwieriger Spagat

Fand viel Zustimmung zu seinen Thesen: Ministerialrat Günter Biermayer. Gesunde Mischwälder, gepaart mit gesundem Menschenverstand wünscht Biermayer sich und seinen Zuhörern der Waldbesitzervereinigung Kempten. Foto: Spielberg

„Nützen und schützen” – unter diesem Motto stand die diesjährige Jahresversammlung der Waldbesitzervereinigung Kempten, Land und Stadt am Mittwochabend im Hirschsaal in Betzigau. Für die meisten Menschen ist der Wald ein Ort der Ruhe, eine Stätte in der Kraft, Besinnung und Erholung für den Alltag gefunden werden kann. Für Waldbesitzer ist der Nutzen ihres Eigentums an Bäumen allerdings weitaus komplexer, auf eine kurze Formel gebracht – es gilt sowohl seine wirtschaftliche Rentabilität, als auch seine ökologische Bedeutung für Mensch und Natur in Einklang zu bringen.

Das dies nicht immer einfach ist und Nicht-Waldbesitzern oft als misslungen erscheint, darum ging es an diesem Abend vor rund hundert Waldbesitzern aus der Region. Der Vorstand hatte just zu diesem Thema Günter Biermayer, Ministerialrat des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, eingeladen. Biermayer nahm in seinem Vortrag „Naturschutz, Klimaschutz – durch nachhaltige Forstwirtschaft vorsorgen statt stilllegen!” genau zu diesen Punkten Stellung und äußerte sein Missbehagen insbesondere über die NGOs im Bereich des Umweltschutzes, die Sachverhalte wie Mischwald-Problematik nur allzu gerne holzschnittartig der Öffentlichkeit nahebringen. Hier floriere eine Art fröhlicher Ablasshandel – „spende für den Erhalt eines Laubbaum fünf Euro und fühle dich gut dabei”. Das diese Tatsache aus der Sicht der meisten Waldbesitzer nicht sinnig erscheint, da Nachfrage und Angebot auf den Märkten eine ganz andere Sprache sprechen, sei aber unpopulär und einer Öffentlichkeit mit einer romantisierten Vorstellung von Wald nur schwer vermittelbar. Das es oft dieselben seien, die eben noch in der Fußgängerzone fünf Euro für den Erhalt eines Laubbaumes gespendet haben, um flugs darauf mit ihrem Acht-Zylinder SUV zum nächsten Baumarkt zu fahren, um Gartenmöbel aus billigst produziertem Holz zu kaufen, sei leider nur zu oft bittere Realität, so Biermayer weiter. Darum und um einen wohl unausweichlichen Konsumverzicht der Bevölkerung gerade im Bezug bei der Nutzung des Rohstoffs Holz als nachwachsendem Energieträger ging es dann auch in den Ansprachen der anderen Redner. Auch Gastreferent Dr. Ulrich Sauter vom städtischen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) plädierte für das Anlegen gesunder Mischwälder und sprach sich für eine nachhaltige Nutzung der Forste aus. Mehr Werbung Abgesetzt am Markt wurden im Geschäftsjahr 2011 übrigens zu 50 Prozent Fichtenholz, gefolgt von 19 Prozent Bergahorn und sechs Prozent Holz der Tannenart Douglasie. Die meisten Festmeter erzielte der Rohstoff Holz beim Stammholz (Bauholz), gefolgt vom Faserholz zur Papiergewinnung und schließlich schon das sogenannte Hackgut, das bei der Energie- und Wärmegewinnung zum Einsatz kommt. Gleichsam hob Sauter die Bedeutung der Werbung für die Waldwirtschaft hervor, da eben das Wissen über die angesprochene Problematik der Durchmischung der regionalen Wälder mit Laubbäumen nicht wirklich bei den Menschen verbreitet ist und es einen hohen Bedarf an Kommunikation zum Thema Waldnutzung mit der Gesellschaft gebe. Zudem forderte er die Versammelten auf, sich noch mehr für eine bessere Zusammenarbeit der Waldbesitzer mit den Jagdverbänden einzusetzen. Das AELF jedenfalls werde auch künftig auf die gute Zusammenarbeit mit den Waldwirtschaftlern setzen. Natürlich ging es an diesem Abend auch um das abgelaufene Geschäftsjahr 2011, dessen Verlauf und Ergebnis den Versammelten durch Dipl. Forstwirt Bernhard Vollmar dargelegt wurde. Er musste den Mitgliedern von einem Minus von rund 35 000 Euro berichten, das aus einer noch aus 2010 „mitgeschleppten” Umsatzsteuerschuld resultiere. Durch die Implementierung eines neuen Kundeninformationssystem werden aber künftig geringere Kosten durch effiziente Mitgliederverwaltung und eine höhere Betreuungsqualität in Aussicht gestellt. So fanden die Erläuterungen von Vollmar einen optimistischen Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr.

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