Sechstes Meisterkonzert in Kempten

Präzision und Spielfreude

+

Die Spielzeit ist beendet. Die Reihe der Meisterkonzerte fand Ende vergangener Woche ihren Ausklang durch ein in mehrerer Hinsicht hörenswertes achtes Konzert.

Zum Einen handelte es sich um eine Zusammenstellung sehr unterschiedlicher Musikstücke aus verschiedenen Epochen der europäischen Musikgeschichte, darunter zwei sehr selten gespielten Werken, zum Anderen bezog das Konzert seine Spannung aus der Besetzung mit extra für dieses Konzert von Christian Altenburger im Auftrag von Organisator Dr. Franz Tröger eingeladenen Musikern, allesamt solistisch und kammermusikalisch höchsterfahren in ihren jeweiligen Musikbiografien.

Den Kern des Ensembles durch alle drei Stücke hindurch bildete das Klavier der serbischen Pianistin Jasminka Stancul, die Violine des Österreichers Christian Altenburger und das Violoncello des Schweizers Patrick Demenga.

Herz- und Mittelstück des Konzertabends war das Quintett für Klarinette und Horn von Ralph Vaughan Williams. Das 1898 geschriebene Werk nimmt zahlreiche Einflüsse der englischen Musikgeschichte auf, gleichzeitig ist es geprägt von der europäischen Romantik des neunzehnten Jahrhunderts. Zu Streichern und Klavier fügten hier die gebürtige Kemptenerin Claudia Strenkert, Solo-Hornistin im NDR Elbphilharmonie-Orchester, und Ulf Rodenhäuser auf der Klarinette sehr spannende Klangfarbenkombinationen hinzu. Alle fünf Musiker spielten mit großem Engagement, kammermusikalischer Präzision und einem sehr flexiblen Dynamikumfang, und es entstand Musik, die für den heutigen Zuhörer bereits beim ersten Anhören verständlich war. Mozarts Klavierquartett in Es-Dur von 1786, zu Beginn des Konzertabends gespielt, fehlte etwas die dynamische Lebhaftigkeit des zweiten Stücks. Zwar genauso präzise mit fein austa- rierter Gewichtung der einzelnen Instrumente dargeboten, hätte man doch diesem sehr gehaltvollen Mozart-Werk durch stärkere dynamische Akzentuierung noch etwas mehr Es-Dur-Glanz verleihen können. Mozart hatte es als Aufführungsstück für Musiklaien zum Geldverdienen geschrieben und war, was die musikalische Tiefe und die spieltechnischen Schwierigkeiten anbelangt, für diesen Zweck übers Ziel hinausgeschossen, so dass es sich als sehr schwer verkäuflich erwiesen hatte.

Das dritte Stück des Abends, Ernst von Dohnányis 1935 komponiertes Sextett in C-Dur, stellte die größten Anforderungen des Abends an die Hörgewohnheiten des Konzertbesuchers. Ursprünglich von der Tonsprache eines Johannes Brahms geprägt verarbeitete Dohnanyi hier diverse musikalische Einflüße des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts. Heraus kam ein etwas sprödes und akademisches Werk, das aber offensichtlich für Musiker sehr abwechslungsreich zu spielen war. Besonders bei Hiyoli Togawa an der Bratsche zeigte sich eine Spielfreude, die ansteckend wirkte und dem Publikum mithalf, einen Zugang zu diesem Werk zu finden. Trotzdem blieben das Heraushören von Jazzelementen, Taktwechsel und atonalen Strukturen ein eher intellektuelles anstatt musikalisch-sinnliches Vergnügen.

Am Ende erhielten die Musiker für ein sehr abwechslungsreiches Konzert den lang anhaltenden Beifall, den sie auch verdient hatten.

Jürgen Kus

Auch interessant

Meistgelesen

Rundgang des Ministerpräsidenten zur Eröffnung der Allgäuer Festwoche
Rundgang des Ministerpräsidenten zur Eröffnung der Allgäuer Festwoche
Mittwoch: Endlich Gymnastik und echte Romantik in der Selfie-Box
Mittwoch: Endlich Gymnastik und echte Romantik in der Selfie-Box
Selfie Box: Bilder 200 bis 250 vom Wochenende
Selfie Box: Bilder 200 bis 250 vom Wochenende
Allgäuer protestieren gegen Skischaukel 
Allgäuer protestieren gegen Skischaukel 

Kommentare