Eine Brücke der Solidarität und Menschlichkeit

Das Bündnis "Seebrücke Kempten" hatte letzten Samstagnachmittag zu einer Demonstration aufgerufen

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Zahlreiche BürgerInnen, VertreterInnen der Stadtpolitik und AktivistInnen privater Initiativen setzten ein Zeichen für Menschlichkeit und Solidarität. Der friedliche Protestzug bewegte sich vom Forum Allgäu durch die Kemptener Altstadt zum Rathausplatz.

Kempten – „Sichere Fluchtwege jetzt – Kempten ins Boot“ war das Motto einer Demonstration des Bündnisses „Seebrücke Kempten“, die letzten Samstagnachmittag in der Kemptener Innenstadt veranstaltet wurde. Zahlreiche BürgerInnen, VertreterInnen der Stadtpolitik und AktivistInnen privater Initiativen waren dem Aufruf gefolgt, ein Zeichen für Menschlichkeit und Solidarität zu setzen.

Mit einer Petition „Kempten zu einem sicheren Hafen machen“ und einem weiteren Geschenk im Gepäck bewegte sich der Protestzug, begleitet von Sprechchören „Menschen zu retten, ist kein Verbrechen“und „Internationale Solidarität“ vom Forum Allgäu durch die Altstadt in Richtung Rathaus. Dort erwartete sie bereits Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der die Petition und ein persönliches Geschenk – eine Rettungsweste, die Mut und Menschlichkeit symbolisierte – in Empfang nahm. 

Das Bündnis „Seebrücke Kempten“ engagiert sich für sichere Fluchtwege und eine Entkriminalisierung der Seenotrettung. Es möchte ein Zeichen setzen für eine offene, solidarische Gesellschaft und gegen eine europäische Abschottungspolitik, gegen Hetze und Gewalt. 

Menschen flüchten vor Krieg, Verfolgung und Elend, so Carina-Maria, Pressesprecherin der „Seebrücke Kempten“. Die Außenpolitik der europäischen Staaten verschärfe die Situation der Geflüchteten, Fluchtwege würden blockiert und behindert, zivile Seenotrettung und Hilfsorganisationen würden kriminalisiert, erklärte Carina-Maria. So leben 10.000 Menschen bereits seit Jahren in überfüllten Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen. Sie appellierte, jetzt zu handeln, um das Sterben in und um das Mittelmeer zu beenden. 

Sie forderte eine klare Positionierung und den Beitritt der Stadt Kempten zum Bündnis der „Seebrücke Kempten“. „Kempten soll ein sicherer Hafen werden und den Geflüchteten ein sicheres Ankommen ermöglichen.“

Ein Syrer, der seine Heimat und seine Freunde verlassen musste, beschrieb die Eindrücke seiner Flucht. „Eine schreckliche und unbeschreibliche Angst begleitete mich“, so der junge Mann. Bilder, die er nie vergessen werde, die jeden Augenblick in seinem Kopf präsent seien. Jeder, der sich auf den Weg mache, wisse um das Risiko, um die Folter in den Lagern in Libyen, die Ressentiments und die Abschiebung. Und doch gebe es keine andere Möglichkeit. Er rief die Menschen auf, niemanden im Stich zu lassen, wenn er in Not ist. „Jeder hat ein Recht auf Leben, ein Recht auf Sicherheit“, so der Aktivist. 

Die Petition umfasse sechs Punkte gegen organisierte Verantwortungslosigkeit und für einen sicheren Hafen für Geflüchtete in Kempten, erklärte eine Vertreterin des Bündnisses. 

Mit ihrem Gesuch möchten sie unter anderem erreichen, dass sich die Stadt Kempten öffentlich solidarisch gegenüber Menschen auf der Flucht erklärt und die aktive Seenotrettung, sowie eine zusätzliche Aufnahme von Geflüchteten unterstützt, so die junge Aktivistin. Bis jetzt seien bereits 19.000 Menschen auf der Flucht gestorben oder vermisst. 

Kiechle unterstrich die Bedeutung, sich klar zu positionieren gegen Hass, gegen Ausgrenzung und jegliche Form von Rassismus. So könne die Sprache positiv oder negativ beeinflussen, wie der unverantwortliche Umgang mit der Sprache durch die AfD zeige. Die unzumutbaren Zustände schmerzen ihn persönlich, so Kiechle. Lösungen seien notwendig und wichtig. Jeder könne einen Beitrag für ein friedliches Zusammenleben in seinem Umfeld leisten. „Wir stehen zusammen“, betonte der Oberbürgermeister. Der Antrag, den die Stadt Kempten Ende August letzten Jahres von der SPD erhalten habe, werde im April Tagesordnungspunkt der Stadtratssitzung sein, versprach er den VertreterInnen des Bündnisses. 

Auch Katharina Schrader, Fraktionsvorsitzende der SPD, und Lajos Fischer, Geschäftsführer Haus International, sprachen sich für ein buntes und menschenwürdiges Kempten aus. 

So berichtete Lajos Fischer von einem Programm der italienischen Stadt Palermo mit dem Motto „wir sind alle Menschen, wir sind alle gleichberechtigt“. Es sei ein Menschenrecht, sich von einem Ort zum anderen zu bewegen und das gelte für alle, zitierte Fischer den Bürgermeister von Palermo. So habe sich Palermo mit einer hohen Kriminalitätsrate zu einer sicheren Stadt entwickelt. Flüchtlinge aufzunehmen, bedeute mehr Sicherheit und nicht das Gegenteil, betonte Fischer. Er hatte auch bereits einen konkreten Vorschlag dabei, wie die Stadt Kempten aktiv werden könne, etwa durch die Aufnahme von geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus griechischen Flüchtlingslagern. 

Katharina Schrader teilte seine Ansicht. Die Stadt Kempten sei seit Jahrzehnten für eine beachtenswerte Integrationsarbeit bekannt. Sie plädierte für eine Aufnahme von Geflüchteten, vorzugsweise Frauen und Kindern, über das bestehende Verteilsystem hinaus und zudem für den Beitritt der Stadt Kempten zum Bündnis „Seebrücke Kempten“. „Kempten ist bunt, Kempten ist menschlich“, so die Fraktionsvorsitzende.

Christine Reder

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