Sehenswerte Ausstellung

Die „Brot-Bötin“, aufgenommen von der Fotografin Erika Groth-Schmachtenberger, trug früher Waren in entlegene Bergbauernhöfe aus. Foto: Tröger

Holz – nicht wegzudenkender Werkstoff, Baumaterial, nachwachsender Rohstoff mit vielen Qualitäten des Materials aber auch bezüglich Haptik, Geruch und Optik, ist Thema der aktuellen Ausstellung im Alpinmuseum. „Holz aus den Bergen“ dokumentiert zugleich die Bedeutung von Holz im alpinen Lebensraum.

Da sind einmal die schwarz-weiß Fotografien von Erika Groth-Schmachtenberger (1906 – 1992), die das Handwerk, die Handarbeit und auch die nicht gerade ungefährlichen Transportwege der Baumstämme von den Höhenlagen hinunter ins Tal in den Mittelpunkt stellte. Und da sind die schwarz-weiß Fotografien von Rainer Retzlaff, Jahrgang 1962, der mit seiner Kamera in die Lebenswelt des betagten Geschwisterpaares Josef Boxler und Resl Peter in der Sägemühle in Wiggensbach-Strohmayers buchstäblich eintauchte. Zwei Fotografen – zwei Herangehensweisen. Während der in Niedersonthofen lebende Retzlaff aus dem Hintergrund als stiller Beobachter agiert und von seinen menschlichen Motiven gar nicht wahrgenommen zu werden scheint, bleibt Groth-Schmachtenbergers Präsenz als Fotografin wenig verborgen. 1993 hatte der gebürtige Kemptener Retzlaff die Haldemühle mit ihren Bewohnern entdeckt und das Leben der beiden damals weit über 80-jährigen, noch immer werktätigen Geschwister über fünf Jahre hinweg in über 800 Fotografien sehr einfühlsam und doch ungeschminkt dokumentiert. Das „Porträt eines Lebensstils“ zeigt zwei alte Menschen, die ihren sicher zu keiner Zeit leichten Alltag ohne Gejammer, sondern mit zufriedenem Einverständnis damit, dass es ist, wie es ist und damit, was eben getan werden muss, verrichten. Außer Frage stehen auch die klassisch verteilten Rollen, die eben sind, wie sie immer waren: Er ist für die Sägemühle zuständig, sie für Garten und Haushalt. Wenngleich einzig ein Abbild Josef Boxler lachend zeigt, taucht das Lächeln wie ein flüchtiger Schein über den meist ernst konzentrierten Gesichtern doch an mehreren Stellen auf -zurückhaltend, bescheiden, wie auch die beiden Zeugen einer längst vergangen geglaubten Zeit. Unaufdringlich und doch mit berührend menschlicher Nähe hat Retzlaff „die Boxlers“ mit seiner analogen Kleinbildkamera begleitet, ohne in ihren Ablauf einzugreifen. Nur auf einem Bild posieren sie – und wirken selbst da auf ergreifende Weise authentisch. Anders als der Industrie- und Werbefotograf Retzlaff, der seine Fotoreportage zunächst für sich gemacht hatte, war es für die Bildberichterstatterin Groth-Schmachtenberger wichtig, Bilder auch an Agenturen verkaufen zu können. Geigenbauer, Korbmacher, Küfer, Dachdecker, Schindel- und Pfeifenmacher, Flößer, Holzarbeiter sind nur einige ihrer Motive, die auf den hier gezeigten, überwiegend vor dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Bildern aus der Sammlung Dr. Manfred Felle zu sehen sind. Auch sie sind interessante Zeitdokumente, die einen Eindruck von der großen und vielfältigen Bedeutung vermitteln, die Holz im alpin-ländlichen Raum gespielt hat und zum Teil noch spielt. Als schöne Ergänzung zum umfangreichen Bildmaterial zeugen Gebrauchsgegenstände von der bedeutenden Rolle von Holz im täglichen Leben: Holzspiele, Musikinstrumente, Stopfeier, Kuhhorn- former, Löffel, Schüsseln, Holzwinkelformer für Schneiderschulen – die Liste der ausgestellten Gegenstände ist lang. Nicht vergessen wurde das Material Holz in der bildenden Kunst - repräsentiert durch Werke von Stephan Rustige, Christoph Finkel und Michael Vogler – sowie Material jahrhundertealter Bäume. Die sehenswerte Ausstellung „Holz aus den Bergen“ läuft noch bis zum 18. November jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr im Alpinmuseum, Landwehrstraße 4 und wird von vielfältigen Veranstaltungen rund um das Thema begleitet, darunter Aktionswochen für Schulklassen vom 15. bis 24. Mai. Jeden Samstag gibt es außerdem um 14 Uhr eine kostenlose Führung. Weitere Infos zum Programm gibt es auch im Internet www.museen-kempten.de.

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