"Sehr sehr sensibel vorgegangen"

Diese Prognose soll es beweisen: Ursulasried bleibt vom Hubschrauber-Lärm verschont.

Ein altes Uhu-Pärchen gab letztendlich den Ausschlag. Die beiden nachtaktiven Vögeln haben sich auf dem „Kreuzer-Grundstück“ in der Nähe des ADAC-Geländes im Gewerbegebiet häuslich niedergelassen. Und da die Tiere unter Artenschutz stehen, fiel das Areal genauso wie 17 andere auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine neue Luftrettungsstation aus dem Rennen. So deutet derzeit alles darauf hin, dass der Rettungshubschrauber Christoph 17 in Zukunft vom Bundeswehrsportplatz in der Riederau starten und landen wird. „Dieser Platz ist zumutbar“, betonte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) am Donnerstagabend im Stadtrat. Zuvor hatten Experten fast zwei Stunden lang erläutert, warum die Riederau als einzig möglicher Standort für die Luftrettungsstation in Frage komme.

Was Andreas Appelt, Geschäftsführer des Weimarer Planungsbüros Sigma Plan, und der Gutachter Dr. Peter Riedel, ausführlich darstellten, lässt sich so zusammenfassen: Von 19 untersuchten möglichen Standorten schieden bis auf den in der Riederau aus lärmschutz-, baurechtlichen-, sicherheitstechnischen- oder umweltschutzrechtlichen Gründen alle aus (der KREISBOTE berichtete). „Alle Bedürfnisse müssen beachtet werden“, betonte Ingenieur Appelt. Deshalb sei sein Team bei der Suche nach einem geeigneten Standort „sehr sehr sensibel“ vorgegangen. Der jetzt gefundene ermögliche dem Hubschrauber den geforderten flachen Flugwinkel, die Windrichtungen stimmen meistens (ein Hubschrauber muss gegen den Wind starten) und eine zweigeschossigen Luftrettungsstation kann dort durch die Sozialbau ohne weitere Probleme gebaut werden. Was aber vor allem die Bürger am meisten interessieren dürfte: Die Lärmbelästigungen der Anwohner in Ursulasried halten sich den Berechnungen von Dr. Riedel zufolge in sehr engen Grenzen. "Lieber in Durach bleiben" So geht der Lärm-Experte schlimmstenfalls von rund 1700 Flugbewegungen in jenen sechs Monaten des Jahres aus, in denen der Hubschrauber am häufigsten alarmiert wird. Für nachts kommt er auf zehn Flüge in einem halben Jahr. Als Basis für seine Prognose dienten ihm nach eigenen Angaben vom Donnerstag die Flugdaten der vergangenen elf Jahre. Demzufolge sollen weniger als zehn Prozent aller Flugbewegungen am westlichen Ursulasrieder Wohngebiet vorbeiführen – durchschnittlich weniger als ein Flug pro Tag. Dabei käme es zu einer kurzfristigen maximalen Lärmbelastung von 85 dB(A). Der Großteil der Starts gehe jedoch in Richtung Süden bzw. Nordwesten. Carsten Hermann von der Bundespolizei, Chef der Fliegerstaffel Oberschleißheim, sprach sich ebenfalls für die Riederau aus – wenn auch mit Einschränkungen. Aus Sicherheitsgründen „würden wir lieber in Durach bleiben“, so Hermann. Der Standort Riederau sei dagegen „ein Kompromiss“. „Wir ziehen trotzdem mit“, betonte der Chef der Fliegerstaffel. Voraussetzung sei, dass bei Ab- und Anflügen in bestimmte Richtungen kein Spielbetrieb auf dem Sportplatz stattfinde. „Uns geht es um einen sicheren Flugbetrieb“, betonte der Pilot. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) hob in der anschließenden Debatte die Wichtigkeit eines genehmigungsfähigen Standortes hervor. Finde man keinen, „dann haben wir hier im Allgäu ein Riesenproblem.“ Die anwesenden Bürger hinsichtlich des Lärms zu beruhigen, versuchte Stadträtin Ingrid Vornberger: „Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Es ist nicht so schlimm wie man sich das vorstellt“, sagte sie. Warum Christoph 17 nicht weiter in Durach stationiert bleiben könne, wollte hingegen Peter Wagenbrenner (CSU) wissen. Dort sei die Lärmbelastung durch den Flugplatz bereits zu hoch, erklärte Stadtdirektor Wolfgang Klaus. Daher dürfe der Rettungshubschrauber dort auch nur mit einer vorübergehenden Genehmigung starten und landen. Der bisherige Standort am Klinikum in der Robert-Weixler-Straße scheide aufgrund der im Laufe der Jahre verschärften gesetzlichen Vorgaben komplett aus. Nach dem Stadtrat muss sich nun der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) in seiner Sitzung am Dienstag, 24. Juli, mit dem Thema befassen. Der ZRF ist es auch, der beim Luftamt Südbayern die Genehmigungen einholen muss. Der Stadtrat bzw. Bauausschuss kommt erst wieder bei konkreten Bauanträgen ins Spiel.

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