"Sehr tolerante Atmosphäre"

Klaus Hackenberg arbeitet seit 25 Jahren als Sozialberater für Flüchtlinge für die Diakonie Kempten Allgäu und ist Experte in Sachen Gesetzgebung für Migranten. Fotos: moriprint

Als Klaus Hackenberg vor 25 Jahren in der Asylberatung anfing, war das für ihn „wie ein Sprung ins Kalte Wasser“ und für seinen Arbeitgeber, die Diakonie Kempten Allgäu, ebenso. Von den damals geltenden Gesetzestexten hatte er (noch) keine Ahnung. Sein Vorteil waren jedoch seine Englisch-kenntnisse. „Das erste halbe Jahr ging allein mit Fortbildungen drauf“, erinnert sich DW-Geschäftsführer Wolfgang Grieshammer, der die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre ebenso begleitet hat. Heute gilt Klaus Hackenberg mindestens für Südschwaben und im gesamt DW- Bayern als Rechtsexperte in Sachen Gesetzgebung für Migranten. Mehr als 2500 Fälle hat er inzwischen auf seinem Tisch gehabt.

„Jeder Antrag ist individuell verschieden, ebenso die Gründe, warum die Menschen ausgerechnet nach Deutschland kommen.“ Bei manchen ist es eine einzige Beratung. Der längste Fall dauerte allerdings 12 Jahre. Manchmal braucht es einen „Umweg“ – wie bei dem polnischen Altenpfleger. Hier erwirkte Hackenberg statt dem Bleiberecht die Ausreise nach Kanada. Von dort kam der Pole fünf Jahre später als kanadischer Staatsbürger zurück – und bekam eine Stelle im Altenheim Wilhelm-Löhe-Haus. „Auch fünf Jahre vorher hätten wir ihn bereits dringend in der Pflege gebraucht, aber einen polnischen Arbeiter durften wir damals aufgrund der Gesetzeslage nicht anstellen…“, berichtet Grieshammer. An viele Einzelepisoden erinnern sich Hackenberg und Grieshammer: an die Lebensmittelaktion im Kunz-Haus, die erst durch eine Tauschbörse alle gerecht werden konnte, an Razzien im Kunz-Haus, an die zusätzliche Container-Lösung an der Calgeerstraße, die bei den Anwohnern Protest auslöste oder die bisher wohl „größte Demo“ der Stadt Kempten anno 1992. Rund 2000 Leute gingen damals auf die Straße, nachdem Hitzköpfe die Unterkunft in Immenstadt angezündet hatten. „Durch das Haus International haben wir in Kempten eine sehr tolerante, positive Atmosphäre auch den Asylbewerbern gegenüber gehabt“, sieht Grieshammer rückwirkend das gute Zusammen- leben in der Stadt. In Spitzenzeiten war Klaus Hackenberg für 600 Migranten in Kempten und im Landkreis Oberallgäu zuständig, heute mit einer halben Stelle sind es immer noch 150. Ohne die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern – inzwischen gibt es Patenschaften für einzelne Familien – wäre das nicht zu schaffen. Zumal die Tendenz der Asylsuchenden wieder steigend ist: „Das richtet sich nach den Krisenherden der Welt. Derzeit kommen vermehrt Menschen aus Afghanistan, Iran, Irak, Syrien. Früher waren es Polen, Rumänen, Inder, Pakistani“, so Hackenberg. Insgesamt gab es im Bezirk Schwaben 2009 1005 Asylbewerber. Ende 2011 waren es 1563. „Das heißt, inzwischen kommen wieder vermehrt Flüchtlinge nach Deutschland.“ Das ziehe natürlich auch wieder massive Unterkunftsprobleme nach sich. Klaus Hackenbergs Fazit zu seinen 25 Jahren Arbeit in der Kemptener Migrantenberatung: „Ich habe gute Arbeit geleistet, wenn ich die Leute nicht wieder sehe! Dann weiß ich, sie sind überlebensfähig.“ Nichtsdestotrotz freut er sich über Mails und Postkarten aus aller Welt oder zufälligen Begegnungen in der Stadt Kempten. Zu erreichen ist Klaus Hackenberg im Büro in der Sammelunterkunft im Kemptener Rübezahlweg 4 unter der Telefonnummer 0831/13 871 oder per E-mail unter der Adresse asylberatung@diakonie-kempten.de.

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