"Seid zum Frieden bereit"

Männer und Frauen sitzen um einen festlich gedeckten Tisch, mit Tannenzweigen, Plätzchen, Kerzen und bunten Weihnachtskarten. Alles erinnert an eine normale Adventsfeier und doch unterscheidet sie sich wesentlich, denn sie findet im Mehrzweckraum der Kemptener Justizvollzugsanstalt statt. Zwischen den Häftlingen sitzen die Mitarbeiter der Straffälligenhife Allgäu, die den Raum geschmückt und die Veranstaltung initiiert haben. Mit dabei ist auch die Sozialarbeiterin Andrea Heydenreich, die evangelische Seelsorgerin Annegret Pfirsch und der katholische Seelsorger Richard Willburger.

Zu Beginn begrüßen die Männer ihre Mitgefangenen in allen neun Sprachen, die in der Justizvollzugsanstalt derzeit gesprochen werden. Frohe Weihnachten auf Marokkanisch, Türkisch, Russisch, Sinti und andern Sprachen, so dass sich alle angesprochen fühlen können. Viele helfen mit, um die Adventsfeier festlich zu gestalten. Die Chorgruppe, unter Willburgers Leitung spielt Lieder mit anspruchsvollen Texten zum Mitsingen. Die Arbeitsgruppe der Häftlinge, die sich jeweils dienstags trifft, wartet mit einem selbst geschriebenen Rapp auf. „Viele Menschen wissen nicht, was Weihnachten ist. Denken nur an gutes Essen und Geschenke. Dabei ist es die Geburt Jesu Christ“, singen sie und ernten viel Beifall. „Nun gebt euch die Hände und seid zum Frieden bereit“, fordern sie zum Abschluss auf und machen es gleich vor. Es ist zu spüren, dass den Männern die Feier wichtig ist. Sie vermissen, wie einige erzählen, ihre Familien, den Tannenbaum, der geschmückt werden soll, das gemeinsame Essen und die Gespräche mit ihren Angehörigen. „Hier ist ein Tag wieder andere“, erklärt einer. „Deshalb ist das hier so schön.“ Die Donnerstagsgruppe spielt ein kurzes Stück. Gold, Weihrauch und Möhren heißt es. Und die Männer übersetzen den Inhalt gleich ins Leben der Häftlinge. Wir sollen abgeben, was wir übrig haben, Zeit, miteinander kochen,oder zuhören. Jesus nimmt all unsere Geschenke an, auch die dunklen, worunter wir leiden. Die Spieler sind erleichtert, dass alles so gut geklappt hat. Stolz setzen sie sich und genießen noch ein Glas Früchtepunsch, während die russische Mittwochsgruppe ein Lied singt, in dem Gott dafür gelobt wird, dass er in allen Situationen da ist. Ein Solorapp fügt sich nahtlos an und erhält ebenfalls viel Applaus. Zufrieden verlassen die Gefangenen anschließend den Mehrzweckraum. Sie sind dankbar für das, was ihnen Ehren- und Hauptamtliche eben erst angeboten haben und auch für die vielen Gespräche, die sie mit ihren Tischnachbarn geführt haben. „Da wird es wenigstens ein bisschen Weihnacht“, freuen sie sich.

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