Seifenkisten nach Maß

„So wie der Wagen vom A-Team, schwarz mit einem roten Streifen“, soll sein Renngefährt aussehen, wenn es fertig ist, meint der zehnjährige Alexander. Ganz so rasant wie das Auto aus der Fernsehserie wird es wahrscheinlich nicht unterwegs sein, denn es ist eine Seifenkiste, die er und Papa Arnulf zusammen mit zwei weiteren Familien-Teams derzeit im Kempodium bauen. Am 19. Juli wollen sie bei der Allgäuer Seifenkistenmeisterschaft im Thingers teilnehmen.

Bevor die Seifenkiste fertig zum Lackieren ist, gibt es noch eine Menge zu tun. „Ungefähr 25 Arbeitsstunden haben wir bis jetzt investiert“, erklärt Arnulf Deinzer. Die Stromlinienform ist bereits deutlich erkennbar, es fehlen noch die Lenkung, die Decke und die Räder. Die Bremse ist auch schon eingebaut, sie besteht nur aus einem hölzernen Hebel zwischen den Beinen des Piloten. Zieht man ihn an, fährt sich das andere Ende unter der Kiste aus und schleift am Boden. „Schau Papa, da hast du geschlampt“, merkt Alexander kritisch an. Die Verkleidung am Heck wellt sich leicht. „Jaja“, meint Arnulf Deinzer. Er beschäftigt sich für gewöhnlich mit deutlich anspruchsvollerer Technik. „Prof. Dr. rer. nat.“ steht vor seinem Namen auf der Visitenkarte, „Dekan, Fakultät Elektrotechnik und Informatik“ darunter. Deinzer ist Professor an der Kemptener Hochschule, ebenso wie Frank Niemeier, der mit seinem neunjährigen Sohn Philipp auch an einer Seifenkiste bastelt. Sie sind bereits etwas weiter, haben schon die Drähte installiert, die von der Vorderachse zur Lenkradstange führen. Kleine Luftdruckreifen aus dem Baumarkt hat Niemeier dabei. „Da kommt auch der Ehrgeiz durch“, meint sein Kollege Deinzer. Seine Reifen, bemängelt er, haben keine Lager, nur eine Laufbuchse aus Kunststoff, auch die Achsenstücke seien nicht ganz gerade. Ein bisschen Tuning muss also noch sein, wenn die Kiste beim Rennen im Thingers auch gut laufen soll. Fachkundige Hilfe Gerade im Hinblick auf dieses Ereignis ist die Idee für den Seifenkisten-Baukurs entstanden, erklärt Karina Rauch vom Kempodium. Der Schreinerei-Fachberater Michael Tobies steht den Hobby-Konstrukteuren beratend zu Seite, ist er mal nicht da, springt Schreinermeister Mario Strobel ein. Der ist froh, dass sich Kinder auch mal handwerklich betätigen. Die meisten seien ja geübter mit den Fingern, meint er schmunzelnd und imitiert das SMS-Getippe auf einem Handy. Gerade Daniela Kramer, die mit ihrem Sohn Dennis als Team Nummer drei an einer Rennkiste baut, ist froh um die Hilfestellung. Der 14-Jährige bohrt unter fachmännischer Anleitung die Löcher für die Lenkdrähte selbst ins Gehäuse, das Arbeiten mit Holz macht ihm Spaß. „Am coolsten war die Arbeit mit der Kreissäge“, meint er. Wenn seine Seifenkiste fertig ist, soll eine 23 darauf erstrahlen, sein Geburtstag im Juni. Die Ziffer 111 in schwarz soll den Niemeierschen Flitzer zieren, rot wie ein Ferrari soll nach dem Willen von Philipp der Untergrund werden. Zuerst kommt ein Füllack drauf, dann wird noch einmal geschliffen, abschließend die Farbe aufgesprüht. „Das ist dann fast wie ein Autolack“, erklärt Papa Frank.

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