Über Probleme nach einem Verlust sprechen

Der richtige Platz

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Engagieren sich für Trauernde: Rita Schweinberg (v.l.), Annemarie Marschall und Maria Rota. Auf unserem Bild fehlt Marianne Höcherl.

Kempten – „Wer keinen Ort findet, über seine Trauer zu sprechen, wer sich schwer tut, zu einem erfüllten eigenen Leben zurück zu finden, der ist bei uns am richtigen Platz“, erklärt Pfarrhelferin Rita Schweinberg aus der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Kempten.

Vor fünf Jahren gründete sie, zusammen mit der Hospizhelferin Annemarie Marschall den Trauergesprächskreis. Ein Jahr später kam noch das überkonfessionelle und internationale Trauercafé in der guten Stube im Oberösch dazu. Auch dort kann in einem geschützten Rahmen über Probleme und Gefühle nach dem Tod eines nahen Angehörigen gesprochen werden.

Heute werden die derzeit zehn bis 20 Mitglieder des Trauergesprächskreises von Schweinberg, Marschall, Rechtspflegerin Marianne Höcherl und Pfarrgemeinderatsmitglied Maria Rota betreut.

Ganz wichtig ist es, so ihre Erfahrung, zuzuhören, der Trauer Raum zu geben. „Draußen hören die Hinterbliebenen oft: Das ist doch schon so lange her. Die Trauer muss doch jetzt überwunden sein“, erzählt Marschall. „Für eher unbeteiligte Personen wird der Todesfall mit der Beerdigung abgeschlossen. Für den Lebenspartner und enge Angehörige beginnt dann jedoch erst die eigentliche Trauerarbeit“, so Marschall weiter.

Das Hilfsprogramm für Hinterbliebene ist breit gefächert. Einmal jährlich werden Neuverwitwete besucht. Eine Idee des Hospizvereins wurde aufgegriffen und zweimal jährlich ein sogenanntes Trauergehen angeboten. „Beim Laufen“, weiß Schweinberg, „kommen die Gedanken leichter in Fluss und damit auch das Gespräch.“

In Bewegung bleiben, sei insgesamt wichtig, ist sich auch Marschall sicher. „Wir besuchen gemeinsam den Friedhof, laden aber auch zu kulturellen Veranstaltungen ein. Zusammen mit der Rheumaliga sind wir schon zum Baden gefahren. Alles, was aus der Isolation führt, ist gut.“

Der Hoffnung Raum geben

Ernster geht es beim jährlichen Wortgottesdienst zu, bei dem die Erfahrungen der Trauernden eingebracht und ihrer religiösen Hoffnung Raum gegeben wird. Der Teilnehmerkreis verändert sich immer wieder, denn es soll stets Platz für Betroffene sein. „Irgendwann“, freut sich Annemarie Marschall, „kann sich der Trauernde dann auch wieder selber helfen.“

Ehrenamtlicher Dienst

Der Dienst der Begleiter ist, außer bei Pfarrhelferin Rita Schweinberg, die auch den Kontakt zur Pfarrei herstellt, ehrenamtlich. Die Mitarbeiter wollen sich dem gesellschaftlichen Trend, dem Thema Tod und Trauer aus dem Weg zu gehen, nicht anschließen. Sie alle haben stattdessen eine Ausbildung zum Thema Trauer gemacht, um ihr Hintergrundwissen über menschliche Trauerprozesse zu vertiefen und auch angemessen reagieren zu können. „Wir freuen uns über jeden, der bei uns ein wenig zur Ruhe kommt und Trost findet“, begründen sie ihre Motivation.

Eva Dörr-Schratt

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