XXXLutz und Gewerkschaften streiten sich schon vor Baubeginn

Wer tanzt nach wessen Pfeife?

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Plattmacher: Seit Mittwochmorgen wird am Haslacher Berg gearbeitet. Bagger werden zunächst eine Baugrube für das Möbelhaus ausheben.

Kempten – Noch bevor am Mittwoch der erste Bagger der vom Tieflader rollte um mit den Bauarbeiten für das Möbelhaus zu beginnen, hat XXXLutz schon Ärger mit den Gewerkschaften: In einem Schreiben wirft ver.di der Firma vor, die Rechte von Mitarbeitern zu ignorieren. Der Möbelgigant reagiert gereizt.

„Die Verletzung der Rechte von Betriebsräten, fehlende Tarifbindung und wenig respektvoller, wertschätzender Um- gang mit Beschäftigten sind bei XXXLutz Alltag und alles, was einen vernünftigen Umgang mit Beschäftigten ausmacht, ist bei XXXLutz – freundlich formuliert – deutlich unterentwickelt“, wird ver.di-Geschäfts- führer Werner Röll zitiert. Röll bezieht sich dabei vor allem auf die Schließung der XXXLutz-Filiale auf der Münchner Theresienhöhe, wo 160 Mitarbeiter von dem plötzlichen Aus Ende des vergangenen Jahres überrascht worden seien – laut ver.di ohne Weiterbeschäftigungsanspruch und ohne Abfindung. 

XXXLutz reagiert scharf auf die Vorwürfe. Die Gewerkschaft versuche offenbar, sich als Arbeitsplatzverhinderer im Allgäu zu profilieren, so Helmuth Götz, Sprecher der Geschäftsleitung der XXXL Unternehmensgruppe in Deutschland, gegenüber dem Kreisboten. „Ver.di scheint die Arbeitsplätze nicht zu wollen“, sagt Götz weiter, und versuche, „eine der größten Investitionen in der Region in den kommenden Jahren totzureden.“ 

Die ver.di- Vorwürfe hinsichtlich des Standortes Theresienhöhe seien falsch. Die Mitarbeiter seien monatelang bei voller Fortzahlung der Löhne freigestellt worden, bis es zur Kündigung kam, betont er. Verhandlungen über eine Abfindung seien nicht am Möbelgiganten, sondern „an der ungeschickten bzw. feindseligen Vorgangsweise der Gewerkschaft“ gescheitert. „Anstatt den Menschen zu helfen, droht XXXLutz den Gekündigten sogar mit strafrechtlichen Konsequenzen, falls sich diese für Ihre Interessen öffentlich einsetzen!“ widerspricht ver.di-Geschäftsführer Röll. 

Gegen Arbeitsplätze? 

Für XXXLutz-Chef Götz stellt sich wiederum die Frage, „ob Betriebsansiedlungen in Zukunft danach beurteilt werden, ob ansiedlungswillige Investoren als 'genug gewerkschaftsfreundlich' eingestuft werden.“ Es gehe ver.di in Kempten offenbar nicht um neue Arbeitsplätze, „sondern darum, dass Firmen nach der Pfeife von Gewerkschaftsfunktionären tanzen“, kritisiert er. „Die XXXL Unternehmensgruppe ist an allen Standorten ein gern gesehener Arbeitgeber“, so der Sprecher der Geschäftsleitung. Die Löhne seien höher als in vergleichbaren Tarifverträgen. 

Ver.di beeindruckt das jedoch offenbar wenig. Gemeinsam mit dem DGB Allgäu fordert die Gewerkschaft die Kommunalpolitik auf, künftig bei der Ansiedlung von Firmen auch die Qualität der neuen Arbeitsplätze und die Nachhaltigkeit der Ansiedlung zu berücksichtigen. „Sich für faire Arbeits- und Lebensbedingungen stark zu machen, ist somit eine elementare Verpflichtung für politische Mandatsträger.“ Wie mehrfach berichtet will XXXLutz am Haslacher Berg ein Vollsortiment-Möbelhaus mit rund 28000 Quadratmetern Verkaufsfläche bauen. Nach eigenen Angaben investiert das Unternehmen rund 40 Millionen Euro in den Standort Kempten. Eröffnung soll im Sommer 2015 sein.

Matthias Matz

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