Selbstbewusstsein gestärkt

Lisa Klaver in ihrem Appartement mit ihrem Kater „Baghira“. Fotos: privat

Vor einem Jahr war Lisa Klaver aus Durach eine der ersten, die in das neu erbaute Dr. Peter-Landwehr-Haus der Körperbehinderte Allgäu an der Gerhart- Hauptmann-Straße Nr. 7 einzog. Schüchtern war die heute 22-jährige Autistin damals und sie erinnert sich: „Anfangs hatte ich viel Heimweh.“ Ihren Appartement-Nachbarn Artjom Wein- bender (Kempten) kennt sie seit der gemeinsamen Schulzeit in der Astrid-Lindgren-Schule. Untertags arbeiten beide übrigens in den Allgäuer Werkstätten, Lisa in der Wäscherei und Artjom in der Montagegruppe in Steufzgen.

Die unterschiedlichen Wohnformen im Dr. Peter-Landwehr-Haus kombinieren Wohn- gruppen und Appartements unter einem Dach nach dem Motto: „Wohnen wie andere“. Beim Tag der offenen Tür nannte es Bezirkstagsvizepräsident und 1. Bürgermeister von Markt Rettenbach Alfons Weber ein „Haus mit Zukunft, eine Schutzhülle“, in dem Menschen mit Behinderungen personenorientiert und bedarfs- gerecht betreut werden. Schon jetzt nach dem ersten Wohnjahr ist den insgesamt 14 Bewohnerinnen und Bewohnern anzuspüren, dass die Abnabelung vom Elternhaus, das Leben in der WG oder das selbständige Wohnen das Selbstbewusstsein der jungen Menschen mit Handicap verstärkt hat. In den ersten Monaten saß die schüchterne, in sich gekehrte Lisa stets mit am Gemeinschaftstisch. Inzwischen hat sie sich „abgemeldet“: „Ich möchte selbst kochen, hab von meinem Vater bereits einige Rezepte ausprobiert“, erzählt sie zugänglich. Die hübsche junge Frau hat sich zum Wohnen Gesellschaft gesucht: „Vorsicht: mein Revier“ steht an der Tür und verweist auf ihren Kater „Baghira“. Abends mit ihm kuscheln, ihn streicheln ist eine ihrer liebsten Freizeitbeschäftigungen neben dem Therapiereiten – und dem Bauchtanzen. Sogar Auftritte traut sich die Autistin zu. Außerdem geht sie hin und wieder schwimmen – und beteiligt sich an den gemeinsamen Freizeitaktivitäten. DJ im Jugendzentrum Artjom (gebürtig aus Kasachstan) wäre im stationär unter- und im ambulanten Wohnen überfordert. Der 23-Jährige mit einem körperlichen und sprachlichen Handicap ist ein absoluter Technik-Freak – und das, obwohl er beim Einzug so gut wie nicht lesen konnte. So allmählich klappt das aber mit einfachen Worten – und dieses kleine „Manko“ hält ihn auch nicht davon ab, freitags als „DJ“ im Jugendzentrum zu arbeiten. 2009 absolvierte er dazu eine DJ Schule. Mit der Gemeinschaft pflegt er die Essenszeiten, allein frühstücken mag er nicht. Daneben ist das integrierte Appartement „sein Ding“: Flink bedient er seinen PC, geschickt sucht er ein Laufprogramm in seinem I-Pod und über das digitale und analoge Fernsehen weiß er auch Bescheid. Sein neuestes Ziel ist: So lesen zu können, damit er mit dem PC auch ins Internet darf… Weihnachten wird mit den Eltern gefeiert, doch das Zuhause ist inzwischen das Peter-Landwehr-Haus. Lisa verrät: „Ich hab schon lang einen kleinen Weihnachtsbaum in meinem Appartement.“

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