Die 18-jährige Selina Kettner hilft ein Jahr lang in einem Mädcheninternat in der Elfenbeinküste

Eintauchen in den "Schwarzen Kontinent"

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Selina Kettner geht für ein Jahr in die Elfenbeinküste und hilft dort in einem Mädcheninternat in der Stadt Duékoué.

Kempten – Bisher sah das Leben von Selina Kettner aus wie das von vielen anderen: Schule, den Hobbys (Klavier, Karate) nachgehen und Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Doch das wird sich schon in Kürze ändern. Die 18-jährige Kemptenerin, die im Juni ihr Abitur am Carl-von-Linde-Gymnasium gemacht hat, fliegt am 1. September in die Elfenbeinküste, um dort in einem Mädcheninternat ein Jahr lang einen entwicklungspolitischen weltwärts-Freiwilligendienst zu leisten.

Schon vor circa zwei Jahren habe sie entschieden, dass sie nach dem Abitur ins Ausland gehen will, erzählt Selina Kettner im Gespräch mit dem Kreisboten. „Ich fand, dass ein Freiwilligendienst am besten zu mir passt, deshalb habe ich mich in diese Richtung erkundigt.“ Da sie französische Wurzeln hat (ihre Oma ist Französin) und sie die französische Sprache sehr mag, war schnell entschieden, dass es ein französisch-sprachiges Land werden sollte. „Afrika hat mich interessiert“.

Bei „Don Bosco Volunteers“, Träger verschiedenster Jugendfreiwilligendienste bei den Salesianern Don Boscos der Deutschen Provinz, hat sie sich schließlich beworben und wurde im November 2014 zu einem Bewerberwochenende nach Benediktbeuern eingeladen. „Nach einer Woche stand schon fest, dass ich nach Afrika geschickt werde, wohin genau wusste ich noch nicht.“

Beim ersten von drei Vorbereitungsseminaren erfuhr die Kemptenerin, dass sie in die Elfenbeinküste gehen und dort im Mädcheninternat Foyer Marie Auxiliatrice (FMA) helfen wird. Eine weitere junge Bayerin wird ebenfalls dort arbeiten. Um die jungen Leute auf ihr Auslandsjahr vorzubereiten, fanden seit November drei Vorbereitungsseminare statt. Neben interkulturellem Lernen, Selbstreflexion und vielen Spielen gab es dort viele Informationen und Organisatorisches. „Es waren jedes Mal auch ehemalige Volontäre dabei, die über ihre Erfahrungen im Ausland erzählt haben und ganz viele Tipps geben konnten“, erzählt Kettner.

Ebenfalls zur Vorbereitung absolvierte die 18-Jährige Ende Juli ein zweiwöchiges Praktikum in einer salesianischen Einrichtung in Benediktbeuern. Dort hat sie bei Orientierungstagen von Schulklassen hospitiert und bei der Organisation eines Festes anlässlich 200 Jahre Don Bosco geholfen.

Mit diesen ganzen Vorbereitungen im Gepäck wird sie nun in wenigen Tagen, am 1. September, in Frankfurt in den Flieger steigen. „Ich realisiere es noch gar nicht so richtig, dass es schon in eineinhalb Wochen losgeht, aber ich freue mich auf jeden Fall, es wird bestimmt cool.“ Über Äthiopien wird sie in die Elfenbeinküste reisen. Nach insgesamt rund 14 Stunden Flug kommt sie in der größten Stadt des Landes, Abidjan, an, wo sie zwei Tage bleiben wird. Dort muss das Visum verlängert werden. Danach geht es weiter in den Westen des Landes, nach Duékoué. In der 75.000 Einwohner-Stadt ist das Mädcheninternat, in dem Selina Kettner für ein Jahr leben und arbeiten wird.

Nachhilfe geben 

Die rund 55 Mädchen, die dort untergebracht sind, sind zwischen zehn und 20 Jahre alt und kommen dort hin, weil ihr Schulweg sonst zu lang wäre. Auf dem Gelände ist auch ein Ausbildungszentrum untergebracht, in dem die Mädchen Ausbildungen zum Beispiel zur Schneiderin oder Konditorin machen können. „Meine Aufgabe ist es, die Mädchen tagsüber, wenn sie keine Schule haben, zu betreuen. Ich werde Nachhilfe und Alphabetisierungsunterricht geben und mit ihnen Spiele machen.“ Eventuell kann die 18-Jährige, die seit neun Jahren im 1. Kemptener Karate Dojo im TV Kempten trainiert, auch Karatetraining geben. „Ich freue mich auf die Arbeit mit den Mädchen“, sagt Kettner. Im Nachhilfe geben hat sie schon seit drei Jahren Erfahrung und seit gut eineinhalb Jahren hat sie im Verein regelmäßig Training gegeben bzw. Trainer unterstützt.

Der weltwärts-Freiwilligendienst wird zu 75 Prozent vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert, den Rest übernimmt die Organisation „Don Bosco Volunteers“. Nach Möglichkeit sollen die Freiwilligen wie Selina Kettner einen Spenderkreis aufbauen. Kommt genügend Geld zusammen, kann es die 18-Jährige vor Ort einsetzen. Zum Beispiel könnte der Bau eines Spielplatzes unterstützt oder die Ausbildung eines Mädchens finanziert werden. Spenden können an DON BOSCO MISSION, Liga Bank München, IBAN: DE66 7509 0300 0102 1418 76, BIC: GENODEF1M05, Verwendungszweck: Kettner Selina R5115 48 überwiesen werden.

Über ihre Erfahrungen in Afrika wird Selina Kettner ungefähr alle vier Wochen im Kreisboten berichten. Auch im Internet hat sie einen Blog eingerichtet. Unter http://www. blogs.strassenkinder.de/selinainderelfenbeinkueste können Interessierte nachlesen, was die 18-Jährige erlebt.

Melanie Weidle

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