Die Schlichtlings feiern 65 Jahre Ehe

Eisern zusammen

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„Kleiner, aber elitärer Kreis”: Bürgermeister Josef Mayr (hinten) gratuliert Maria und Alfred Schlichtling am Mittwoch zu ihrer Eisernen Hochzeit.

Kempten – „Nur ein ganz kleiner elitärer Kreis in unserer Stadt kann das feiern“, beglückwünschte Bürgermeister Josef Mayr (CSU) am Mittwoch das Ehepaar Alfred und Maria Schlichtling, das nun zu diesem Kreis gehört.

Zum Kreis derjenigen, die seit 65 Jahren verheiratet sind und Eiserne Hochzeit feiern dürfen. Bei den Schlichtlings war es jetzt so weit. Fünf Jahre nach ihrer Diamantenen Hochzeit erhielt das Ehepaar in seiner Wohnung im Bachstelzenweg erneut Besuch von Mayr. Dieser überbrachte neben den Grüßen und Geschenken der Stadt auch ein Glückwunschschreiben und ein Präsent des Ministerpräsidenten. Einen Brief des Bundespräsidenten hatten die Jubilare direkt aus Berlin bekommen. „Eine reine Kemptener Hochzeit – das ist selten“, so Mayr, der sich mit den beiden freute: „Eiserne Hochzeit bei eiserner Gesundheit.“ Tatsächlich geht es beidem dem Alter entsprechend gut. „Man muss zufrieden sein, wie es ist“, so Maria Schlichtling. Beide, Eltern eines Sohns und einer Tochter, freuen sich über ihr Enkel- und ihre zwei Urenkelkinder und wünschen sich für die Zukunft weiterhin Gesundheit und Gottes Segen. Kennen gelernt haben sich der 86 Jahre alte Alfred und die 89-Jährige bei der Arbeit in der damaligen Möbelfabrik Heidecker am Freudenberg. Er war dort Schreiner-Lehrling, sie sein „Handlanger“. 

"Hamstern" für das Fest 

Doch bevor die Hochzeitsglocken läuteten, musste Alfred Schlichtling als junger Bursche in den Krieg ziehen, der für ihn erst am 20. September 1945 mit der Entlassung aus der Gefangenschaft endete. Die Hochzeit fand an einem Sonntag im Juni 1948 in der Lorenz-Basilika statt. Maria hatte allerdings bis zum Schluss ihre Zweifel, ob das Fest stattfindet, denn Alfred musste zunächst im Umland das Essen „hamstern“ – letztlich erfolgreich, selbst Fleisch konnte er beschaffen. Das Hochzeitsfoto bezahlten sie mit einem silbernen Löffel, der Ring wurde ebenfalls in Naturalien bezahlt. Bis zur Schließung der Möbelfabrik Heidecker 1966 arbeitete Alfred dort. Er war der letzte Mitarbeiter, der ging. „Der letzte Mohikaner“, sagte er am vergangenen Mittwoch. Für 17 Jahre arbeitete er schließlich bei der Firma Eisele, anschließend noch zwei Jahre bei der Schreinerei Kappeler, ehe er in den Ruhestand ging.

Matthias Matz

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