»In einem Hilde vor unserer Zeit – eine Kemptener Schulgeschichte« 

P-Seminar macht (Stadt-) Museum 

Aufrecht und beengt in einer alten Schulbank sitzt Armin Heigl, Lehrer am „Hilde“ und Leiter des P-Seminars, das die Ausstellung erarbeitet hat, während es sich Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn lieber in einer moderneren Variante bequem macht.
+
Aufrecht und beengt in einer alten Schulbank sitzt Armin Heigl, Lehrer am „Hilde“ und Leiter des P-Seminars, das die Ausstellung erarbeitet hat, während es sich Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn lieber in einer moderneren Variante bequem macht.
  • VonChristine Tröger
    schließen

Kempten – Zwar waren die Hauptakteure „leider schon in alle Welt verstreut“, wie Armin Heigl, Lehrer am Hildegardis-Gymnasium, die zwölf Schülerinnen und Schüler seines P-Seminars entschuldigte. Die nun endlich mögliche offizielle Eröffnung der von ihnen erarbeiteten Sonderausstellung im Kempten Museum „In einem Hilde vor unserer Zeit – eine Kemptener Schulgeschichte“ fand dennoch vergangene Woche statt. Bis zum 5. September gibt sie Einblicke in die knapp 150-jährige wechselvolle Geschichte des „Hilde“. 2018 war die Ausstellung bereits im AÜW zu sehen gewesen. An die jetzigen Räumlichkeiten wurde sie von der freien Kuratorin Carolin Keim angepasst. 

War der Platz der Frau Ende des 19. Jahrhunderts zwar noch am Herd, war der beginnende Wandel schon nicht mehr aufzuhalten und auch einflussreiche Kemptener Bürger wollten, dass aus ihren Töchter einmal „etwas werden soll“, umriss Heigl die Anfänge der 1874 als „Städtische höhere Töchterschule“ gegründeten Vorgänger-Lehranstalt. Es folgten ein Umzug ins Neubronner Haus – das Ausstellungsplakat zeigt eine Gruppe von Schülerinnen der 5. Klasse (heute 9. Klasse) in ihren Sonntagskleidern davor – und aufgrund wachsender Schülerinnenzahlen weiter ins Lyzeum am Königsplatz. Seit 1961 schließlich gibt es das Hildegardis-Gymnasium in dessen Lehrplan das traditionelle Frauenbild nach wie vor seinen Niederschlag fand. Seit 1971 sind auch Jungen als Schüler zugelassen.

Was Heigl besonders begeisterte, war, „zu sehen, was in einer Stadt möglich ist, wenn Schüler ernst genommen werden“. So sei zu Beginn des P-Seminars Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn an die Schule gekommen, um zu zeigen, „wie man Museum macht“.

Denn wie Heigl gestand, habe er angesichts der recht „heterogenen Gruppe“, von der doch einige Teilnehmer das P-Seminar als zweite oder gar dritte Wahl angegeben hätten, Bedenken gehabt, „was man tut“, um gerade auf die benötigte Punktzahl zu kommen. Aber schnell „haben alle Feuer gefangen“. Eine Schülerin habe sich z.B. besonders für Mode interessiert, anhand derer sie den „Zeitgeist an der Schule“ erforscht; ein Schüler sei wiederum „frech ins Bauamt marschiert“, um die Baugeschichte des Schulgebäudes zu erkunden. Das sei eine Möglichkeit sich bewusst zu werden, dass sich Dinge verändern und dabei manchmal auch verschwinden. Vor allem mit Stadtarchivar Dr. Franz-Rasso Böck seien die Schüler „immer tiefer“ in die Themen vorgedrungen. Und auch mit der Werbegrafikerin Vera Traut, habe man „praktisch täglich Kontakt“ gehabt. „Die Vorstellungen waren am Anfang wie eine Wolke, die man erst- mal kanalisieren musste“, erinnerte sie sich.

Bei ihren Recherchen seien die Schüler des P-Seminars laut Heigl „sehr schnell auf Zeitzeugen gestoßen“, von denen sie viele Anekdoten erzählt und alte Fotos zu sehen bekommen hätten. Die geführten Videointerviews ergänzen nun zahlreiche historische wie aktuelle Fotos und Texte im Bürgerinnen- und Bürgersaal des Kemptener Stadtmuseums.

Eine eigene Rubrik in der Schulgeschichte ist der NS-Zeit gewidmet.

Eine eigenen Rubrik ist der Zeit des Nationalsozialismus gewidmet, der natürlich auch am damaligen „Mädchenlyzeum“ nicht spurlos vorübergegangen war. Unter anderem erzählen darüber drei Zeitzeuginnen, die die Schule in den 1930er Jahren besucht hatten: Die 1922 geborene Emmi Fischl, eine der wenigen jüdischen Schülerinnen, die in die USA ausgewandert ist und Heigl zufolge heute „quietschvergnügt“ in einem Altersheim in Florida lebt; Gertrud Diehl, Jahrgang 1926 und Annelies Helmer, Jahrgang 1922.

„Frauen haben durch das ‚Hilde’ wirklich Chancen bekommen, etwas zu werden“, schloss Heigl.

„Wahre Schätze“ hat Markus Wenninger, Rektor des „Hilde“, in der Ausstellung ausgemacht, u.a. ein Foto von der erst halb gebauten Schule, hinter der „die Stadt eigentlich aufgehört hat“.

Als nächste Ausstellung kündigte Müller Horn „Fortkommen – Heimkehren“ an, in der es um die Abi-Klasse des Jahres 1991 gehen wird. „Wer auf mich zukommt, darf mitmachen“, erklärt sie, dass es schon wieder eine „Hilde“-Ausstellung sein wird.

Lesen Sie auch: Zehnte Grundschule liegt im Zeitplan

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rechtsaufsichtsbehörde prüft Beschuldigungen gegen die Gemeinde Haldenwang
Kempten
Rechtsaufsichtsbehörde prüft Beschuldigungen gegen die Gemeinde Haldenwang
Rechtsaufsichtsbehörde prüft Beschuldigungen gegen die Gemeinde Haldenwang
Ein Garten für alle in Kemptens Osten
Kempten
Ein Garten für alle in Kemptens Osten
Ein Garten für alle in Kemptens Osten
Geplante Mehrfamilienhäuser in der Parkstraße beschäftigen Gestaltungsbeirat weiterhin
Kempten
Geplante Mehrfamilienhäuser in der Parkstraße beschäftigen Gestaltungsbeirat weiterhin
Geplante Mehrfamilienhäuser in der Parkstraße beschäftigen Gestaltungsbeirat weiterhin
Neue Ortsmitte in Haldenwang
Kempten
Neue Ortsmitte in Haldenwang
Neue Ortsmitte in Haldenwang

Kommentare