Selbständiges und selbstbestimmtes Wohnen

Der seniorenpolitische Beirat tagte letzte Woche im neu eröffneten Margaretha- und Josephinen-Stift

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Während eines Rundgangs durch das nach Restrukturierung neu eröffneten Margaretha- und Josephinen-Stift stellte Daniel Huck, Geschäftsführer des Stifts (re.) das neue Wohnkonzept der ehemaligen Senioren- und Altenpflegeeinrichtung den Vertreterinnen und Vertretern des Seniorenpolitischen Beirats vor.

Kempten – Wohnen trägt entscheidend zu Lebensqualität, Wohlergehen und Zufriedenheit bei, im Alter noch mehr als in jüngeren Jahren. „Daheim wohnen bleiben“, so der Titel einer Broschüre des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales, ist der Wunsch immer mehr älterer Menschen.

Auch in der Sitzung des Seniorenpolitischen Beirats letzten Donnerstag im Margaretha-Saal des Margaretha- und Josephinen-Stifts in Kempten lag der Fokus auf Wohn- und Betreuungsformen.

Mit einem Rundgang durch das nach Restrukturierung neu eröffnete Margaretha- und Josephinen-Stift startete die Tagung. Daniel Huck, Geschäftsführer des Stifts stellte das neue Wohnkonzept der ehemaligen Senioren- und Altenpflegeeinrichtung vor. Es sind Räumlichkeiten entstanden, die Wohnraum, Beratung und Begegnungsstätte für alle Generationen, unterschiedliche Kulturen und Menschen mit Behinderung unter einem Dach vereinen. Der neue Slogan „Generationen. Gemeinsam. Gestalten“ mache sichtbar, wohin die Reise gehe, so Huck. Ein Zentrum für Jung und Alt. Ein Wohnprojekt, das Individualität und Privatsphäre berücksichtige und von dem alle profitieren.

Im Stift werden 32 altersgerechte Seniorenapartments angeboten. Darüber hinaus gibt es Gruppenräume und Gemeinschaftsflächen, die für Veranstaltungen genutzt werden können. Ein Geschoss ist den Kindern vorbehalten mit einer Kindertagesstätte, einem Kindergarten und einer Kinderkrippe. Und daneben stehe auch ein Stockwerk für Menschen mit Behinderung zur Verfügung.

Dazu gibt es einen Mittagstisch für Senioren, Mittagsbetreuung für die Kinder der Fürstenschule, ambulante Pflege, Reinigungsdienste und Freizeitaktivitäten. Sie verstehen sich als Dienstleister, betonte Daniel Huck. Eine wichtige Säule des Gesamtkonzepts seien die Ehrenamtlichen. Etwa Studenten und Auszubildende, die auch in dem Gebäudekomplex wohnen. Sie arbeiten ehrenamtlich zwei bis drei Stunden pro Woche im Margaretha- und Josephinen-Stift mit, erklärte der Geschäftsführer. Ein Fachzentrum mit Beratungsangeboten zu Pflege und Demenz, behördliche Angelegenheiten, sowie Wohnberatung und Wohnraum-

anpassung ergänzen das Gesamtpaket.

Barrierefreie und -reduzierende Maßnahmen verbessern oftmals die persönliche Wohnsituation, erklärte Berthold Klein, Leiter der neu gegründeten Fachstelle für Wohnberatung und Wohnraum-

anpassung. Er rät, in guten Zeiten umzubauen und auch bei neu gebautem Wohneigentum den Blick stärker auf die Themen „Alter“ und „Behinderung“ zu richten. Bauliche Veränderungen und technische Unterstützung helfen, im Alter möglichst selbständig und lange zu Hause leben zu können, betonte Klein.

Die demographische Entwicklung zeige den Wandel hin zu einer höheren Lebenserwartung mit einer weiterhin geringen Geburtenrate und einem zunehmenden Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung, schreibt Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der Broschüre „Länger zuhause leben“. Um dem Rechnung zu tragen, sei eine Pflegebedarfsplanung notwendig, erklärte Cordula Amann, Koordinatorin des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts Kempten. Mittels einer Bedarfsermittlung soll eine Prognose zur Entwicklung der zukünftig pflegebedürftigen Menschen getroffen werden.

Anknüpfend an das Thema „Pflege“ veranschaulichte Thomas Werner, Firmeninhaber Home Instead/Cambosenior – Allgäuer Betreuungsdienste in seinem Vortrag die Chancen und Herausforderungen der ambulanten Pflege. Zudem gab er einen Einblick in sein Unternehmen, das seit 2014 in Kempten vertreten ist. Die Idee dahinter sei, dass Menschen bis ins hohe Alter, solange wie möglich zu Hause leben können. Sein Unternehmen verfolge ein ganzheitliches Konzept mit vielfältigen Leistungen, beispielsweise Hilfe bei der Grundpflege, Betreuung zu Hause und Entlastung pflegender Angehöriger. Ein Schwerpunkt ist die Demenzbetreuung. So erkranken etwa 40.000 Menschen jährlich an Demenz, erklärte Werner., der darin eine große Herausforderung für die Pflegedienste sieht. Die häusliche Pflege müsse gestärkt werden, betonte Josef Mayr, 3. Bürgermeister von Kempten. Für ihn gibt es drei Säulen: die Hauspflege, verbunden mit fachlicher und stationärer Unterstützung. Denn ohne die Pflege zu Hause funktioniere das ganze System nicht.

Dies sei auch der Ansatz von Home Instead, erklärte Werner. Seine MitarbeiterInnen nähmen sich Zeit für die Senioren, die Beziehung stehe im Vordergrund. Doch der Bedarf wachse, was die steigenden Anfragen widerspiegelten.

Eine wichtige Funktion erfüllen auch die Quartiere-Anlaufstellen für ältere Menschen. Unter der Überschrift „Gemeinschaft schaffen“, bietet die Stadt Kempten zahlreiche Möglichkeiten, aktiv am Zusammenleben teilzunehmen. So wird im Kemptener Westen in der Lindauer Straße das Quartier West im April mit einem Fest eröffnet, wie Amann ankündigte. Und auch das Quartier Nord, das im Margaretha- und Josephinen-Stift untergebracht ist, fördere soziale Kontakte und Begegnungen der Senioren mit Frühstück, Filmvorträge und Spaziergängen.

Mit einem herzlichen Dankeschön und einem Blumenstrauß für seine engagierte Mitarbeit wurde Lothar Köster, Beauftragter des Stadtrats für Senioren, Menschen mit Behinderung und Heime, der an diesem Tag seine letzte Sitzung im Seniorenpolitischen Beirat leitete, verabschiedet.

Christine Reder

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