Wahlen und Einblicke

Seniorenpolitischer Beirat nimmt seine Arbeit auf

+
Der Seniorenpolitische Beirat der Stadt Kempten tagte vergangene Woche erstmals nach der Corona-Pause wieder und erstmals im Margarethensaal des Margaretha- und Josephinen-Stifts in Kempten.

Kempten – Die Menschen werden immer älter und wünschen sich eine gute Lebensqualität und ein selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Leben in vertrauter Umgebung. Die Stadt Kempten hat ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept entwickelt, das auf die Herausforderungen des demographischen Wandels reagiert, mit dem Ziel die Stadt vorausschauend und zukunftsfähig zu gestalten. Dreimal jährlich tagt der Seniorenpolitische Beirat, der durch seine breitgefächerte Zusammensetzung die Interessen aller Seniorinnen und Senioren vertritt. Es werden Ideen und Entwicklungen vorgestellt und besprochen, so auch letzten Montag im Margarethensaal des Margaretha- und Josephinen-Stifts in Kempten mit Maske und Mindestabstand.

OB Thomas Kiechle eröffnete die erste Sitzung des Beirats nach dem coronabedingten „Lockdown“. „Der Umgang mit den älteren Menschen ist ein wichtiges Thema in der Stadtpolitik“, betonte er in seiner Begrüßung. „Es ist eine große Aufgabe, alle Bürgerinnen und Bürger im Blick zu haben und die richtigen Weichen für den demografischen Wandel zu stellen.“ Nach einer kurzen Vorstellungsrunde aller TeilnehmerInnen starteten Christine Weixler, Leiterin des Amts für Ausbildungsförderung, Senioren- und Wohnungsfragen, und Cordula Amann, Koordinatorin des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts, mit allgemeinen Informationen, Regularien und einer angepassten Geschäftsordnung. Bisher hatte OB Kiechle Kraft seines Amtes den Vorsitz des Seniorenpolitischen Beirats inne. Mit Beginn der neuen Legislaturperiode werden nun Vorsitzender und Stellvertreter demokratisch gewählt, erklärte Amann. Hausherr Daniel Huck führte die Wahl durch. Einstimmig mit jeweils einer Stimmenthaltung wurden Josef Mayr, ältestes Stadtratsmitglied, als Vorsitzender und Erna-Kathrein Groll, 3. Bürgermeisterin, als Stellvertreterin gewählt.

Neben einem umfangreichen Bildungs- und Freizeitangebot für die ältere Bevölkerung seien auch Hilfs- und Unterstützungseinrichtungen notwendig, erklärte Cordula Amann. Wohlfahrtsverbände, zahlreiche Institutionen und Organisationen, private Anbieter und die Stadt Kempten engagieren sich in der Seniorenarbeit, wie die vielfältigen Angebote im Bereich der Pflege zeigen. Im Norden und Süden, sowie im Osten und Westen der Stadt gebe es ein Quartiersmanagement mit einer Anlaufstelle für ältere Menschen, wo Informationen und auch Beratungsangebote zu finden seien. „Ein wichtiger Aspekt sind die sozialen Kontakte. Durch Veranstaltungen, wie Seniorennachmittage, Wanderungen, Spaziergänge und auch Vorträge wird das aktive Zusammenleben unterstützt“, erklärte die Koordinatorin der Stadt Kempten in ihrem Überblick. Daneben gebe es Förderprogramme des Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, wie etwa „MitMenschen Kempten“ – eine bürgerschaftliche, engagierte Nachbarschaftshilfe, so Amann. „Ein Projekt von Menschen für Menschen.“ Ältere Menschen mit Unterstützungsbedarf können Hilfe im Alltag erhalten, angefangen bei einer Begleitung zu Behörden oder Ärzten, über Hilfen im Haushalt und Garten bis hin zu der Erledigung von Einkäufen. Auch Vorlesen oder ein Cafe-Besuch werden angeboten. „Hilfesuchende zahlen für die Unterstützung einen kleinen Unkostenbeitrag von 5 Euro pro Stunde“, führte Amann aus. Daneben würden die ehrenamtlichen HelferInnen von der Stadt Kempten kostenlose und interessante Schulungen erhalten, wie beispielsweise „Humor im Alltag“ oder „Sturzprophylaxe“. Auch ein Stammtisch sei geplant. „Bisher werden 21 Hilfesuchenden von 14 HelfernInnen betreut“, so die Mitarbeiterin der Stadt.

Nach neuesten Schätzungen liegt die Anzahl von Demenzkranken in Deutschland bei 1,77 Millionen. Laut einer Prognose der Deutschen Alzheimer Gesellschaft könnte die Zahl bis 2050 auf drei Millionen ansteigen. Als demenzfreundliche Kommune gebe es in Kempten verschiedene Angebote, beispielsweise Wohngruppen für Demenzkranke und auch Veranstaltungen, wie „Spaß an Bewegung“, „Spaß an Musik“ und gemeinsame Ausflüge. Aktivitäten, die aber in den letzten Monaten aufgrund der Pandemie pausieren mussten, erklärte die Koordinatorin. Zudem biete das neu eingerichtete Beratungszentrum „Pflege und Demenz Kempten“ im umgebauten Margarethaund Josephinen-Stift fachkundige Unterstützung und Hilfe an. Sozial- und Rentenberatungen, Betreuungsangebote für Pflegende Angehörige und auch die individuelle Beratung zur altersund behindertengerechten Anpassung der Wohnung ergänzen das Gesamtpaket. Eine weitere Säule zur Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts sei die Pflegebedarfsplanung, die bisher noch nicht abgeschlossen werden konnte, so Amann. „Eines der brennendsten Probleme ist die Schaffung von Kurzzeitpflegeplätze vor Ort“, bestätigte der neue Vorsitzende Josef Mayr.

Verena Bösl, seit 1. Mai dieses Jahres Quartiersmanagerin im Stadtteil Mitte/Süd – Eich, Kempodium, gab einen Einblick in ihre Quartiersarbeit. Ein wichtiges Anliegen sei ihr die soziale Integration und Teilhabe älterer Menschen, verbunden mit dem Austausch zwischen den Generationen. „Ein Ort der Begegnung und Nahversorgung ist ein neuer, kleiner Wochenmarkt in der Eich“, erzählte Bösl. „Es war eine Herausforderung.“ Sie habe ansässige BürgerInnen gefragt, ob sie Lust hätten, einen Verkaufsstand zu führen. Es fanden sich Obst- und Gemüseverkäufer, aber auch Feinkost und Honig würden mittlerweile angeboten, so Bösl. Am 25. Juni fand der Wochenmarkt dann zum ersten Mal statt, berichtete sie stolz. „Ich war selbst vor Ort und begrüßte die Menschen mit Rosen.“ Darüber hinaus gebe es auch Gesundheits- und Präventationsangebote, wie etwa eine Laufgruppe für Menschen mit Behinderung oder Gehhilfe. „Das Thema liegt mir sehr am Herzen“, bekräftigte die Quartiersmanagerin. Auch Gemeinschaft und Integration sollen nicht zu kurz kommen. Es sei ein Brotbackofen am Kempodium geplant, um gemeinsam Brot zu backen. Zudem soll es einen generationsübergreifenden Lese-Club für Kinder geben. Sie hoffe, viele ehrenamtliche Seniorinnen und Senioren fürs Vorlesen gewinnen zu können. Und ein Café im Kempodium für Zusammentreffen, Austausch und Diskussion wünsche sie sich. „Persönliche Anliegen im Alltag sind herzlich willkommen“, betonte Bösl. „Je besser die Mundpropaganda funktioniert, umso besser wird der Zuspruch sein, auch über das Quartier hinaus“, ergänzte Josef Mayr.

Großes Interesse der Sitzungs-TeilnehmerInnen galt ebenso dem Beitrag „Alternativen zum Autofahren im Alter“. Seit Juli dieses Jahres können ältere Menschen über 65 Jahre, die auf ihr Auto verzichten wollen, freiwillig beim Bürgerservice Zulassungsstelle ihre Fahrerlaubnis zurückgeben, erklärte Cordula Amann. Auf Initiative der Stadt Kempten würden diese Freiwilligen eine kostenlose Jahreskarte „AboCard KT“ für den Bus im Stadtgebiet Kempten im mona Kundencenter bekommen.

„Eine Alternative zum Autofahren ist das Fahrradfahren“, so die Koordinatorin. Seit einiger Zeit, auch verstärkt durch die Corona-Pandemie gebe es einen regelrechten E-Bike-Boom, erklärte Josef Böck vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e.V. (ADFC) Kempten. Doch die neuen Pedelecs seien schneller und dynamischer als „analoge Fahrräder“. „Eine Rakete unter dem Hintern“, so Böck. „Außerdem sind viele Seniorinnen und Senioren schon lange nicht mehr Fahrrad gefahren.“ Hier setzt der ADFC Kempten an. In einem „Pedelec-Fahrsicherheits-Training Ü50“ werde die Verkehrssicherheit optimiert, erklärte der ADFC-Tourguide. Die wichtigsten Verkehrszeichen, Regeln für Radfahrer und auch die Analyse von Risikopunkten sollen helfen, dass sich ältere Verkehrsteilnehmer auf dem Fahrrad sicherer fühlen. Hilfreich sei auch der Anschluss an eine Radgruppe, unabhängig ob E-Bike- oder Analog-Radfahrer, ergänzte Böck. „Es geht nicht um Leistung.“

Josef Mayr beendete die Sitzung mit einem herzlichen Dankeschön für die enge Zusammenarbeit und wünschte viel Freude und Erfolg für die weiteren Vorhaben.

Christine Reder

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ticker Kempten: Datenpanne beim RKI
Corona-Ticker Kempten: Datenpanne beim RKI
Kleinvermieter protestieren: Ihre Ferienwohnungen stehen seit Monaten leer
Kleinvermieter protestieren: Ihre Ferienwohnungen stehen seit Monaten leer
Allgäuer Gastgeber kämpfen um ihr Überleben und demonstrieren
Allgäuer Gastgeber kämpfen um ihr Überleben und demonstrieren
Auch für Künstler ist die Pandemie eine Überlebensfrage
Auch für Künstler ist die Pandemie eine Überlebensfrage

Kommentare