Klimaschutz voranbringen und Impulse setzen

Serie Beauftragte des Stadtrats 2020 - 2026 Gerti Epple (Bündnis 90/Die Grünen): Beauftragte für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz

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Engagiert in Sachen Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz, wie hier vergangene Woche beim „Parking Day“: Gerti Epple.

Kempten – An der Kommunalpolitik interessiert, das sei sie schon lange gewesen, sagt Gerti Epple, die seit dieser Legislaturperiode für die Grünen im Stadtrat sitzt.

Als die beruflich Bildungsberaterin für Hauswirtschaft im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) vor sechs Jahren für den Kreistag angetreten sei, habe ihr noch die nötige Erfahrung gefehlt. Nach inzwischen vier Jahren im Kreisvorstand der Grünen sei das nun anders. Auch ihre familiäre Situation lasse sich jetzt gut mit einem kommunalpolitischen Amt vereinbaren. Nach erfolgreicher Stadtratskandidatur, und da ihre Themen immer schon „Klima- und Umweltschutz sind“ und sie zudem aus der Landwirtschaft komme, sei sie in der Fraktion gefragt worden, ob sie Beauftragte für eben diese drei Themen werden wolle. „Ich habe es als Chance gesehen, für Kempten etwas zu bewegen“, vor allem dort, wo die „letzten 15 Jahre zu wenig passiert ist“, begründet sie ihr Ja. 

„Das, was mich wirklich motiviert hat war“, dass damit der Vorsitz im Klimaschutzbeirat verbunden ist. „Klimaschutz voranbringen und Impulse setzen“, über die Diskussionen könne man die Menschen mitnehmen und auch schauen, wo man noch ansetzen sollte. Ihren Auftrag als Kommunalpolitikerin sieht Epple klar in der „Förderung des Gemeinwohls“. Dabei hält sie es für „extrem wichtig“, die Bürger und Bürgerinnen immer im Blick zu behalten. „Ich möchte Sachpolitik und einen ehrlichen Umgang der Gremiumsmitglieder, die in der Stadtpolitik arbeiten“, nennt sie mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse zwischen CSU und der Allianz ihren „großen Wunsch“, dies in einer „wertschätzenden Art“ in den nächsten sechs Jahren hinzubekommen. 

Von der Stadtverwaltung, vor allem dem Klimaschutzmanagement, sei sie mit „offenen Ohren und Armen“ aufgenommen worden. „Wir gehen in eine Richtung“, freut sie sich über die Zusammenarbeit, die „Spaß macht“. Im Gespräch ist spürbar, dass sie für alle ihre Themen brennt. Eine Priorität setzt sie auf die Fortführung der Öko-Modellregion, die zwar erfolgreich sei, aber bezüglich der finanziellen Unterstützung auf der Kippe stehe. Für sie steht außer Frage, dass das Erfolgsmodell nicht nur weitergeführt werden muss, sondern dass dies keine rein mentale Förderung sein kann, sondern finanzieller Unterstützung sowohl von der Stadt, dem Kreis wie auch dem Land Bayern. 

„Ich weiß, dass wir sonst irgendwann nur noch wertloses Industrieessen auf dem Teller haben werden“, ist Epple überzeugt davon, dass die wichtige vernetzende Arbeit der Öko-Modellregion bei den Menschen „ein Bewusstsein für regionale Lebensmittel schafft“. Klares Verbesserungspotential sieht sie im Bereich Bauen. „Kempten ist eine grüne Stadt“ im Vergleich mit anderen Kommunen, räumt sie zwar ein. Aber es gäbe auch Bereiche, die regelrechte „Betonwüsten“ seien. So ist ein erklärtes Ziel von ihr, „dass jedes Kind in seinem Wohnumfeld so viel Natur vorfindet, dass es diese auch erleben kann“. Und ein weiteres: „Wir brauchen einen oberen Grenzwert für die Klimakompensation beim Bauen“ und u.a. Fragen stellen wie, „wieviel CO2 darf ich beim Bau dieses Baugebietes verbrauchen“. Das sollte eine verbindliche Vorgabe für städtische Bauvorhaben wie für private „Häuslebauer“ sein, so ihre Forderung. Sie wisse wohl, dass meist die Kosten als Gegenargument genannt würden, „aber wir müssen uns bewusstwerden, für die Zukunft zu bauen“, sonst seien unsere Hinterlassenschaften so groß, dass sie von nachfolgenden Generationen nicht mehr zu stemmen seien. 

Auch dass das Allgäu vielleicht „noch“ zu den Klimagewinnern zähle, nütze nichts, „wenn um uns herum selbst in Bayern vieles verdorrt“. So habe sie auch im Unterricht in der Landwirtschaftsschule immer „Klimaschutz-Kochen“ auf der Agenda gehabt. Die großen Zukunftsthemen sieht Epple in der „Bodenfruchtbarkeit und Wasser für alle“. Ganz aktuell ist Epple daran, eine Baumschutzverordnung für Kempten auf den Weg zu bringen. „Wir haben heute in den Städten schon allein aus Klimaschutzgründen die Notwendigkeit Bäume zu erhalten“, betont sie. „Jeder ausgewachsene Laubbaum bindet Staub, giftige Abgase und produziert täglich den Sauerstoff für zehn Menschen.“ Zwar seien bereits einige Satzungen existent, die stadtbildprägende Bäume schützen, „aber das reicht nicht mehr“. Schließlich gehe es nicht nur um Schönheit, sondern um Kühleffekte gegen die Erhitzung der Stadt und ein Wohlfühlklima für die Menschen, stellt Epple klar. „Deshalb dürfen wir es uns nicht zu einfach machen.“ 

Christine Tröger

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