"Jeder kann mit seinen Anliegen zu mir persönlich kommen"

Serie Beauftragte des Stadtrats 2020 - 2026: Ilknur Altan (SPD): Beauftragte für Integration

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Eröffnungsrede von Ilknur Altan, Beauftragte für Integration, beim letztjährigen interkulturellen Herbst im Haus International.

Kempten – 70.746 Einwohner, davon 26.447 Menschen mit Migrationshintergrund, von denen wiederum 11.515 Ausländer sind, also keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Somit haben rund 37,4 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund.

Diese Zahlen haben die Stadt Kempten, das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung sowie das Amt für Integration im „Faktencheck Migration 2018“ veröffentlicht. Und weiter: „In Kempten leben Menschen aus insgesamt 123 verschiedenen Nationen“. Ilknur Altan, Stadtratsbeauftrage für Integration, fühle sich nicht nur für die 37,4 Prozent mit Migrationshintergrund zuständig. Im Gespräch mit dem Kreisboten erzählte sie, dass sie Ansprechpartnerin für alle Kemptener sein wolle. 

„Jeder kann mit seinen Anliegen zu mir persönlich kommen. Ich versuche mir immer Zeit zu nehmen und zu helfen. Leider klappt das aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht immer“, meinte Altan. Da sie selbst einen Migrationshintergrund habe, könne sie sich meist aus eigener Erfahrung heraus gut in die Lage der Menschen, die auf sie zukämen, hineinversetzen. Zudem können sie auf fast 18 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit im Integrationsbeirat der Stadt zurückblicken. Trotzdem habe sie sehr von der Übergabe durch ihren Vorgänger Siegfried Oberdörfer profitiert, von dem sie das Amt bereits 2018 übernommen hat. „Es braucht Zeit und Einarbeitung, um herauszufinden, welche Behörde für welches Anliegen die richtige Anlaufstelle ist. Auch das Aneignen rechtlicher Grundlagen im komplexen und sich ständig ändernden Ausländerrecht dauert. Herr Oberdörfer und das Amt für Integration haben mich hierbei sehr unterstützt“, zeigte sich die SPD-Politikerin dankbar. 

So sei aus ihrer Sicht eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den weiteren Partnern der Integrationsarbeit entstanden und auch neue Entwicklungen, wie ein kommunales Integrationskonzept für Kempten, seien gemeinsam vorangebracht worden. Momentan erreichten sie sehr viele individuelle Anfragen. „Geflüchtete kommen auf mich zu und wollen wissen, wie es mit ihrer Anerkennung oder der Arbeitserlaubnis aussieht“, so die Beauftragte, die den Menschen im Bürokratiedschungel helfen möchte und in solchen Situationen Rücksprache mit dem Ausländeramt halte. Außerdem habe sie in der aktuellen Legislaturperiode ein Verein auf das Problem der Diskriminierung, insbesondere gegenüber muslimischen Frauen mit Kopftuch, aufmerksam gemacht. „Diese Form der Diskriminierung ist in Kempten nicht übermäßig ausgeprägt, aber vorhanden, weshalb wir uns hierfür eine Lösung überlegen müssen“, betonte die Stadtratsbeauftragte und führte ein weiteres Beispiel an: „Auch bei der Wohnungssuche erhalten viele von vornherein keine Chance, weil sie keinen typisch deutschen Namen haben. Oft heißt es, dass die Wohnung noch zu haben sei, doch sobald der Name des Interessenten falle, sei die Wohnung plötzlich doch schon vergeben. Hier würde ich gerne die Vermieter in Zukunft mehr sensibilisieren“. 

Wenn der Integrationsbeirat am 23. September tage, wolle sie die Thematik aufgreifen. Allgemein sollen dann Ziele und Schwerpunkte für die kommenden Jahre diskutiert und festgelegt sowie entsprechende Arbeitsgruppen gebildet werden. Mehr Möglichkeiten der Begegnung schaffen, sei ein Punkt, der ihr besonders wichtig sei. Es gebe zwar schon viele Veranstaltungen, aber diese sprächen jeweils meist nur eine bestimmte Nationalität an. „Es gibt ja nicht nur Diskriminierung zwischen Deutschen und Migranten, sondern auch zwischen den Migrantengruppen. Gemeinsame Veranstaltungen können dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und sich untereinander besser kennenzulernen.“ Erste Gespräche über mögliche Aktionen würden bereits geführt, damit es künftig für alle einen ungezwungenen Rahmen gebe, der Begegnungen ermögliche. Es gebe aber zahlreiche weitere Themen, wie zum Beispiel Schule und Bildung, die Pflegesituation für ältere Migranten oder die gleichberechtigte Teilhabe, die für die Integrationsarbeit und das weiterhin gute Miteinander aller Bürger von Bedeutung seien. 

Altan hofft bei ihren Vorhaben auf die breite Unterstützung des Stadtrats. Aktuell sei für sie noch schwer abzuschätzen, wie offen die neuen Stadtratsmitglieder der Thematik gegenüber sind. „Dadurch, dass wir mit der Pandemie nicht mehr wie gewohnt im Rathaus Sitzungen abhalten können, fehlt leider ein wenig der Bezug zueinander. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass vielen spätestens im persönlichen Gespräch der Bedarf klar werden wird“, gibt sich die Stadträtin optimistisch. 

Dominik Baum

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