"Etwas zurückgeben"

Serie Beauftragte des Stadtrats 2020-2026: Josef Mayr (CSU): Beauftragter für Senioren

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Die Wahlperiode habe holprig begonnen, das sei unbestritten, sagt Josef Mayr, der nach 2004 – 2008 erneut als Beauftragter für Senioren für die älteren MitbürgerInnen zuständig ist. In seiner nun achten Amtszeit im Stadtrat ist er sich aber sicher, „weil es auch sein muss“, dass das Wohlergehen der Stadt wieder in den Mittelpunkt rücke. Diesen Optimismus leiste er sich, erzählt er schmunzelnd, weil er in über vierzig Jahren Stadtpolitik „einige Höhen und Tiefen“ miterlebt habe. Aber jetzt seien alle zur engen Zusammenarbeit gefordert: „Dazu rufe ich auf!“

Nach der Wahl sei bald klar gewesen, dass „trotz Corona alles bestmöglich weiter gehen müsse – mit finanziellen Einschränkungen werde man aber auch leben müssen, so Mayr. Wohl ab 2021 werden sich diese bemerkbar machen, vermutet er. Es gelte dann, „kommunalpolitisch mit einer guten Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Hauptamt“ mehr Arbeit zu bewältigen als bisher. In der letzten Wahlperiode wurde bereits ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept entwickelt, das auch für die nächsten Jahre „als wichtiger Fahrplan“ gelten wird.

Zentral geworden sei damit das Quartiersmanagement: In die Wohnbereiche der Senioren zu gehen und die Nähe zu suchen, um direkt und vor Ort Unterstützung bieten zu können. Und diese Unterstützung sieht Mayr als verdient: „Vieles, was heute selbstverständlich ist, verdanken wir der Lebensleistung unserer Seniorinnen und Senioren."

Aber eines ist auch wichtig: „Auf den Schultern der Senioren ruht aktuell ein großer Teil des Ehrenamtes“, sagt Mayr. Vieles läge brach, wenn das Engagement der Älteren wegfallen würde. „Die Senioren leisten sehr viel, deshalb müssen wir auch etwas zurückgeben, wenn sie unsere Unterstützung brauchen.“ Man müsse dann ganz genau hinschauen, wer wann welche Hilfe benötigt. Darin sieht er eine große Verantwortung. Überhaupt liege ihm das Thema Ehrenamt sehr am Herzen, sagt Mayr. Er selbst schöpfe viel Kraft aus seinem ehrenamtlichen Engagement.

Viel Kraft ist in den letzten Monaten auch nötig gewesen: Das Thema „Einsamkeit in Heimen“, das in den letzten Monaten Corona-bedingt öfter den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, habe Mayr beschäftigt. „Die Einsamkeit darf nicht zu groß werden“, sagt Mayr. Es sei eine Pflicht, die Menschen in den Heimen und im stationären Hospiz wieder intensiv zu begleiten. Gleichzeitig habe es „natürlich Einschränkungen gegeben“, um keine Infektionen in den Heimen zu riskieren. Dies sei eine schwierige Abwägung gewesen, um allen Interessen der BewohnerInnen und der Angestellten genauso wie der Verantwortung gegenüber allen Beteiligten gerecht zu werden.

„Luft nach oben“ sieht Mayr in puncto Barrierefreiheit im Wohnungsbau und -sanierung. Hier gebe es großen Bedarf an Beratung und Information. Sei es zum Beispiel durch einen Arbeits- oder einen Motorradunfall – niemand könne sagen, ob er nicht im Laufe seines Lebens plötzlich auf barrierefreien bzw. barrierearmen Wohnraum angewiesen sein werde. Dieses Thema schon beim Bauen und Sanieren zu berücksichtigen, sei ein „geringerer Aufwand“, als später etwas verändern zu müssen, wenn der Bedarf bereits eingetreten ist. Es müsse gelingen, für dieses Thema noch mehr Bewusstsein zu schaffen, damit „man in einer Wohnung lebenslang wohnen und sich wohlfühlen“ kann. Wenn das aber nicht mehr möglich ist, gibt es eine weitere Einrichtung in Kempten, der sich Mayr eng verbunden sieht. 

Als Seniorenbeauftragter, aber auch in seiner Rolle als Vorsitzender des Hospizvereins Kempten-Oberallgäu erlebt Mayr, wie wichtig die Arbeit für hospizliche Hilfe ist. „Diejenigen, die in dieser letzten Lebensphase zuhause bleiben, brauchen genauso Unterstützung wie diejenigen, die diese Möglichkeiten nicht haben.“ Deshalb sei es notwendig, KemptenerInnen sowohl ambulante, als auch stationäre Hospizarbeit anzubieten und „den Interessen der Menschen so gut es geht, entgegenzukommen“. Das gilt übrigens nicht nur für KemptenerInnen, denn das neue Hospiz sei „für große Teile des Allgäus zuständig“.

„Über 3.500 Personen haben mit Spenden und Unterstützung zum neuen Hospiz beigetragen“, erzählt Mayr stolz. Diese Zahl und auch das Engagement der 125 ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen zeigen ihm, dass sich in den letzten Jahren einiges im Bewusstsein der Menschen geändert hat und das Sterben nicht mehr so stark tabuisiert werde. „Der Tod ist bereits für viele Menschen zu einem Teil des Lebens geworden.“ Daran weiter zu arbeiten, sei auch in Zukunft wichtig.

ma

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