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Servicecenter in Stetten ist in Betrieb

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Von: Susanne Lüderitz, Oliver Sommer

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Viel fehlt nicht mehr bis zur Fertigstellung des neuen Servicecenters. XXXLutz Stetten vormals Lager Durach
Viel fehlt nicht mehr bis zur Fertigstellung des neuen Servicecenters. An den Außenanlagen muss aber noch etwas getan werden. © Oliver Sommer

Stetten/Durach – Seit knapp zwei Wochen werden XXXLutz-Kunden der Filialen Friedrichshafen und Kempten vom neuen Servicecenter in Stetten an der A96 bedient.

In gut einem Jahr Bauzeit ist hier auf einer Fläche von 6.500 Quadratmetern ein Zwischenlager für Wohn- und Kücheneinrichtungen entstanden, von wo aus Serviceteams bestellte Ware ausliefern und beim Kunden aufbauen. Ende September läuft der Mietvertrag für das bisherige Auslieferungslager in Durach bei Kempten aus, bis dahin sollen alle Mitarbeiter sowie das dort noch gelagerte Inventar ins Unterallgäu umgezogen sein.

Seit 12. September ist das 300. Servicecenter, wie der Möbelriese mit dem roten Stuhl das Lager nennt, in Stetten in Betrieb. Schon jetzt, so Volker Michels, der Leiter der Unternehmenskommunikation, seien 95 Prozent aller Produkte und des Lagers von Durach nach Stetten umgezogen worden. Michels hatte gemeinsam mit dem Servicecenter-Leiter Bernd Hofmann und Martin Kohlhepp, Gebietseiter Logistik für Süddeutschland, zum Pressegespräch nach Stetten eingeladen.

Stetten ist für das XXXLutz-Servicecenter eine strategische Entscheidung

Stetten sei eine strategische Entscheidung gewesen, so Kohlhepp. Von hier aus werde man die Kunden der Häuser in Kempten und Friedrichshafen und in Teilen auch Augsburgs bedienen. Ab hier beginne (nach der Waren­annahme) der komplette Verkehr mit dem Kunden, die gesamte Kommunikation bis hin zum Zusammenbau der Einrichtung beim Kunden vor Ort.

Dafür steht ein halbes Dutzend Lieferbuchten zur Verfügung, weitere 18 Buchten dienen den Serviceteams, die von hier starten, zur Beladung ihrer kleineren und größeren Lieferfahrzeuge, bis hin zum 7,5-Tonner, in dem eine komplette Küche oder auch das Mobiliar von zwei Kunden Platz findet.

75 neue Arbeitsplätze

Der Grundstein für die XXXLutz-Gruppe wurde vor über 75 Jahren in Österreich gelegt, wie Michels die Geschichte des Möbelhauses, dessen Deutscher Sitz in Würzburg liegt, Revue passieren lässt. Vor etwas über 30 Jahren habe man die erste deutsche Filiale eröffnet, seit 2005 ist die XXXLutz-Gruppe der zweitgrößte Möbelhändler der Welt, mit 49 Möbelhäusern allein in Deutschland und zugehörigen 30 Servicecentern; in Europa arbeiten in den 350 Einrichtungshäusern knapp 26.000 Menschen für die Gruppe, die einen Jahresumsatz von 5,3 Milliarden Euro erwirtschaftet.

In Stetten habe man 75 Arbeitsplätze geschaffen, in der Verwaltung, der Logistik, wie auch im Service, so Michels. Zum Teil sind die Mitarbeiter aus Durach mitgezogen. Und Bernd Hofmann, seit wenigen Tagen der Leiter des Servicecenters, ergänzt, dass der eine oder andere sich bewusst in Richtung Stetten oder Unterallgäu angesiedelt habe in Erwartung des Umzugs. Entsprechend motiviert sind die ersten Mitarbeiter, die bereits in den Räumen arbeiten, die gerade erst bezugsfertig geworden sind. Am einen oder andern Eck, vor allem im Außenbereich, müssen noch letzte Arbeiten vorgenommen werden, insbesondere die Gestaltung der Außenanlagen und Bepflanzung (in den ursprünglichen Plänen waren Bäume vorgesehen) fehlt noch.

Imposant reckt sich die Zisterne an der Nordwestecke empor, aus der im Falle eines Brandes das Löschwasser kommt. Wobei: Brennen kann in dem 6.500 Quadratmeter großen Lager im Prinzip nur das Mobiliar. Neben Büros für Logistik und Planung sowie für die Schulung der Mitarbeiter überspannt die Halle eine große Lagerfläche – hier warten große Rollwagen (sogenannte Corletten) darauf, die angelieferten Möbel und Teile aufzunehmen. Im Inneren der Halle gibt es kein klassisches Hochregallager, das man erwarten würde. Nur auf der Ostseite ist ein kleines Regallager zu finden, in dem derzeit vor allem Elektrogeräte für Küchen, Herde und Kühlschränke stehen.

Nachdem man aufgrund der aktuellen Situation schlecht planen könne, wann was verfügbar sei, habe man quasi auf Vorrat Produkte gekauft, erzählt Martin Kohlhepp. Ansonsten sind einige Möbelstücke aus Durach schon hier und auf den Rollwagen, die man zusammenfalten und wegstauen kann. Im Einsatz können zwei dieser Rollwagen übereinander gestapelt werden und verdoppeln somit die Lagerfläche auf 13.000 Quadratmeter. 1.700 Paletten können auf den Corletten gelagert werden – genug, um rund 100 Kunden zu beliefern.

Abgerundet wird der Bau durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, die das Gebäude mit Strom versorgt – darunter auch die energiesparende LED-Beleuchtung sowie die Akkus der Betriebsfahrräder der Mitarbeiter.

Mitarbeiter werden fürs Service-Center noch gesucht

Derzeit sei man noch immer auf der Suche nach Mitarbeitern, erklärt Hofmann, der auch Ansprechpartner für die Nachbarn ist, zu denen man ein gutes Verhältnis pflege, wie er betont. So fehlen vor allem Möbel- und Küchenmonteure, Lageristen und auch noch kaufmännische Mitarbeiter für die Tourenplanung und den Kundenservice.

Im Prinzip ist das Servicecenter die Schnittstelle zwischen dem Möbelhaus und dem Kunden. Sobald sich ein Kunde in einem der XXXLutz-Häuser etwa eine Küche ausgesucht hat, beginnt für die Mitarbeiter im Servicecenter die Arbeit. Die Bauteile müssen bestellt werden, die dann nach Stetten geliefert werden. Dort hat man neben der Aufbauanleitung dann auch eine Ladeliste erstellt, nach der die Einzelteile im LKW verstaut werden müssen.

Manchmal kommen auch noch Anhänger zum Einsatz, etwa wenn zwei Kunden relativ eng beieinander liegen. Idealerweise gehen die Teams dann auf die Straße und sind im Schnitt zwei Tage, manchmal auch drei, on Tour, ehe die neue Küche schlüsselfertig übergeben werden kann. Das Unternehmen rechnet in Stetten mit um die 20 Touren pro Woche, die das Gelände in Richtung Kunde verlassen. An Bord der LKW sind immer Fachkräfte, die nicht nur die Möbel aufbauen können, sondern auch die Wasser- und Stromanschlüsse herstellen dürfen, ausgebildet in einer der XXXLutz-Gruppe-eigenen Akademien. Azubis, die sich dafür entscheiden, bei der Möbelgruppe zu arbeiten, zahle man sogar den LKW-Führerschein, um sicherzustellen, dass die Serviceteams auch mobil sind.

Nachdem sich nun die Arbeiten dem Ende zuneigen, habe man die Gelegenheit genutzt, die Öffentlichkeit zu informieren, so Volker Michels. Nicht zuletzt die Ukraine-Krise habe dafür gesorgt, dass die Ressourcen bei den Firmen begrenzt waren und man schlecht vorhersagen habe können, wann der Umzug möglich wäre, sagt Michels. Nun aber habe man den „Chef“ vor Ort und damit auch einen Ansprechpartner für die Menschen im Industriegebiet und in Stetten.

Und Hofmann verspricht kurze Wege und ein offenes Ohr bei Problemen. „Man kennt sich schon“, sagt er und schmunzelt. Und das eine oder andere Problem habe er mit seinen Mitarbeitern versucht, so schnell wie möglich zu lösen. Wie etwa den Zulieferverkehr, der komplett über den Schleifwegacker abgewickelt werden muss. Die Lieferzüge, die das Lager beliefern, müssen über diese Straße sowohl anfahren als auch wieder abfahren, betont Kohlhepp.

Reaktion in Durach zum Umzug des Lagers von XXXLutz

Die Gemeinde Durach begrüßt den Umzug nach Stetten sehr, wie Bürgermeister Gerhard Hock wissen lässt. „Wir hatten in den letzten sieben Jahren eine Vielzahl von Problemen mit dem Weidacher XXXLutz-Standort. Jeden Wochentag lieferten riesige osteuropäische LKW Möbel an. Es gab Probleme mit Lärm, Verschmutzung, Schäden durch Rangierfahrten, Behinderungen für den Busverkehr und vieles mehr“, so Hock.

Der Abschied verlaufe nun einigermaßen versöhnlich, was aus Sicht des Duracher Bürgermeisters vor allem an einem neuen Verantwortlichen für den Standort liege. „Während wir uns in der Vergangenheit vielfach durch falsche oder geschönte Aussagen und Ankündigungen getäuscht fühlten, brachte der neue Leiter nun mit glaubwürdigen und verlässlichen Aussagen ‚frischen Wind‘”, sagt Hock. Er hofft, dass der nächste Pächter ein „besseres Gespür“ für die Nachbarschaft in Durach mitbringt.

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