Diskussion über Heizkraftwerk

Sibratshofen und Seltmans: Dorfwärme erhitzt die Gemüter

Sie möchten eine neue Wärme ins Dorf bringen: Martin Bäuml (ganz links), Ulrich Steigner (ganz rechts) und ihr Projektteam „Nahwärme Sesi“.
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Sie möchten eine neue Wärme ins Dorf bringen: Martin Bäuml (ganz links), Ulrich Steigner (ganz rechts) und ihr Projektteam „Nahwärme Sesi“.

Weitnau – Die Idee ist eigentlich bestechend gut: Öl raus, Hackschnitzel rein, weniger Kohlendioxid in die Luft blasen und Heizenergie aus heimischem Holz gewinnen.

Eigentlich. Denn die Pläne einer engagierten Bürgergruppe für die künftige Nahwärmeversorgung der beiden Weitnauer Teilorte Seltmans und Sibratshofen stoßen nicht überall auf Gegenliebe. In einer stark besuchten öffentlichen Sitzung des Marktgemeinderates sorgte das Projekt „Dorfwärme“ für ordentlich Feuer unterm Dach.

Rund einhundert Interessenten

Seit vergangenem Jahr treiben Ulrich Steigner und Martin Bäuml die Idee einer nachhaltigen Nahwärmeversorgung voran. Rund 100 BürgerInnen sind daran interessiert, davon rund 50 Häuser in Seltmans und 35 in Sibratshofen, zuzüglich Beheizung des Dorfsaals und des Feuerwehrhauses. Nach den Berechnungen der Projektgruppe könnten mit einem Hackschnitzelheizwerk 300.000 Liter Heizöl und 870 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden.

Zahlen, die die KritikerInnen des Vorhabens aber nicht beeindrucken: „Wenn die Nebel von der Argen hochsteigen, dann legt sich eine graue Feinstaubwolke über unsere Häuser“, befürchtet Gemeinderätin Manuela Müller-Gassner aus Sibratshofen. Sie wohnt auf Tuchfühlung mit dem anvisierten Standort des sogenannten Dorfwärmestadels, der, so Müller-Gassner weiter, „mit acht Metern Höhe Dimensionen hat, die mir die Füße wegziehen“.

Standort umstritten

Nach Prüfung von 25 möglichen Standorten ist nach Auskunft der Projektgruppe eine Wiese im Gebiet Steinacker an der Staatsstraße als letzte Möglichkeit übrig geblieben, sehr zum Unmut der dortigen Anwohner: „Blöder Standort, ein Schmarrn“, so eine entsprechende Aussage in der kontrovers geführten Diskussion. Trotz eines professionell gemachten Demonstrationsvideos konnten Steigner und Bäuml die Kritiker nicht beruhigen. Diese beschworen mögliche Gesundheitsgefahren bei Inversionswetterlagen, verwiesen auf die geschätzten 120 Lkws pro Jahr, die die nötigen Hackschnitzel liefern sollen, und zeigten sich vor allem verärgert über die mangelnde Transparenz der Dorfwärmeplaner. „Wir eröffnen heute die öffentliche Diskussion um das Projekt“, so Bürgermeister Florian Schmid.

Positive Erfahrungen in Wengen

Gemeinderat Herbert Socher hob die positiven Erfahrungen mit zwei kleinen Nahwärmeanlagen in Wengen hervor: „Das läuft dort seit Jahren super.“ Auch in Weitnau gibt es ein entsprechendes Heizprojekt, das bestens funktioniert. Martin Bäuml betonte die Reduzierung des Feinstaubausstoßes durch die geplante Anlage: „Damit unterbieten wir den erlaubten Wert um 30 Prozent.“ Müller-Gassner blieb bei ihrer ablehnenden Haltung und zeigte sich besorgt über eine sich abzeichnende Spaltung des Dorfes durch einen möglichen Konflikt über das vorgesehene Heizkraftwerk. Als Kompromiss wurde das „Wengener Modell“ kleinerer Anlagen ins Spiel gebracht, auch der Bau einer großen Wärmeerzeugung im Gewerbegebiet von Seltmans wurde angesprochen.

Es besteht Gesprächsbedarf

Die Projektgruppe „Dorfwärme Seltmans-Sibratshofen“ schätzt die Kosten ihres Vorschlages auf rund 2,8 Millionen Euro, davon entfallen ca. 1,15 Millionen auf den Bau des sechs Kilometer langen Leitungsnetzes. Eine Kilowattstunde der Hackschnitzelwärme könnte acht Cent kosten, so Ulrich Steigner in seinem Plädoyer für die nachhaltige regionale Wärmeerzeugung. Er rechnet mit etwa 850.000 Euro an staatlicher Förderung. Nach einer knappen Stunde Diskussion versprachen die Planer, besser zu kommunizieren und auch die Standortfrage noch einmal zu beleuchten. Bürgermeister Schmid betonte: „Wir haben Gesprächsbedarf.“

Informationen und Antworten dazu gibt es unter www.nahwaerme-sesi.de.

Lutz Bäucker

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