"Da hat sich jemand geärgert"

Bernadette Mayr (Mitte) erläutert ihren Zuhörern das frühere Leben im Beginenhaus. Foto: Kampfrath

Ungeduldig drängt eine Gruppe von 20 Leuten durch die Räume und Gänge des rund 650 Jahre alten Kemptener Hauses. Ihre Blicke wandern wissbegierig über die Wände, während sie den Worten von Bernadette Mayr lauschen. Dieses Bild bot sich dem Besucher am „Tag des offenen Denkmals“ am vergangenen Sonntag im Beginenhaus.

Freudestrahlend schreitet an diesem sonnigen Samstag Bernadette Mayr vom Förderverein Beginenhaus durch das Eingangstor des Nonnenturms in der Burghaldegasse. Sie heißt die Gäste willkommen, die an der Kinderführung teilnehmen wollen. „Mamas, Papas und die Großeltern dürfen auch mitkommen“, stellt die Allgäuerin klar. Andernfalls hätte die Gruppe aus lediglich fünf Kindern bestanden, so aber finden sich schließlich 20 Leute jeglichen Alters zusammen. Dass Trittfestigkeit und gute Augen nötig sind, merken die großen und kleinen Besucher schon beim Durchqueren des ersten Raums. Die Decken sind relativ niedrig, im gesamten Haus lauern auf dem Boden Stolperfallen wie Löcher, Kabel und morsche Bretter. Doch diese etwas widrigen Bedingungen hemmen keinesfalls den Wissensdurst der Gruppe. Bernadette Mayr bleibt in einer Kammer stehen und erklärt, dass hier einst die Hufe von Pferden beschlagen wurden. Danach führt sie die Schar in den Innenhof. „Das Beginenhaus war auch eine Pilgerherberge“, sagt die Allgäuerin. Dabei zeigt sie auf den Bau auf der linken Seite, in dem die fromme Schwesterngemeinschaft vor Jahrhunderten lebte. Mayr fragt in die Runde, wohin die Leute damals ihre Notdurft verrichtet hätten. Einige der Erwachsenen verkneifen sich leicht verschämt die Antwort. „Man nahm einen Nachttopf, den Inhalt schüttete man in die Straßenrinne. In der Zeit sind also sogar die Erwachsenen auf den Nachttopf gegangen“, verdeutlicht die Leiterin lachend. Schließlich zeigt sie einem Teil der Besucher auch noch ein Plumsklo. „Die älteren Herrschaften kennen das noch“, sagt Mayr, wobei einige beipflichtend nicken. Wertvolle Funde Dann geht es hinunter in den Keller, der hauptsächlich als Vorratsraum diente. Wenn die benachbarte Iller über ihre Ufer trat, sei auch der Keller stets unter Wasser gestanden, verdeutlicht Bernadette Mayr. „Beim Freiputzen der Steine fand man eine wertvolle Silbermünze aus Venedig. Da hat sich jemand geärgert, dass er so etwas verloren hat“, so Mayr. Zugleich habe der Fund bewiesen, dass Beginenhaus tatsächlich weit gereiste Gäste beherbergte. „Rübe einziehen“, warnt Bernadette Mayr die Gruppe beim Verlassen des niedrigen Kellergewölbes. Weiter geht es in den ersten Stock des Beginenhauses. Die Leiterin zeigt der Gruppe zwei ehemalige Wohnräume. In einem der beiden ist deutlich das nunmehr dunkle Gebälk einer Holzdecke zu erkennen. „Dieser Balken ist vom Ruß des Rauchs ganz schwarz geworden“, meint Bernadette Mayr und weist nach oben auf einen massiven Holzbalken. Im benachbarten Raum angelangt, sagt sie: „An dieser Wand hing einst das lebensgroße Plakat eines Motorradfahrers.“ Denn bis vor rund 30 Jahren sei das Beginenhaus noch bewohnt gewesen. „Was im Haus erhalten geblieben ist, das wollen wir natürlich bewahren“, betont die Leiterin im zweiten Stock des Gebäudes. Dabei verweist sie auf die erst teilweise freigelegte Wandbemalung. Nach der Besichtigung des letzten Raums schenkte Bernadette Mayr den Kindern das Beginenhaus – als Miniatur aus Holz.

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