Neue Räumlichkeiten des bfz-Kempten im Nachbargebäude der Shedhalle eingeweiht

Alte Spinnerei mit neuem Gewand

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Als eine seiner letzten Amtshandlungen bedankt sich OB Dr. Ulrich Netzer bei den Verantwortlichen für die Sanierung der Industriebrache westlich der Iller. Unser Bild zeigt OB Netzer (v.l.), Peter Göhring, Leiter Einkauf/Liegenschaften Allgäuer Überlandwerk, Werner Pfannerer, Leiter Rechnungswesen Sozialbau, Thomas Krech, Gewerbevermietung Sozialbau und Herbert Singer, Geschäftsführer Sozialbau.

Kempten – Ende des 19. Jahrhunderts ratterten sie noch laut, die Webmaschinen in der alten Shedhalle an der Iller und in einem daneben liegenden Ziegelbau, der im selben vorindustriellen Baustil des Historismus errichtet worden war, wurde das dafür nötige Garn gesponnen.

Nach einer wechselvollen Geschichte der Textilherstellung in Kempten standen aber ab dem Jahr 1992 alle Maschinen endgültig still. Die asiatische Konkurrenz produzierte derart günstig, dass ein Fortbestand des Industriekomplexes Rosenau für die Betreiber unrentabel wurde. Seitdem tut sich immer wieder etwas auf der einstigen Industriebranche, sei es, dass auf der östlichen Iller-Seite denkmalgeschützte Wohnungen, Lofts und Neubauten entstanden. 

Im vergangenen Jahr wurde erstmals im Rahmen des Städtebauprogramms „Iller erleben“ Unterholz am westlichen Ufer gelichtet. Der Meilenstein zur Aufwertung des gesamten Areals stellte aber der Neubau des Laufwasserkraftwerkes des AÜW an der Keselstraße dar. Das 2010 fertiggestellte Gebäude wird aufgrund seiner spektakulären Architektur auch als „Gletscherzunge“ oder als „gefrorene Welle“ bezeichnet.

 55 Parkplätze 

„Die Initialzündung für die rege Bautätigkeit in diesem Areal war zum einen der Bau des Wasserkraftwerkes, als auch eine grundsätzliche Belebung des Immobilienmarktes nach den Krisenjahren Ende des letzten Jahrzehntes“, so OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), der als eine seiner letzten Amtshandlungen zur Eröffnung des neuen bfz-Kempten vor Ort erschienen war. Im alten Nachbargebäude der Shedhalle wird zukünftig das bfz-Kempten (Berufliches Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft) vier Etagen mit einer Fläche von 1700 Quadratmetern anmieten. Erstmals kann das bfz-Kempten auf diese Weise ihre Ausbildungs-, Schulungs- und Werkstatträume an einem gemeinsamen Standort zusammenführen, ganz in der Nähe der Staatlichen Berufsschule und in Sichtweite des preisgekrönten Wasserkraftwerkes des AÜW. 55 Parkplätze stehen für Mitarbeiter und Auszubildende zur Verfügung. 

Beschwerlicher Weg 

Der Weg zur vollständigen Sanierung war beschwerlich, da die beiden Ziegelbauten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts denkmalgeschützt sind. „Auf einer Denkmalbaustelle kann nicht wie auf einer Neubaubaustelle geschafft werden“, rechtfertigte Sozialbau-Geschäftsführer Herbert Singer die häufigen Bauunterbrechungen und die hohen Kosten des Projektes. Im Sommer des Jahres 2012 beschloss die Sozialbau die beiden Gebäude vom AÜW zu erwerben und sie nach den Kriterien des Denkmal-, Brand- und Schallschutzes zu sanieren und einer neuen Bestimmung zu zuführen. So musste beispielsweise die alte Holzdeckenkonstruktion, auf der jahrzehntelang schwere Webstühle gestanden hatten, hydraulisch wieder in ihre alte Ursprungshöhe gedrückt werden. 

Bisher investierte die Sozialbau für die gesamte Instandsetzung des Gebäudes fünf Millionen Euro, geschätzte weitere vier werden aber noch für die Sanierung der benachbarten Shedhalle nötig sein, so Singer. Alle Beteiligten, die Sozial- bau, das AÜW, die Stadt Kempten sowie Sylvia Becker, Leiterin der bfz-Kempten, zeigten sich nun zur feierlichen Einweihung des neuen Ausbildungszentrums der Bayerischen Wirtschaft glücklich. Entstanden sind auf diese Weise moderne, barrierefreie Ausbildungsräume mit modernster Haustechnik in einer alter Spinnerei mit einem neuen Gewand.

Jörg Spielberg

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