Baumfällung erregt Unmut bei Spaziergängern

Hochbehälter in Lenzfried im "Kreuzfeuer"

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Nach der aktuellen „Baumpflege“-Aktion ist nur noch ein kläglicher Rest des einst stattlichen Baumbestandes am Hochbehälter in Lenzfried geblieben – zum Ärger vieler Spaziergänger.

Lenzfried - Für eine ganze Menge Unmut haben Baumfällungen am, bei Spaziergängern beliebten Aussichtspunkt, Hochbehälter in Lenzfried gesorgt. So auch bei der Kemptenerin Ute Koch, die sich vor allem um die lediglich noch sechs verbliebenen großen Bäume des dortigen Bestandes sorge, wie sie dem Kreisboten mitteilte.

Zuvor hatte sie sich schon auf Spurensuche begeben und war auf das Kemptener Kommunalunternehmen (KKU) gestoßen, das für die Fällung der etwa zehn großen Bäume die Verantwortung trägt. Dass die ihrer Ansicht nach „kerngesunden“, Bäume mit rund einem Meter Durchmesser am Stamm weichen mussten, weil das dortige alte Wasserwerk aus dem Jahr 1906 „denkmalgeschützt“ sei und hoher Schaden entstehen könne, wenn solch ein Baum durch Sturm o.ä. umstürze, wie man ihr seitens KKU mitgeteilt habe, will sie nicht gelten lassen. „Buchen sind ja keine Flachwurzler“ und bislang hier ja wohl auch kein Problem gewesen, empörte sie sich. Auch die versprochene Nachpflanzung kann sie nicht versöhnen, denn davon werde sie nicht mehr viel haben, meint die 75-Jährige mit Verweis auf die „sicher über 50 Jahre alten Bäume“.

Ebenfalls von der Baumfällaktion „überrascht“ worden war Stadtrat und KKU-Verwaltungsratsmitglied Dr. Philip Jedelhauser (ödp), der am unteren Ende der Anhöhe zum Hochbehälter wohnt und sich zunächst noch über die Straßenabsperrung wegen „Baumpflege“ gefreut habe, wie er auf Nachfrage erzählt. Dann hätten ihn aber mehrere Spaziergänger angesprochen etwas zu unternehmen, so dass er sich diese „Baumpflege“ angesehen habe, aber „da waren schon alle umgehauen“. Auch er sprach von „kerngesunden Bäumen“, mit „bester Verwurzelung“ vor allem der vorderen und zeigte sich verwundert über das „eigenmächtige“ Vorgehen seitens des KKU. Allerdings, räumte er ein, „fallen nicht alle Bäume unter die Baumverordnung“. Seine Nachfrage beim für die Fällungen verantwortlichen Abteilungsleiter Wasser, Andreas Gnoth, habe zudem offenbart, dass möglicherweise auch „die letzten“ der Bäume am Wasserwerk fallen sollen.

Gefahrenabwägung entscheidend

Überraschung herrscht aber auch seitens Gnoth, und zwar wegen der unerwartet heftigen Reaktionen. Denn, wie er gegenüber dem Kreisboten erklärte, seien im November 2014 bereits drei 35 Meter hohe Schwarzkiefern gefällt worden – ohne jede Reaktion aus der Bevölkerung. Einer der Bäume mit gut einem Meter Durchmesser sei nur 1,50 Meter vom Mauerwerk des Kraftwerks entfernt gewesen, „an der Stelle hätte der Baum nie stehen dürfen“. Ebenfalls ohne Reaktion sei die Fällung von weiteren drei Schwarzkiefern und einer Kastanie im Herbst 2015 geblieben. Dem diesmal offensichtlichen Erklärungsbedarf kommt er aber bereitwillig nach. Dass von den aktuell gefällten „vermutlich rund 80 Jahre alten“ Eichen, Buchen und einer Kastanie, laut Baumpfleger lediglich drei nicht mehr in Ordnung gewesen seien, bestreitet Gnoth nicht. Aber, macht er deutlich „nicht aus Böswilligkeit“ gehandelt zu haben, „das KKU hat den Auftrag die Sicherheit der Wasserversorgung der Kemptener zu garantieren“, was durch die ebenfalls gesetzliche Verpflichtung, das Baudenkmal, zu dem der für die Wasserversorgung von Sankt Mang und Lenzfried zuständige Hochbehälter vor einigen Jahren erklärt worden sei, zu erhalten und zu schützen erweitert werde.

Über 400.000 Euro seien seither in die Erneuerung des Denkmals investiert worden, unter anderem für Steinmetzarbeiten am Eingangsbauwerk, die äußere Deckenisolierung, die Betoninnensanierung und auch Erneuerung der Rohrleitungen und Armaturen. Und dann „stand der Schutz an“, weshalb er sich schriftlich an das Amt für Umwelt und Naturschutz gewandt und erfahren habe, dass für Baumfällungen auf diesem Areal keine gesonderte Genehmigung erforderlich sei. Schutz deshalb, weil die Größe, das erhebliche Alter und die unmittelbare Nähe dieser Bäume zum Hochbehälter laut Gnoth „eine existentielle Gefahr für den alten Hochbehälter darstellen“, der in Stampfbetonbauweise, ohne moderne Stahlbewehrung errichtet worden sei. Selbst bei einem gesunden Baum könne niemand garantieren, dass dieser nicht umfalle und „ich kann das Risiko nicht eingehen“, verwies er auf seine Pflichten. Schon ein einziger fallender Baum dieser Größe „hätte die Behälterdecke durchschlagen“ und die Trinkwasserversorgung von rund 15.000 Bewohnern in Lenzfried und Sankt Mang „erheblich beeinträchtigt“. Abgesehen davon seien bei der Außensanierung vor rund drei Jahren Wurzeln eines zehn Meter entfernt stehenden Baumes entdeckt worden, die sich am Mauerwerk „über zwei Treppen bis zum höchstens Punkt des Bauwerks gearbeitet hatten“, was ebenfalls eine erhebliche Gefahr für das Bauwerk darstelle.

Keine weiteren Fällungen geplant

Weitere Fällungen sind für Gnoth jedenfalls erstmal kein Thema. Ein Gutachter soll nun die Bäume bewerten und falls sie für „stabil genug“ erachtet würden, sollen sie „belassen und in die neue Bepflanzung integriert werden“. Dieses Frühjahr sollen weitere Ersatzpflanzungen erfolgen, vermutlich mit Laubbäumen, die, so Gnoth, an dieser Stelle besser geeignet seien als Nadelgehölz. Nach Ansicht Jedelhausers müssten dort auf jeden Fall schon größere Bäume, zum Beispiel „mindestens drei zehnjährige Buchen“ gepflanzt werden.  

Christine Tröger

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