Sichtbare Interaktion

Die „Netzwerkmanufaktur“ von Bernd Rummert in der Kemptener Residenz liefert interessante Einblicke in den Entstehungsprozess. Foto: Tröger

Keine trennenden und beengenden Stellwände; stattdessen ein Hofgartensaal, der seine barocke Architektur wirkungsvoll entfaltet und auch den Kunstwerken der Ausstellung „raumzeit“ synergetisch Entfaltungsmöglichkeit einräumt. Es ist ein rares Erlebnis, diesen Raum in seiner nunmehr rund 60-jährigen Nutzung für Ausstellungen so generös „atmend“ zu erleben.

Selten gelingt es, ein Ziel eines Ausstellungskonzeptes so unmittelbar wahrnehmbar zu machen, wie bei „raumzeit“ der vier schwäbischen Künstler Elisabeth Bader, Christian Hof, Wolfgang Mennel und Bernd Rummert. Aber nicht nur die sichtbare Interaktion der modernen Plastiken, Fotografien und Bilder mit den baulichen Gegebenheiten sind erklärtes Ziel der vier Künstler: So unterschiedlich deren Werke in Material, Machart oder Intention sind, sollen auch sie an verschiedenen Stellen in Beziehung zueinander treten, zum Beispiel durch die zurückhaltende Farbigkeit, die nur an wenigen Punkten einen leuchtenden Akzent erfährt, oder die Ähnlichkeit geometrische Formen – ein Anspruch, der mal mehr mal weniger gut gelingt. Eine nüchtern klare Sprache dominiert die im Bild, dem Thema entsprechend zusammengepuzzelten, ausgedienten Elemente von Computer-Tastaturen des Kempteners Christian Hof. Er spielt unter anderem mit den Farbschattierungen der Tasten – die sich auch durch einen unterschiedlichen Grad an Abnutzung ergeben –, mit ihrer Ausrichtung, der visuellen Wirkung ihrer Buchstaben und Zeichen sowie der variablen Tastenhöhe, wenn er zum Beispiel „Neuland betreten“ will oder „Gesprächsbedarf“ hat. Spannend ordnen sich nicht nur die fragilen Plastiken der gebürtigen Betzigauerin Elisabeth Bader in das Gesamtkonzept ein. Gleich am Eingang lädt ihre wandfüllende Komposition „Stadtschwarzlichtung“ das Auge zum darüber wandern und entdecken ein. Ihre eigentlich als hängende Installation konzipierten „Magensteine“ ordnen sich dabei dem Raum unter und zeigen sich hier nur verpackt in einer Kiste am Boden. Die Fotografie ist das künstlerische Medium von Wolfgang Mennel aus Ziemetshausen. Durch Fotocollagen, deren Einzelbilder nicht zwingend in einem erkennbaren Zusammen- hang stehen, minimal manipulierte Fotografien oder historische Familienbilder als Frag- mente der Erinnerung stellt er die Wahrnehmung von Realität in Frage und auch, „ob Geschichte durch das Medium der Fotografie überhaupt real abgebildet werden kann“, wie OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) den zahlreichen Besuchern an die Hand gab. Geduld, Ausdauer und handwerkliches Geschick sind Begriffe, die einem unweigerlich beim Anblick der Drahtarbeiten von Bernd Rummert aus dem mittelschwäbischen Konradshofen in den Sinn kommen. Händisch biegt er Unmengen schwarzen Drahtes um die Backe einer Rundzange oder um große Holzstäbe – Teil der Basismaterialien für seine faszinierenden Objekte. „Mikado“, „Rhythmen“ oder „Läufer“ verdanken ihre Wirkung nicht zuletzt der sich vielfach wiederholenden Präsenz der einzelnen Elemente, aus der eine ganz eigene Dynamik entsteht. „raumzeit“ kann noch bis kommenden Sonntag, 18. März, im Hofgartensaal der Residenz besucht werden. Die Öffnungszeiten sind dienstags, mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Führungen mit den Künstlern gibt es am Samstag und Sonntag jeweils von 15 bis 16 Uhr. Im zur Ausstellung erschienenen Katalog werden die vier Künstler, ihre Methoden und Werke vorgestellt. Erhältlich ist der Katalog in der Ausstellung oder im Buchhandel.

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